Rauschgift: So schnell wird man süchtig

Britney Spears, Lindsay Lohan, Kelly Osbourne & Co.: Sie alle waren schon Gäste in den US-Rehab-Kliniken und werden es wohl noch öfter sein. Aber man muss nicht berühmt sein, um den Drogen so schnell zu verfallen wie diese Hollywood-Stars. Auch Tanja aus Lüdenscheid hat diese schmerzvolle Erfahrung gemacht. In der Fachklinik Fredeburg hat sie einen Entzug gemacht. Auf jolie.de erzählt sie, wie sie drogenabhängig wurde.

„Ich hatte keine schlimme Kindheit oder irgendein tragisches Erlebnis, dass mich zu den Drogen gebracht hat“, erzählt Tanja. „Ganz im Gegenteil: Ich bin sehr umsorgt und behütet aufgewachsen.“ Alles beginnt ganz harmlos. Tanja nippt mit zwölf zum ersten Mal Bier aus Papis Glas. Keine große Sache. Als sie knapp 15 Jahre alt ist, machen in der Clique die ersten Joints die Runde. „Die haben wir natürlich heimlich geraucht. Und fanden es irrsinnig cool“, so Tanja. Soweit so gut. Eine solche Karriere haben viele von uns hingelegt.

Doch dann kommt Tanja in die Teeniejahre. Mit 17 kifft sie fast täglich. Und irgendwann kommen die chemischen Drogen dazu: Pilze, Ecstasy, LSD. „Meine Clique und ich waren fast jedes Wochenende Party machen. Es waren nur Jungs, alle ein bis zwei Jahre älter als ich. Ich war mehr so die Mitläuferin“, erzählt die heute 30-Jährige. „Die Drogen haben damals Spaß gemacht. Ich fühlte mich wie nicht mehr von dieser Welt, die Farben sahen anders aus, alles war leicht und schön und wir haben uns über alles totlachen können. Ohne das, wäre das weggehen nur halb so lustig gewesen“, erinnert sie sich. „Ich würde das Ganze mal als ‚bewusstseinserweiternd’ beschreiben.“ Angst hat sie nie. „Ich hätte nie etwas genommen, wenn ich schlecht drauf gewesen wäre“, meint sie. „Und ich habe nie negative Erfahrungen damit gemacht. Auch in meinem Umfeld kam es nie zu irgendwelchen Zwischenfällen.“ Bald kommt Koks zum Dogencocktail dazu.

Drogensucht: Wege in die Abhängigkeit

Über Monate nimmt es Tanja relativ regelmäßig. „Allerdings nur am Wochenende, sonst hätte ich mir das gar nicht leisten können.“ Irgendwann nimmt ihr Freund sie zu einem Mann in der Nachbarschaft mit. Ein Kerl, der Heroin raucht. Und auch Tanja probiert es aus. „Es ist keine tolle Droge. Der Rausch ist nicht toll. Man wird schlapp und müde und hat keine Lust auf irgendetwas.“ Zu der damaligen Zeit hat Tanja gerade ihren Realschulabschluss gemacht. „Ich hatte keine Perspektive. Meine Eltern wollten, dass ich nach Wuppertal gehe und eine Diätassistentin werde. Aber darauf hatte ich keine Lust.“ Und deshalb lässt sich Tanja zusammen mit ihrem Freund immer wieder auf die Droge Heroin ein. Und irgendwann kommt der erste Schuss. „Ich wollte es unbedingt ausprobieren. Aber ich konnte mich nicht selbst spritzen. Das hat dann mein Freund gemacht“, so Tanja. „Danach hing ich eine Stunde über dem Klo. Mir war nur schlecht – und überhaupt nicht berauscht.“

"Wenn ich keinen Stoff hatte, fing ich an zu zittern."

Trotzdem macht sie es wieder und ist bald abhängig. „Ich hatte für mich keine Zukunftsperspektive und zu Hause gab es deshalb Stress. Heute weiß ich, dass das Heroin nur eine Flucht war. Es gab einem dieses ‚Scheißegal-Gefühl’.“ Sieben Tage, 24 Stunden lang hängt sie mit ihrem Freund ab. „Keiner hat sich mehr um mich gekümmert. Und das war mir recht. Meine Eltern haben zwar gemerkt, dass ich ihnen entgleite, aber nach vielen Versuchen mich wieder ins Leben zu holen, haben sie irgendwann aufgegeben. Außerdem dachten sie ja nicht an Heroin, sondern nur, dass mein Freund eben ein schlechter Einfluss ist.“

Tanja ist heroinabhängig. „Wenn ich keinen Stoff hatte, fing ich an zu zittern, die Muskeln vibrierten, überall kribbelte es. Ich brauchte meinen täglichen Stoff.“ Das kostet Geld. „Ich fing an Klamotten zu klauen und sie zu verkaufen, stahl Geld aus Omas Geldbörse.“ Tanja bekommt Probleme mit der Polizei und ihre Mutter erfährt ihre ganze Misere. „Die hat mich dann da aus dieser Wohnung rausgeholt und mich zu einer Suchtberatungsstelle geschleift“, so Tanja. Der Entzug ist brutal. Kein Nikotin, kein Kaffee, kein Tee, kein Kontakt zu Menschen.“ Aber Tanja schafft es. Nach dem Entzug in der fachklinik Fredeburg zieht sie in eine andere Stadt und macht sie eine Ausbildung zur Gärtnerin. Ihren Freund sieht sie nie wieder. Tanja ist froh darüber. „Dass mich meine Mama da damals so rausgeholt, dafür bin ich ihr so sehr dankbar.“

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