Der Bachelor - eine Stilkritik

- Unser Kolumnist wurde schon vor Jahren gezwungen, sich eine Folge von "Der Bachelor" anzusehen. In guter alter Tradition musste Marc nun wieder ran - die erste Folge "Der Bachelor" von 2016 aus der Sicht eines Mannes...

Leonie BAchelor

Leonie bekam vom Bachelor Leonard Freier die "weiße Rose" überreicht. Hat RTL also doch einen Bildungsauftrag? Mitnichten...

Die Sendung geht los: Auftritt Leonard Freier, schnelle Schnitte, Frauen im Minirock, dann sagt eine bedeutungsschwere Stimme aus dem Off: „Er muss sich zwischen diesen beiden Frauen entscheiden“. Wie? Das war’s schon? Keine zwei Minuten und zack: Finale. Bisschen kurz, aber hey, mehr Zeit fürs Dschungelcamp, also: Wen nimmt er? 

Ach so. Das war eine Art Trailer im Schnelldurchlauf. Schade. Also doch the same procedure as every year. Das heißt: Wir haben jetzt zwei Monate Bachelor mit acht Sendungen vor uns. Aber da müssen wir jetzt durch und danach ist schon fast Frühling. 

Ein Freier und 22 Frauen

leonard freier

Zum Wichtigsten: Wie ist der neue Bachelor? Er heißt Leonard Freier (Freier!) und mal als Mann gelästert: Er sieht aus wie 21. Ist aber 30. Hat ein Kind (kommt bei RTL-Bachelors ja öfter vor), fährt Porsche, ist Unternehmensberater und kommt aus München. Quatsch, nein: aus Berlin. Sieht nur aus wie sich ein Berliner  einen Münchner aus Grünwald vorstellt. (Kurz nachgefragt: Die jolie.de-Redaktion findet Leonard auf den ersten Blick so mittel, besser als Oliver im Vorjahr, ihr Favorit bleibt aber Jan aus der vorvorletzten Staffel.) 

Darf man sagen, dass der Bachelor lispelt und ein bisschen schielt? Ja, er spricht es ganz offen an: sympathisch. Leonards Eltern werden gezeigt, der Vater gibt dem Sohn gutherzig den Tipp: „Wenn eine dabei ist, hör auf dein Herz.“ Rührend, den „Bachelor“ sieht er offenbar zum ersten Mal und stellt sich eine Art harmlose Herzblatt-Sendung vor. 

Der Bachelor, großherziger Porschefahrer

Der Bachelor zeigt uns schnell noch seine Firma (drei Filialen in Deutschland) und seine Stiftung für notleidende Kinder in Afrika – jetzt wirkt er endgültig wie ein Fake-Profil einer Online-Datingsite. „Geld ist für mich zweitrangig, ich gebe es lieber für andere Menschen aus“, sagt der großherzige Bachelor – und fährt selbstlos im weißen Porsche davon. Zum Setting: Die Bachelor-Villa steht diesmal in Miami, sieht aber genauso aus wie die Bachelor-Villa der Vorjahre in Südafrika.  

Nun aber zu den Frauen. Die kreischen erstmal alle, weil sie in die USA fliegen – als wäre das hier Ostfernsehen 1985. Welcome to Miami. Das erste Kennenlernen. Eine nach der anderen steigen aus einem schwarzen Wagen mit getönten Scheiben. Es folgt der immergleiche Dialog: „Ich bin so aufgeregt“ – „Ich auch“ – „Gut siehst du aus“ – „Du auch“ – „Und was machst du so?“ – „Und du so?“ – „Dann geh doch schon mal nach oben und hol dir was zu trinken.“

Welche Kandidatinnen bleiben im Gedächtnis?

Im Gedächtnis bleiben die Nürnbergerin, die es nicht schafft, die Haustüre alleine aufzumachen. Steffi, deren Mutter und Vater im Einspielfilm dieselbe unfassbare Steffi-Graf-1981-Frisur haben. Die Deutsch-Türkisch-Inderin Jasmin, die „mega viel studiert hat“.