TIDAL - Jay-Z und Freunde laden zum teuren Streaming ein

Wir sind gerne bereit, für gute Musik zu bezahlen. Wir bezahlen für gute Musik - zwar kaufen wir nicht mehr soviele CDs wie noch vor zehn Jahren, aber wenn wir uns auf ein Album freuen, dann geben wir gerne die 9,99 Euro bei iTunes dafür aus. Weil wir unseren Lieblingskünstler damit unterstützen. Weil dieser Künstler davon lebt. Nun bat Jay-Z in New York einige der profiliertesten Musiker der Welt zu einem "historischen Moment" - und da fängt die Farce an: Beyonce, Madonna, Chris Martin, Rihanna, Kanye West und viele mehr machten Werbung für TIDAL, einen neuen Streamingdienst, der Spotify Konkurrenz machen soll. Für etwa 20 Dollar im Monat. Wann Tidal nach Deutschland kommt und wieso die Veranstaltung in NYC einen bitteren Beigeschmack hat, lest ihr hier. Ein Kommentar!

Im 20.000 Dollar Pelzmantel, mit Champagner stoßen in dem Promo-Video, das wir euch hier oben zeigen, die wohl reichsten Menschen der Musikindustrie auf ihren Coup an. Man möchte sie schütteln und auf den Boden der Realität zurückholen. Natürlich ist es sinnvoll, Musik wieder als Einnahmequelle von tollen Musikern zu promoten. Natürlich sind wir traurig, wenn hervorragende Bands aufgeben müssen, weil sie von ihrem Beruf nicht leben können.

deadmaus madonne jay z

Madonna, Deadmau5, Kanye West und Jay-Z bei der TIDAL Präsentation in New York

Was kostet TIDAL?

Vielleicht geben wir die 20 Euro monatlich (es gibt auch ein Paket für 9,99 Euro, die Preisstrukturen sind etwas unübersichtlich), die TIDAL in Deutschland kostet, aus. 25 Millionen Songs sollen uns dafür zur Verfügung stehen.Vielleicht kaufen wir uns das neue Blur-Album, die erste Faith No More Platte nach 18 Jahren oder die neue CD von Rihanna dann aber doch lieber als Ganzes. Ein Flatrate-Streaming-Dienst, der als (teurere) Alternative zu Spotify antritt, ist für Musikliebhaber dennoch keine schlechte Idee. Man sollte schließlich unterstützen, was man liebt.

TIDAL Präsentation in New York

beyonce win butler

Beyonce, Regine Chassagne und Win Butler (Arcade Fire) und Alicia Keys

Und dennoch empfinden wir die Präsentation in New York nichts weiter als: großkotzig! Und warum sollten wir großkotzigen Menschen unser Geld in ihren Rachen werfen - vor allem, wenn sie damit umgehen wie einige der Kandidaten bei dem Event in New York.

Auch wenn dort hochgeschätzte Musiker wie Win Butler (Arcade Fire), Jack White (The White Stripes), Alicia Keys oder Deadmau5 am Start waren und bei dem PR-Coup ein Dokument unterzeichneten, dass den Startschuss von Tidal und dieser Musikmogul-Allianz markierte, sind wir ein wenig abgestoßen von der Selbstreferenzialität, von diesem Parallel-Universum innerhalb der Musikindustrie. Stößchen!