Magic Marc? Unser Kolumnist beim Poledance

Wir haben unseren männlichen Kolumnisten gezwungen, an einem Poledance-Workshop teilzunehmen. Nicht etwa zum Zusehen, sondern zum selber Tanzen. Hier sein Leidensbericht.

Unser Kolumnist an der Pole-Dance Stange. Sozusagen "Magic Marc" ...

Unser Kolumnist an der Pole-Dance Stange. Sozusagen "Magic Marc" ...

Geht gut los: Ich bin der einzige Mann im Poledance-Workshop. „Find ich mutig“, sagte die Frau hinter der Empfangstheke des Tanzstudios aufmunternd, „möchtest du vorher etwas trinken?“ Ich bräuchte dringend Bier, besser gleich Schnaps, denn mein Körper weigert sich seit jeher, im nüchternen Zustand zu tanzen. Ich muss mein Schamgefühl immer erst unter den Tisch trinken. Aber hier gibt es nur Wasser oder Saft, dazu kleine Häppchen.

Was ist Poledance?

Immerhin bin ich vorbereitet, die Redaktion von jolie.de hatte mich ja netterweise bereits im Sommer in die Kinopremiere von „Magic Mike XXL“ gezwungen. Aber Achtung: Poledance ist nicht dasselbe wie Stripdance. Stripperinnen tanzen zwar auch gerne an Eisenstangen, „aber die machen meist nur die gleichen zwei, drei Figuren“, sagt Alexandra, die Inhaberin des Studios.
Beim Poledance-Workshop geht es also nicht darum Männer anzumachen, sondern um ein „effektives, abwechslungsreiches und unterhaltsames Ganzkörper-Workout“, steht in der Einladung der Firma „X-Pole“, Marktführer in Poledance-Ausrüstung. Ein bisschen Verführung darf es dann aber doch sein, in einer Vitrine neben dem Eingang werden sehr hochhackige Tanz-Highheels angeboten und das „Munich Poledance Studio“ bietet neben einigen anderen Kursen auch Lapdance und Striptease an, ausschließlich für Frauen und bekleidet.

Zeit sich umzuziehen. Fragt sich nur: Was soll man als Mann zum Poledance überhaupt anziehen? Antwort: Eine kurze Hose, damit die Beine frei sind, mit nackter Haut hat man mehr Halt an der Stange. Dazu ein T-Shirt. Auch gut wäre ein Sixpack und ein verführerischer Gesichtsausdruck, aber das habe ich gerade nicht parat. Ich fühle mich nämlich wie beim Sportunterricht in der 6. Klasse bei der Prüfung im Barrenturnen. Ich bin über 1,90 Meter groß, ich kann gut Fußball spielen, Volleyball, ein bisschen Basketball. Aber ich kann nicht tanzen.

Was wünscht man sich in der allerersten Poledance-Stunde? Genau, ein Kamerateam. „Einverstanden, wenn wir mitfilmen?“, fragt der Kameramann. Drei ebenfalls eingeladene Bloggerinnen haben kein Problem damit – ich schon! Und bekomme deswegen die Stange im hinteren Ende des Raums zugewiesen, „die ist kaum im Bild“. Kaum.

Kurzes Aufwärmen, bei dem viel am Boden gedehnt und der Hintern in die Höhe gestreckt wird. Ich merke, wie viel eleganter und bewusster Frauen ihren Po bewegen können, als Männer.
Dann gehen wir zur Stange.  Eine der Tanzlehrerinnen bemerkt meinen hoffnungslosen Blick und sagt: „Bei Männern geht beim Poledance viel mehr über die Muskelkraft“. Na dann. Die Übung sieht ungefähr so aus: Vor die Stange stellen, eine Hand oben dran. Dann wie ein Panther um die Stange schleichen, langsam, verführerisch. (Anmerkung: Als Mann verführerisch um eine Poledance-Stange zu gehen ist glaube ich so, als müsste ein Panda-Baby berdohlich die Zähne fletschen)

Knee Hook Back?!?

Egal, weiter: Jetzt das linke Bein um die Stange schlingen. Dann die Stange mit beiden Händen umfassen, rechte Hand unten, linke weit oben. Jetzt Achtung: Das linke Bein, das die Stange umschlingt, nach hinten schwingen, dabei den ganzen Körper nach hinten kippen lassen, Beine anziehen, bis man nach einem 360-Grad-Schwung um die Stange auf seinen Knie landet. Umgreifen. Mit den Händen hochziehen auf die gekreuzten Füße und 180 Grad drehen, dabei in der Hocke bleiben. Jetzt das Finale: Po nach hinten rausfahren, dann mit dem Oberkörper ganz nah an die Stange und lasziv den Oberkörper hochziehen.  Nennt sich übrigens „Knee hook back“.
Klingt verwirrend, sieht aber bei der Trainerin hot aus, bei den Bloggerinnen schon ganz gut und bei mir... „nicht schlecht für den Anfang!“, ruft zumindest die Trainerin.

Pole Sit

Diese Übung ist das Gegenteil von hodenfreundlich... Darum nicht im Bild: der Kolumnist

Nächste Übung: der „Pole sit“: an der Stange hochziehen, mit den Beinen die Stange festumklammern, mit einer Hand festhalten und den Körper lässig zur Seite kippen lassen. Ist leicht. Außer man hat männliche Genitalien, die sind dann nämlich im Weg, wie ich erst merke, nachdem ich mit Schwung breitbeinig gegen die Stange gehüpft bin.
Der kurze Workshop ist vorbei, aber die Bloggerinnen haben so viel Spaß, dass sie weiter üben. Ich versuche auch noch zwei andere Übungen, die etwas akrobatischer und hodenfreundlicher sind, muss aber einsehen, dass Magic Mike nicht umsonst sehr viele Muskeln am Körper hat, die braucht man nämlich. Magic Marc verlässt das Studio erhobenen Hauptes. Kreischen oder Dollarscheine gab es für die Vorführung leider nicht.