Wunschkaiserschnitt

Wer schwanger ist, setzt sich mit der Geburtsplanung auseinander. Immer häufiger hört man von Frauen, die sich für einen Wunschkaiserschnitt anstelle der natürlichen Geburt entscheiden. Wie sinnvoll ist ein Wunschkaiserschnitt? Mit welchen Risiken und Vorteilen ist ein Wunschkaiserschnitt verbunden, und was sagen die Ärzte? Das erfahrt ihr hier.

Wunschkaiserschnitt - eine Option

Allgemeines zum Kaiserschnitt

Rund ein Drittel aller Kinder kommt heute per Kaiserschnitt auf die Welt. Ein Kaiserschnitt ist nötig, wenn Gefahr für das Leben von Mutter oder Kind besteht, beispielsweise aufgrund einer Vorerkrankung oder wenn das Baby falsch liegt. Der Kaiserschnitt findet entweder unter Vollnarkose oder mit Hilfe einerPDAstatt, so dass die Frau keine Schmerzen hat. Der Schnitt wird horizontal unter der Schamhaargrenze gesetzt und die Bauchdecke dann Schicht für Schicht geöffnet. Es gibt eine Methode - die Misgav-Ladech-Sectio, bei der die einzelnen Schichten gerissen werden. Das macht man, damit die Hautschichten natürlicher und damit besser wieder zusammenwachsen. Nach einem Kaiserschnitt muss man in der Regel noch vier bis acht Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Bezeichnung Kaiserschnitt begründet sich auf Volksetymologie: Es ist eine Lehnübersetzung zusectio caesarea. Diese Phrase taucht bei Plinius dem Älteren auf, der davon spricht, dass Cäsar aus dem Bauch seiner Mutter geschnitten werden musste.Caesareabrachte man in Verbindung mit caedere(fällen,hauen, übertragen auchausschneiden), dessen Partizip Perfekt caesusdem Wort sehr ähnlich ist. Dementsprechend wurde es als Fachbegriff seit dem 17. Jahrhundert verwendet.

Was ist ein Wunschkaiserschnitt?

Bei einem Wunschkaiserschnitt legt die Mutter während sie schwanger ist mit den Ärzten im Krankenhaus den Zeitpunkt der Geburt fest, also den genauen Termin, an dem ihr Baby geholt werden soll. In der Regel wird der Kaiserschnitt vom Arzt empfohlen, weil ein Sicherheitsrisiko für Kind und Mutter besteht, zum Beispiel, wenn das Kind sich noch nicht in der richtigen Geburtsposition befindet, oder das Becken der Mutter zu klein ist. In Deutschland erblickt inzwischen jedes dritte Kind per Kaiserschnitt die Welt.

Doch man hört immer öfter von Frauen, die sich bewusst ohne medizinische Notwendigkeit für einen geplanten Kaiserschnitt Wochen vor oder nach dem errechneten Geburtstermin entscheiden.

Warum ein Wunschkaiserschnitt?

Der Entscheidung für einen Wunschkaiserschnitt liegen vielschichtige Überlegungen zugrunde. Sieht man von medizinischen Gründen ab, nennen die Mütter zum Beispiel den Grund, dass sie sich nicht quälen und nicht die Wehen ertragen wollen, wenn am Ende sowieso das Risiko einer Operation besteht. Oft sind die werdenden Eltern auch froh, dass sie genau planen können, ab wann sie einen Schreihals zu Hause haben und nicht wochenlang spekulieren müssen. Einige Frauen betonen auch, dass dank eines Wunschkaiserschnitts der Intimbereich unangetastet bleibt und so die Erotik in der Partnerschaft und der Sex nach der Geburt nicht leidet. Ebenso entgeht man dem Risiko, nach der Geburt inkontinent zu sein.

Wunschkaiserschnitt und Wunschgeburtstag

Es gibt auch Frauen, die den Wunschkaiserschnitt auf einen bestimmten Termin legen lassen. Der Nachwuchs wird dann zum Beispiel früher geholt, damit er am selben Tag wie die Oma Geburtstag hat, oder kein "schlechtes" Sternzeichen abkriegt. Geht das zu weit? Oder darf man, wenn man sowieso einen Wunschkaiserschnitt plant, auch gleich noch das perfekte Datum festlegen?

Berühmteste Promi-Mutter mit Wunschkaiserschnitten ist übrigens Victoria Beckham. Sie hat sich bei allen vier Kindern von vorne herein für einen Kaiserschnitt entschieden. Den Geburtstermin ihrer Tochter Harper Seven legten die Beckhams per Wunschkaiserschnitt auf ihren Hochzeitstag. Den Geburtstermin von Romeo 2002 legte das Paar so, dass David Beckham kein wichtiges Fussballspiel absagen musste und bei der Geburt dabei sein konnte.

Wunschkaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Mama und Baby

Es gibt in der öffentlichen Meinung viele gängige Argumente gegen einen Wunschkaiserschnitt. Ein Kaiserschnitt gilt als unnatürlich, oft wird den Müttern selbstsüchtiges Handeln vorgeworfen. Ebenso oft hört man, dass die Bindung der Mutter zum Kind durch eine natürliche Geburt stärker ausgeprägt ist als nach einem Kaiserschnitt. Stimmt das?

Der Grund für die intensive Mutter-Kind-Bindung sind Hormone. Im Laufe der Geburt werden haufenweise Stresshormone beim Baby und der Mutter (und auch dem Vater, wenn er dabei ist) ausgeschüttet. Dazu gehört zum Beispiel das Glückshormon Endorphin, oder Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone geben der Mutter die Kraft die Geburt durchzustehen und nach der anstrengenden Geburt hellwach und für ihr Kind da zu sein. Auch der Säugling schüttet während der Geburt extrem viele Stresshormone aus. Die Stresshormone haben aber nichts mit der Bindung zu tun. Der positive Effekt bei der natürlichen Geburt für das Kind liegt darin, dass dabei das Fruchtwasser aus den Lungen des Säuglings gepresst wird und die Stresshormone den Kreislauf positiv unterstützen.

Das Bindungs- und Liebeshormon Oxytocin schütten Vater, Mutter und Kind allerdings erst nach der Geburt aus. Sobald Hautkontakt hergestellt wird, werden weniger Stresshormone ausgeschüttet. Für das Neugeborene wirkt der Herzschlag der Mutter zusätzlich beruhigend. Bei allen Dreien verlangsamen sich Herzfrequenz und Atmung, das Schmerzempfinden wird gemindert, man wird gelassen und beginnt mit der Kommunikation ("Ja, duziduzi").

Ist eine natürliche Geburt überhaupt besser für Mutter und Kind? Oder ist das Wichtigste für die Mutter-Kind-Bindung der Hautkontakt nach der Geburt?

Das sagen die Ärzte

Für Ärzte gibt es heute, dank des Stands der Technik und Medizin, zwei Wege, ein Kind auf die Welt zu bringen: per Kaiserschnitt oder der natürlichen, vaginalen Geburt. Keine der beiden Methoden birgt mehr oder weniger Risiken als die andere. Am wichtigsten ist, dass sich Schwangere genau informieren, um alle Risiken und Vorteile richtig für sich abschätzen zu können und eine Entscheidung zu treffen, die für sie die richtige ist.

Was meint ihr, darf man sein Kind zu einem bestimmten Datum per Wunschkaiserschnitt holen? Darf man eine Geburt zum Lifestyle-Produkt machen oder soll man, wenn es geht, der Natur ihren Lauf lassen?