"Ich lebe in der Erinnerung" - Andreas Gabalier im Interview

- Da liegt sie, die Lederhosn. Auf dem Hotelzimmerboden. Und der stolze Träger? Der ist nebenan im Badezimmer. "Jetzt musst‘ ich mich erst noch a mal frischmachen", lacht Andreas Gabalier und begrüßt uns im legeren Freizeit-Outfit zum Interview im Münchner Sheraton Hotel. Die Lederhosn (ein von sieben übrigens!) liegt lediglich für den Auftritt am Abend bereit. Der 29-Jährige steckt mitten im Promo-Marathon, denn seine neue Live-DVD "Home Sweet Home" ist Anfang März erschienen und die Konzerte ab Mai stehen an. Außerdem hat er eine neue TV-Show im Gepäck: "Gabalier - Die Volks-Rock’n’Roll-Show", die ab 06. September bei ARD zu sehen ist. Mit uns sprach Andreas Gabalier im Interview darüber, was sich für ihn im Vergleich zu früher am meisten verändert hat, was ihn mit seinem Bruder Willi verbindet, und warum seine Oma der heimliche Star im Dorf ist.

Der Volks Rock'n'Roller: Andreas Gabalier im Interview

Der Volks Rock'n'Roller hautnah: Jolie.de traf Andreas Gabalier zum Interview in München.

Jolie.de: Ist es auffällig, dass inzwischen hauptsächlich junge Frauen zu Interviews kommen?

Andreas Gabalier: Eigentlich ausschließlich. Es sollte einem aber ja nichts Schlimmeres passieren!

Jolie.de: Woran liegt das? Was hast du für ein Erfolgsrezept?

Andreas Gabalier: Ich weiß nicht. Ich mach‘ einfach. Ich erzähle mein Leben, in musikalischer Form. Und ich bin zu 110 Prozent ich. Das ist keine Show, die ich da abziehe.

Jolie.de: Allerdings warst du am Anfang ja eher der brave Volksmusik-Bub mit Föhnfrisur. Das ist schon ein Image-Wandel ...

Andreas Gabalier: Nun, man verändert sich. Die Haare waren schon immer irgendwie anders. Jetzt ist die Welle oftmals nicht mehr wegzudenken. Die Songs aber sind immer noch die gleichen, die damals beim Start schon erfolgreich waren. Die werden immer noch am lautesten mitgesungen. Gut, der Volks Rock’n’Roller hat sich entwickelt. Denn es musste einfach einen Überbegriff geben: Ich las immer vom Volksmusikanten, vom Austro-Popper, dem Alpen-Rocker und Schlager-Star. Das passte alles nicht. Also wurde der Volks Rock’n’Roller ins Leben gerufen - eine eingetragene, geschützte und patentierte Marke.

Andreas Gabalier Tattoo
Jolie.de: Die du dir sogar unter die Haut hast stechen lassen! Ist das dein einziges Tattoo?

Andreas Gabalier: Fast (lacht). Es gibt Dinge, über die spricht man nicht ...

Jolie.de: Aber brav bist du schon immer noch, so wie früher?

Andreas Gabalier: Ja sicher, schaut mich an!

Jolie.de: Was war das bisher Verrückteste, das du getan hast?

Andreas Gabalier: Meine Tour im letzten Herbst! Wenn man bis nach Hamburg und Berlin hoch die Burschen und Mädels in Tracht sieht - damit rechnest du nicht, dass es auch im hohen Norden so funktioniert, wie bei uns in Österreich. Aber sonst? Mein Gott, ich bin ja kein Wilder. Ich haue auf der Bühne keine Gitarren zusammen und werfe keine Fernseher aus dem Hotelfenster - aber nur weil die Fenster nicht mehr aufgehen (lacht).

Jolie.de: Was hat sich im Vergleich zu früher am meisten verändert?

Andreas Gabalier: Ich kann kaum noch unerkannt rausgehen. Mit Mütze geht’s vielleicht, aber auch nur kurz. Auch meine Freizeit wurde weniger. Doch dafür reise ich jetzt viel. Während der Uni hatte ich dafür einfach nicht die Zeit - und das Geld schon gar nicht.

Jolie.de: Wie oft bist du noch daheim?

Andreas Gabalier: Drei, vier Tage im Monat.

Jolie.de: Und was ist das erste, das du dann tust?

Andreas Gabalier: Ich reiße alle Fenster auf, weil’s meistens modrig stinkt (lacht). Im Winter lasse ich mir die Badewanne ein, werfe die Wäsche in die Waschmaschine. Und ich schlafe, schlafe, schlafe. Ich wohne noch immer in Graz in meiner alten Studentenbude. Das Haus, das ich mir jetzt gekauft habe, ist zwar eigentlich fertig. Aber ich habe so eine liebe Nachbarschaft in meiner Wohnung, die möchte ich noch nicht ganz hergeben.

Jolie.de: Welche Menschen von früher sind dir noch geblieben?

Andreas Gabalier: Alle. Und es gibt auch keine Neuen. Die Basis steht.

Jolie.de: Hast du auch Neider?

Andreas Gabalier: Die gibt’s immer wieder. Das lässt mich aber relativ kalt. Wir waren vier Kinder zu Hause, wir kannten dieses Gefühl nicht wirklich. Außerdem gibt es so viele Leute, die sich ehrlich mit mir freuen.

Jolie.de: Sänger wolltest du aber nie werden ...

Andreas Gabalier: Unverhofft kommt oft. Es ist die klassische Musikantengeschichte. Vor fünf Jahren gab es ein Gedicht, für die Ex-Freundin. Ich habe es zum Radio getragen, und es wurde in Österreich gespielt. Der Rest ist Geschichte.

Jolie.de: Und wenn du nicht Sänger wärst?

Andreas Gabalier: Dann wäre ich jetzt wahrscheinlich Jurist. So war zumindest der Plan. Und es muss immer einen Plan geben! Der wurde aber durcheinander gebracht, und plötzlich war da die Musik. Das hätte ich nicht gedacht. Auch nicht am Anfang, als alles angelaufen ist. Es war eher so: Ok, dann mache ich eben mal eine CD! Dass aber dann so viel draus wird ...

Jolie.de: Du kannst allerdings keine Noten lesen.

Andreas Gabalier: Stimmt. Ich kann natürlich ein paar Griffe auf der Gitarre, der Harmonika und auf dem Klavier. Aber ich könnte keine Noten schreiben. Mir reicht mein Mikro am Laptop und ein Aufnahmeprogramm, für das ich drei Tage lang einen Kurs belegte. Das reicht schon, um eigene Songs aufnehmen zu können.

Jolie.de: Kommst du aus einer Künstlerfamilie?

Andreas Gabalier: Überhaupt nicht. Nur mein Bruder war immer der Künstler. Er träumte von der Bühne. Ich war lieber am Eishockeyplatz.

Jolie.de: Jetzt tanzt dein Bruder sogar bei "Let’s Dance"!

Andreas Gabalier: Und ich freue mich riesig für ihn! Ich glaube, in dieser Rolle geht er voll auf.

Andreas Gabalier Bruder

Willi Gabalier ist der Bruder von Andreas Gabalier und hat seinen großen Auftritt bei "Let's Dance".

Jolie.de: Kannst du auch tanzen?

Andreas Gabalier: Zur späten Stunde (lacht).

Jolie.de: Aber einen Walzer hast du drauf?

Andreas Gabalier: Na logisch! Die Grundschritte klappen schon ...

Jolie.de: Und der "Oarschwackler" geht auch immer?

Andreas Gabalier: Das ist schon ein Klassiker. Wie der entstanden ist, weiß ich gar nicht mehr.

Jolie.de: War dein Bruder schon bei einem deiner Konzerte?

Andreas Gabalier: Sicher, immer wieder. Wir sind stolz aufeinander. Es läuft super für beide. Jeder macht sein Ding. Aber wenn wir uns sehen, reden wir gar nicht viel darüber. Wir gehen lieber wandern, fahren Bob oder Schlitten.

Jolie.de: Und deine Oma? Von ihr hast du auch schon oft erzählt …

Andreas Gabalier: Wenn es sich irgendwie ausgeht, kommt auch sie mit ihren 88 Jahren immer noch zum Konzert. Sie ist mein größter und stolzester Fan. Der Dorfstar in den Seetaler Alpen! Sie lebt durch die Musik total auf.

Jolie.de: Siehst du sie noch oft?

Andreas Gabalier: Vor zwei Wochen war ich zuletzt bei ihr, wir haben bis zwei Uhr morgens Canasta gespielt, eine Flasche Eierlikör vernichtet. Ich dachte mir schon: Oma, dein Herzschrittmacher! Aber sie sagt immer: "Bua, solange ich lebe, wird mein Herz schon noch schlagen." Die schenkt sich selber nichts, ist up to date durch ihre 14 Enkel und zwölf Urenkel. Sie kann Englisch und skypen - eine Turbo-Oma eben! Durch die große Familie ist sie fit geblieben. Viele ältere Menschen haben heutzutage keine Kinder, keine Enkel mehr – und dadurch oft keine Aufgabe. Irgendwann verrostet man. Aber wenn man eine große Familie hat, muss man immer füreinander da sein.

Jolie.de: Sind das auch die Zeitpunkte, in denen du geerdet wirst?

Andreas Gabalier: Ich glaube, man muss mich nicht erden. Aber das ist Zeit, die ich gerne verbringe, wenn es irgendwie geht.

Jolie.de: Nimmst du dir auf Tour ein Stück von zu Hause mit?

Andreas Gabalier: Eigentlich nicht. Nur mein Schneuztüchlein begleitet mich immer wieder. Ansonsten lebe ich in der Erinnerung.

Andreas Gabalier Interview

Er sang a Liad für uns - Andreas Gabalier beim Interview in München.