Keira Knightley im Interview: Pool Position in Hollywood

Keira Knightley schwimmt gerne mal gegen den Strom – nicht nur im Film. Jolie-Autorin Kerstin Lindeman traf sie zum Interview

Keira Knightley als Cecilia in der Literaturverfilmung

Keira Knightley in "Abbitte" (Bild: Gettyimages)

Die Spätsommersonne glitzert über der Lagune von Venedig, und es duftet nach frisch geschäumtem Cappuccino. "Schade, dass unser Gespräch nicht am Strand stattfindet", lacht Keira Knightley (Jahrgang 85) bei der Begrüßung. Wahrscheinlich kommt sie direkt von dort, denn ihr lässiges Outfit, ein beiges Minikleid und goldene Ballerinas, wäre absolut beachwürdig. Und der Strand des Nobelhotels "Excelsior" gehört zu den schönsten auf dem Lido. Wir sprechen über Keiras Film "Abbitte", in dem sie die wohlhabende Cecilia Tallis darstellt.

Das romantische Drama nach dem gleichnamigen Bestseller von Ian McEwan spielt in den 30er-Jahren, auf einem noblen Landsitz. Dort träumen Cecilia und ihre kleine Schwester Briony (Saoirse Ronan) in den Tag hinein, und Cecilia verliebt sich unsterblich in Robbie (James McAvoy), den Sohn der Hausangestellten. Doch als Briony vermeintlich Zeugin wird, wie Robbie ein Mädchen vergewaltigt, nimmt das Unglück seinen Lauf. Im Interview erzählt Keira über Fantasiewelten, die Schattenseiten ihres Berufs – und ihren Modeljob für Chanel.

Intrigen, Drama, Liebe – eine Kinovorstellung von „Abbitte“ übersteht man ja nur mit Taschentüchern im Gepäck...

KK: Sie brauchen mindestens eine Packung! Ich liebe tragische Romanzen – und die Unmöglichkeit einer Liebe macht für mich erst die Romantik aus. Das ist wohl typisch weiblich. Schon bei der Lektüre von "Abbitte" musste ich fast auf jeder Seite schluchzen wie ein Schlosshund!

Ist eine Liebe, die so tief ist wie zwischen Robbie und Cecilia, in der Realität überhaupt möglich?

KK: Das weiß ich wirklich nicht! Aber es ist eine wunderbare Vorstellung – das ist doch das Einzige, was zählt. Ich habe noch keine Ahnung vom richtigen Leben, mein Job sind Filmfantasien...

Sind Sie auch privat so stark wie die Frauen, die Sie so verkörpern?

KK: Man muss als Künstler egoistisch sein und nur Rollen spielen, die einen interessieren. Wer sich beim Spielen langweilt, spielt mies. Also suche ich nach starken Frauen, weil sie interessant sind. Privat widert es mich an, wenn Frauen nur in der Ecke stehen und jammern.

Worüber zum Beispiel?

KK: Untreue. Dein Mann hat eine Affäre? Ich würde sagen: Schneid ihm die Eier ab! In meinem Film "Silk" (Kinostart: 2008) tue ich genau das Gegenteil: Meine Figur wird von ihrem Mann nach Strich und Faden betrogen und bleibt trotzdem unglaublich verzeihend. So einen schrecklich guten Mensch zu spielen war eine echte Herausforderung! (lacht)

Welche war denn Ihre stärkste Frauenrolle?
KK: Die Kopfgeldjägerin aus "Domino". Nach dem Ende der Dreharbeiten lief ich zu Hause herum, als hätte ich eine Waffe im Anschlag. Bis meine Mutter mich anschnauzte: Kannst du dich eigentlich mal wieder normal bewegen?

Sie sind 22 und schon ein alter Hase. Macht Ihnen die Schauspielerei überhaupt noch Spaß?
KK: Natürlich, aber früher fand ich auch das Reisen toll. Ich hielt es für wahnsinnig aufregend, aus dem Koffer zu leben und ständig unterwegs zu sein. Nur: Irgendwann war ich schrecklich einsam dabei. Jetzt arbeite ich lieber öfter in England. Und sollte ich meinen Beruf mal hassen, dann höre ich auf!

Dann könnten Sie weiter die Stil-Ikone für Chanel spielen...
KK: Ich eine StilIkone? Auf keinen Fall! Ich bin eigentlich nicht so sehr an Mode interessiert und wirklich alles andere als ein Fashion Victim. Außerdem hasse ich es, fotografiert zu werden!

Nicht gerade die idealen Voraussetzungen, um als Model Zweitkarriere zu machen...
KK: (lacht) Stimmt. Früher war das nicht so schlimm, aber mittlerweile mag ich einfach keine Fotos mehr. Aber Job ist Job. Ich habe ein Buch über Coco Chanel gelesen und so getan, als ob ich sie wäre und dabei gefilmt werde. Was soll ich sagen: Der Spot ist toll geworden!

Keira Knightley ist als Werbe-Ikone souverän in die Fußstapfen von Kate Moss getreten:

Als Gesicht für das Parfum Coco Mademoiselle. Mit "Coco Mademoiselle" schuf der Parfumeur Jacques Polge 2001 eine Hommage an Coco Chanel. Seit 2007 ist Keira Knightley das Gesicht der Kampagne und damit Nachfolgerin von Kate Moss. Der Clip wurde von Regisseur Joe Wright ("Abbitte") im Apartment von Coco Chanel gedreht.

Mehr zu Keira Knightleys neuem Film "Abbitte" lesen Sie in der Filmbesprechung.

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