So schlimm ist "Fifty Shades of Grey: Befreite Lust"

- Ich muss gestehen, dass ich die "Fifty Shades of Grey"-Bücher nie gelesen habe. Ich muss außerdem gestehen, dass ich nur den ersten Teil der Filmtrilogie gesehen habe. Nicht aus freien Stücken, ich war damals der einzige verfügbare Filmkritiker in der Redaktion. Und zugegeben: Ein bisschen neugierig war ich schon. Alle redeten ja über die Bücher. Also rammelte ich in ein Berliner Nobelkino zur Pressevorführung. Ich lachte (mich kaputt), ich war entsetzt, ich war enterotisiert. Es war der Horror. Ich wollte kotzen. Trotzdem kommt jetzt der dritte Teil ins Kino: "Fifty Shades of Grey: Befreite Lust". Ich frage mich: Warum? Und: Wer tut sich sowas an?

Der will doch nur f*cken! Christian (Jamie Dornan) hat alles im Griff. Vor allem seine unterwürfige Gattin Anastasia (Dakota Johnson).

Der will doch nur f*cken! Christian (Jamie Dornan) hat alles im Griff. Vor allem seine unterwürfige Gattin Anastasia (Dakota Johnson).

Ich war damals 2015 fest entschlossen, unvoreingenommen an die Sache ranzugehen und nicht zu lachen. Aber dann begann "Fifty Shades of Grey" über die Leinwand zu flimmern. Und ich hatte dringende Bedürfnisse: das Kino zu verlassen, mich selbst einzuweisen, meinen Job aufzugeben. Und dann feierte der Schinken auch noch Premiere im Rahmen der Berlinale. Dann doch lieber "Bachelor" und "Adam sucht Eva" hintereinander. Das ist wenigstens ehrlicher Trash.

Den zweiten Teil habe ich natürlich komplett ignoriert, vom Abschluss der Filmtrilogie "Fifty Shades of Grey: Befreite Lust" dann doch wieder ein paar Ausschnitte gesehen. So Clips halt, die Filmverleiher gerne als Vorspiel auf Youtube stellen. Und ich bin noch entsetzter. Wer schaut sich bitteschön so einen Mist an? Ich meine, die ersten beiden Filme spielten fast eine Milliarde US-Dollar ein. Es geben wirklich Leute Geld dafür aus. Und mit Leute meine ich Frauen.

Hey Mädels: Habt ihr sie noch alle? #MeToo ist ja wohl für den Arsch, wenn es solche Filme geben darf. Rollenklischees dürfen sich bis ins Widerwärtigste verfestigen: "Willkommen zu Hause Anastasia, dreh dich um, ich will dich jetzt nehmen." Und die Frau fügt sich. Warum?

Es heißt immer, "Fifty Shades of Grey" spiele im SM-Milieu. Bullshit. Was hier passiert, hat nichts mit BDSM zu tun, diese stets einvernehmliche Spielart des Sex'. In "Fifty Shades of Grey: Befreite Lust" geht’s allein um das Beherrschen, um das Unterwürfigmachen, darum, die Frau zu kontrollieren. Im Bett natürlich, aber auch im Leben: "Ich Christian, du meine Bitch."

Das sind zwar nicht die exakten Worte. Hier heißt es: "Ich bin nicht bereit dich zu teilen." Kinder sind also vorerst raus. Nicht mal Mutter sein darf Frau hier. Nur ein Objekt, das kontrolliert und überwacht wird. Zur Not auch beschützt, weil sie ja alleine nichts gebacken kriegt. So sieht sie also aus die Emanzipation in Hollywood.

Geht bitte nicht in diesen Film.

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