Musical.ly-Zwillinge Lisa und Lena: Wer erklärt uns bitte diesen Hype?

- Da sieht man, was eine zu hohe Feinstaubkonzentration im Stuttgarter Talkessel anrichten kann: nämlich die Musically-Zwillinge Lisa und Lena. Wer das schwäbische Mädchendoppel nicht kennt, hat die Zeit verpennt. Die blonden Twins sind der aktuelle Mega-Hype im Social Web, in einer Zeit, die an Mega-Hypes nicht gerade arm ist. Tausende kreischende Fans beim Meet & Greet? Schon bald mehr Follower als der deutsche Instagram-König Toni Kroos? Eine eigene Modemarke? Ausverkaufte Tourneen? Was haben die Musically-Zwillinge Lisa und Lena bloß, was andere nicht haben? Und vor allem: Was können die eigentlich? Ein Erklärungsversuch.

Auch ohne Stimme erfolgreich: die Musical.ly-Zwillinge Lisa und Lena.

Dank Musical.ly: Lisa und Lena sind echte Weltstars. Dabei können sie nicht mal singen.

Wenn man fies wäre, könnte man fragen: Ist das Kunst, oder kann das weg? Aber erstens ist niemand fies, und zweitens müssen Lisa und Lena ja nicht weg. Bloß weil sie in einer Zeit aufwachsen, in der Klicks, Likes und Shares den Ton angeben. Wer diese Klaviatur beherrscht, muss nicht einmal mehr selbst singen, um Hysterien auszulösen, wie es ganz früher mal die Beatles, und viele Jahre später Tokio Hotel schafften.

Schwäbischer Exportschlager: Lisa und Lena genießen dank Musical.ly ihre 15 Minuten Ruhm. Weltweit.

Schwäbischer Exportschlager: Lisa und Lena genießen dank Musical.ly ihre 15 Minuten Ruhm. Weltweit.

Lisa und Lena: So wurden die Musically-Zwillinge berühmt

Womit wir auch schon bei der Frage wären: Was können die Musically-Zwillinge Lisa und Lena eigentlich? Singen? Das ist es nicht, obwohl sie es mittlerweile auch versuchen. Ihr Ruhm begründet sich auf einer Mini-Playback-Show im App-Format: Bei Musical.ly muss man die Hits der echten Popstars "lipsyncen", die kurzen Clips werden dann in der App oder auf Instagram geteilt. Lisa und Lena, von ihren Followern liebevoll LeLi genannt, beherrschen das Micro-Showformat perfekt. Und weil sie vornehmlich englischsprachige Songs benutzen, ist ihr Fame nicht auf Deutschland beschränkt.

Sie haben damit angefangen, als sie13 waren, ihre Adoptiveltern unterstützten Lisa und Lena dabei. Ein bisschen zappeln, süß gucken, die blonden Haare schütteln und mit Zahnspangen-Lächeln die Charts rauf und runter rödeln. Heute, zwei Jahre später, haben sie mehr als 20 Millionen Musically-Fans und 11,5 Millionen Instagram-Follower auf der ganzen Welt, die es kaum erwarten können, dass Lisa und Lena aus der Schule kommen und neue Clips produzieren. Oder ihre eigene Klamottenmarke vorstellen.

Social Hype: Lisa und Lena werden professioneller

Geändert hat sich in den beiden Jahren eigentlich nichts. Und doch alles. Lena und Lisa machen immer noch Zappel-Playback, was sie aber viel professioneller produzieren. Jede Pose ist choreografiert und zielt darauf, ihrer Fanschar die bestmögliche Social Experience zu bieten. Wer glücklich ist, klickt, wer klickt, generiert Einnahmen – aus Werbung und Merchandise. Und dafür muss man nicht einmal viel können.

Okay, Lisa und Lena sind nicht mehr nur die Musically-Zwillinge, sie singen jetzt auch richtig. Der Youtube-Clip zu ihrem ersten eigenen Song "Not my fault" wurde schon 4,5 Millionen Mal geklickt. Wahnsinn. Allerdings gab's mehr als 80.000 Dislikes. Wie kann das passieren? Sind das alles nur Hater? Und Neider? Und alte Säcke?

Oder gibt es doch noch so etwas wie den gesunden Menschenverstand, der in der Lage ist, die Musically-Zwillinge Lisa und Lena als das zu sehen, was sie sind? Eine schnelllebige Zirkusnummer in einer schnelllebigen Zeit voller schnelllebiger Menschen, denen es egal ist, dass sie eigentlich nichts bekommen, außer einer Illusion. Weil sie keine Zeit haben, sondern schnell zur nächsten Zirkusnummer hetzen müssen. Wir sehen uns in zwei Jahren, Lisa und Lena. Oder etwa nicht mehr?