Alexandra Neldel und Kostja Ullmann

Wie das Leben so spielt: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt - gerade für Schauspieler. Alexandra Neldel und Kostja Ullmann über Image, Illusionen - und nackte Tatsachen.

(Bild: Getty Images und Colourpress)

(Bild: Getty Images und Colourpress)

(2008) Alexandra Neldel ist so, wie man sie sich vorstellt: bildhübsch, unkompliziert, witzig und supersympathisch. Ein Mädchen von nebenan eben. "Und ich werde immer als Junge von nebenan gehandelt", ulkt Kostja Ullmann, als wir die beiden Stars zum Interview in Berlin-Kreuzberg treffen. "Na, dann weißt du jetzt ja, warum genau wir beide hier sitzen und uns unterhalten dürfen", kontert Alexandra Neldel lachend.

Sind Sie gern das Mädchen von nebenan?
Alexandra Neldel: Das kann ja nur mit meiner Rolle als Lisa Plenske in "Verliebt in Berlin" zu tun haben. In dem Sat.1-Krimi „Zodiak“ spiele ich eine Anwältin, in meinem neuen Film „Märzmelodie“ eine melancholische Lehrerin. Natürlich ist da überall etwas von dem „girl next door“ drin – aber wenn, dann mit vielen Tiefen.

Es liegt wohl auch daran, dass Sie – egal, was Sie spielen – immer sehr sympathisch rüberkommen.
Neldel: (lacht) Ich bin so!
Kostja Ullmann: Ich glaube, es kommt besser, wenn ich jetzt sage: Sie ist so! (lacht)
Neldel: Ja, du hast recht. Klingt viel sympathischer. Ich glaube, das Image kommt daher, dass ich noch nie böse Rollen gespielt habe. Dabei könnte ich mir gut vorstellen, wie Uma Thurman in „Kill Bill“ als Rächerin rumzulaufen. Aber vielleicht kommt das noch. Darauf freue ich mich schon sehr!

Wie sind Sie denn in dem Job gelandet?
Ullmann: Ich komme aus einer typischen Künstlerfamilie: Meine Mutter war Balletttänzerin, mein Vater Schauspieler am Theater. Er hatte damals eine Agentur und fragte mich, ob ich nicht bei einem Casting mitmachen möchte. Ich bekam die Rolle und wusste: Das ist mein Beruf! Da war ich elf Jahre alt.
Neldel: Spannend! Ich bin so in die Schauspielerei reingerutscht. Zuerst habe ich Zahnarzthelferin gelernt. Ich hätte nie gedacht, dass ich tatsächlich Leute unterhalten kann. Für mich war das immer eine andere Welt.
Ullmann: Bei uns gingen viele Schauspieler ein und aus. Da lernt man sehr schnell, dass das alles ganz normale Leute sind.

Wie viel Privates sind Sie denn bereit, in Ihren Rollen preiszugeben? Wie ist es zum Beispiel mit Nacktszenen?
Ullmann: Ja, hab’ ich schon gemacht. (lacht) Wenn es für den Film oder die Rolle wichtig ist, wie es zum Beispiel in „Verfolgt“ der Fall war. Aber es gibt Grenzen, was ich alles zeige...
Wo sind die?
Neldel: Ooh, da mache ich mal schnell für dich weiter, Kostja. Also, ich hatte früher auch Nacktszenen... Das hat zu dieser Zeit gepasst, war in Ordnung und richtig. Inzwischen bin ich etwas kritischer geworden. Klar: Sex sells. Aber warum muss man gleich alles zeigen?
Ullmann: Das machen die Amerikaner ganz gut, finde ich...
Neldel: Ja, erinnere dich an die Liebesszene in „Rendezvous mit Joe Black“. Die ist doch der Hammer – obwohl man nicht so viel sieht.

Ist es nicht schwierig, sich bei Dreharbeiten vor allen auszuziehen? Werden die dann vom Set geschickt oder wie geht das?

Neldel: Ach, das ist ja immer so lustig, wenn die ganze Crew raus muss. Die sitzen dann alle vor der Tür und gucken sich das auf diesen kleinen, portablen Bildschirmen an, mit denen sie ausgerüstet sind. Und außerdem mache ich die Aufnahmen ja sowieso für das breite Publikum da draußen. Also was soll’s...
Ullmann: Ja, am Anfang ist man noch etwas verklemmt und sieht zu, dass man so schnell wie möglich wieder in den Bademantel kommt. Aber irgendwann ist es einem so egal...
Neldel: Stimmt. Aber es kommt schon darauf an, mit wem man dreht. Es gibt da die charmanteren Kollegen, die sich immer ein bisschen vor einen legen, damit man nicht alles sieht.

Sie und die Moderatorin und Schauspielerin Janin Reinhardt sind ja ein Paar. Schaffen Sie es, die Beziehung privat zu halten?

Ullmann: Na ja, es ist ja offensichtlich, dass wir zusammen sind, schon allein, wenn wir bei offiziellen Veranstaltungen gemeinsam über den roten Teppich laufen. Aber wir geben nicht mehr preis, als wir wollen, oder plaudern intime Sachen aus.

Und Sie, Frau Neldel?

Neldel: Bin ich schon mal mit jemandem über den roten Teppich gelaufen? Nö.

Nein, aber es wird etwas von einem Kameramann gemunkelt...

Neldel: Ach, das munkelt man schon seit so vielen Jahren. Die Menschen, die ich liebe, meine Familie, die können ja nichts dafür, dass ich mir diesen Beruf ausgesucht habe. Deshalb muss ich trotzdem nicht über Privates reden. Das ist in meinem Herzen. Das ist meins. Die Leute wissen doch sowieso schon so viel von uns Schauspielern. Wie wir aussehen, wenn wir vor der Kamera Sex haben, wenn wir weinen, wenn wir lachen. Wir geben viele Emotionen preis. Die Liebe, die für uns ist, muss auch für uns bleiben.

Wie ist das mit einem neuen Partner: Muss der von der Familie als Instanz akzeptiert werden?

Ullmann: Meine Eltern haben mich gut genug erzogen, um zu wissen, dass ich mir die richtige Frau aussuche und keine Verrückte anschleppe...

Werden Sie von Paparazzi verfolgt?

Neldel: Nein. Ich bin wirklich froh, dass es hier nicht so ist wie in England oder Amerika. Habt ihr damit Probleme, Kostja?
Ullmann: Überhaupt nicht. Wahrscheinlich sind wir viel zu uninteressant. (lacht)

Welche Pläne oder guten Vorsätze gibt es für das neue Jahr?

Neldel: Gute Vorsätze sind doch eh nur dazu da, sie zu brechen. Und Pläne mache ich keine. Ich habe mein ganzes Leben nicht geplant und bin damit am besten gefahren. Aber was jetzt wirklich ansteht, ist Urlaub!
Ullmann: Wo soll es denn hingehen?
Neldel: Keine Ahnung... Strand wäre schön.
Ullmann: Ich möchte mal für drei bis vier Monate nach Indien reisen. Meine Mutter stammt von dort, und ich würde gern meine Wurzeln kennenlernen.

KOSTJAS FAVORITEN

Welches sind Ihre Lieblingsfilme? „Shooter“, „Y tu mamá también“

Was tun Sie morgens als Allererstes? E-Mails checken und dann duschen

Welches Buch liegt gerade neben Ihrem Bett? Hape Kerkeling: „Ich bin dann mal weg!“

In welcher Bar Ihrer Stadt hängen Sie am liebsten ab? Bar Hamburg

Wohin würden Sie aus-wandern? Bora Bora

Was ist Ihr momentanes Lieblingsaccessoire? Handschuhe

Was ist der teuerste Gegenstand, den Sie besitzen? Mein Auto, ein Opel GT

Was haben Sie sich zuletzt gekauft? Eine Tastatur für meinen Mac

Sie dürfen zwei Personen der Zeitgeschichte einladen. Wer kommt? Molière und Elvis

ALEXANDRAS FAVORITEN

Sie verlassen nie die Wohnung ohne... einen guten Grund

Ihr momentanes Lieblingsaccessoire? Da gibt es so viele...

Welches Buch liegt gerade neben Ihrem Bett? Ein Drehbuch

Was tun Sie morgens als Erstes? Weiterschlafen oder aufstehen

Wohin würden Sie auswandern? Dahin, wo es noch schöner ist

Wofür bewundern Sie Ihren besten Freund? Dafür, dass er es mit mir aushält

Und was war Ihre Enttäuschung? Dass ich es schaffe, seine Geduld doch manchmal überzustrapazieren

Welches Gericht gelingt Ihnen immer? Ein Butterbrot

BACKSTAGE
Kostja Ullmann, 31 (1984), hat in „Stellungswechsel“ sein komödiantisches Talent entdeckt.
In „Das Wunder von Berlin“ (ZDF, 27.1.) geht es dramatischer zu: Der gebürtige Hamburger spielt einen jungen DDR-Soldaten zum Zeitpunkt, bekannt auch aus "Sommersturm" (2004), "Rubinrot" (2013) und "A Most Wanted Man" (2014).
Alexandra Neldel, 39, (1976)
Mit „Verliebt in Berlin“ hat sie sich in die Herzen der ganzen Nation gespielt. Aber sie kann auch anders: In „Zodiak“ entlarvte sie auf Sat.1 einen Serienkiller. In ihrem Film „Märzmelodie“ (2008) überzeugt sie als depressive Lehrerin. Von 2010 bis 2012 spielte sie in "Die Wanderhure" mit.

Seht Alexandra Neldel hier beim Deutschen Filmpreis: Alexandra Neldel beim Deutsche Filmpreis 2013 und Kostja Ullmann bei der Berlinale: Karoline Herfurth und Kostja Ullmann bei der Berlinale 2008