Family Business: Maximilian Brückner und Nadja Uhl im Interview

Warum Maximilian Brückner am liebsten acht Kinder möchte und Nadja Uhl sich in eine alte Ruine verliebt hat ...

Fast wären Maximilian Brückner seine blonden Locken zum Verhängnis geworden: Regisseurin Doris Dörrie wollte für ihren neuen Film "Kirschblüten – Hanami" unbedingt einen dunkelhaarigen Mann. Andererseits: Wer kann Maximilian schon widerstehen?! Und so spielt er in der Tragikomödie mit Nadja Uhl ein Geschwisterpaar. Gedreht wurde in Bayern und Berlin, an der Ostsee und in Tokio – zur Zeit der Kirschblüte.
Ziemlich spannend und ein bisschen wie Urlaub – oder wie muss man sich Ihre vielen Auslanddrehs für den Film vorstellen?
Maximilian Brückner: Tatsächlich war es wahnsinnig spannend. Tokio zum Beispiel ist schlicht der Hammer! Doch die Stadt macht dich in kurzer Zeit fertig. Ich fühle mich zwar extrem privilegiert, dass ich im Job solche Erfahrungen sammeln darf. Andererseits freue ich mich aber immer sehr, wieder nach Hause zu kommen ...
Nadja Uhl: Das geht mir genauso: Jeder Auslanddreh bedeutet gleichzeitig, dass man länger von seinen Liebsten getrennt ist. Das fällt mir besonders schwer – vor allem, seitdem wir unsere kleine Tochter haben. Aber bei meinen letzten Dreharbeiten zu "Mogadishu" durfte ich meine Familie mitbringen. Das hat natürlich einen unglaublich psychologischen Effekt.
In "Hanami" geht es um eine Familie, in der jeder seinen Weg geht und sein Ding macht – bis sich alle fremd sind. Könnte Ihnen das auch passieren?
Maximilian Brückner: Soll das ein Witz sein?! (lacht) Auf keinen Fall: Meine Familie bedeutet mir alles! So wichtig kann meine Karriere gar nicht sein. Was habe ich davon, wenn ich auf der Bühne geliebt werde – und nach dem Applaus in eine leere, einsame Wohnung komme?
Nadja Uhl: Aber was meinst du, wie viele Schauspieler es gibt, die sich allein fühlen? Es kann ein sehr einsamer Beruf sein. Vielleicht, weil es sehr schwer ist, Menschen zu finden, die auch das Glück ehrlich mit dir teilen können. Gerade wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist dieser kleine Einzugsbereich Familie extrem wichtig!
Maximilian, Sie leben mit Ihren Brüdern zusammen in Riedering am Chiemsee. Viele sind froh, wenn sie endlich zu Hause rauskommen ...
Maximilian Brückner: Das habe ich alles hinter mir. Ich hatte eine kleine Wohnung in München. Eigentlich wusste ich schon vorher, dass das nichts für mich ist. Ich bin so froh, jetzt wieder auf dem Land zu leben! Meine Brüder sind gleichzeitig auch meine besten Freunde. Wir haben also eine perfekte Männer-WG. Und diese Land-Vorurteile sind doch wirklich lächerlich: Wir haben sogar schon Strom und fließendes Wasser ...
Nadja Uhl: Wie viele Geschwister hast du?
Maximilian Brückner: Sieben – meine jüngste Schwester ist zehn Jahre alt und könnte meine Tochter sein. Das ist großartig: Alle Generationen sind vertreten. Meine Familie ist mein Halt. Egal, was mir passieren sollte – ich weiß, dass ich nie alleine sein werde. Dieses Gefühl der Sicherheit ist schon toll.

Klingt sehr harmonisch. Kaum zu glauben, dass Sie nie genervt waren ...
Maximilian Brückner: Ist aber so! Obwohl ... das einzig Anstrengende ist, dass man keinen Besitz hat: Wenn du dir einen Pulli kaufst, kannst du davon ausgehen, dass er für die nächsten Wochen erst einmal verschwunden ist ...
Wollen Sie selbst eigentlich auch so viele Kinder?
Maximilian Brückner: Am liebsten schon. Aber ich werde wohl heute keine Frau mehr finden, die das mitmachen würde ... (lacht)
Stimmt, solche Wünsche sind im Single-Deutschland äußerst selten geworden. Für viele ist Familie nur noch mit Pflichtbesuchen zu Weihnachten und Ostern verbunden ...
Nadja Uhl: ... und das liegt vielleicht auch daran, dass alle viel zu hohe und vielleicht auch ganz
andere Erwartungen voneinander haben. Familie hat so viel mit Rücksichtnahme auf andere zu tun. Bei uns ist auch nicht immer alles purer Sonnenschein. Aber wir sind bereit, uns mit den Problemen der anderen auseinanderzusetzen.
Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?
Nadja Uhl: Meine Familie ist und bleibt das Wichtigste für mich. Außerdem wäre ich sehr glücklich, meinen Beruf genau so weiter ausüben zu können, wie es momentan der Fall ist, und dabei noch mehr zu lernen. Meine restliche Zeit verbringe ich auf Baustellen, um denkmalgeschützte Ruinen zu neuem Leben zu erwecken. Ich habe eine Vision von einem Ort, an dem wir mit den liebsten Menschen zusammen wohnen können und an dem sich trotzdem jeder aus dem Weg gehen kann. Ich glaube, dass jede Nähe auch viel Freiraum braucht. Aber im Moment arbeiten und renovieren wir noch. Und dann muss man erst mal sehen, ob wir noch Freunde haben, wenn wir fertig sind. (lacht)
Maximilian Brückner: Wow – das erinnert mich an die Zeit, als meine Eltern ihren Bauernhof gekauft und renoviert haben. Jeder von uns musste mit anfassen. Danach konnte ich alles: Fliesen verlegen, mauern und tapezieren. Aber das gibt ein gutes Gefühl: Du schaffst dir etwas ganz Eigenes, und das bindet dich auf besondere Weise an einen Ort. Ich finde es toll, dass ihr mit allen wohnen wollt. Der Trend, dass alles immer teurer wird, hat – finde ich – einen entscheidenden Vorteil: Man kann es sich so nämlich fast nicht mehr leisten, die Oma ins Altersheim zu geben ...
Was löst bei Ihnen ein Gefühl von Heimat aus? Verbinden Sie damit eher einen Ort oder Menschen?
Maximilian Brückner: Beides! Ich könnte mir durchaus vorstellen, mal für eine Zeit in einem anderen Land zu leben. Aber meine Heimat ist in Bayern! Da sind die Menschen, für die ich immer der Maxi Brückner bleiben werde. Ich könnte einen Oscar gewinnen – und niemand würde anders mit mir umgehen. Das finde ich cool!
Nadja Uhl: Beides ist auch nicht untrennbar miteinander verbunden. Ich bekomme zwar einerseits schneller Heimweh, wenn mein Freund und meine Tochter nicht bei mir sind. Aber andererseits freuen wir uns auch immer auf zu Hause, wenn wir drei zusammen unterwegs waren.

Hier gibt´s eine Auswahl an guten Filmen: