Unglücklich im Luxushotel

Die Jolie-Kolumnistin Birte schafft das Unmögliche: Sie fühlt sich in Luxushotels irgendwie unwohl. Wie es zu den schlaflosen Nächten der überforderte Kolumnistin Posh Plöger kommt, lest ihr hier.

Hotelbetten sind eigentlich ein Ort zum Wohlfühlen - nicht für Birte

Hotelbetten sind eigentlich ein Ort zum Wohlfühlen - nicht für Birte

Fünf Sterne plus verwirren mich, ähnlich wie Südtirol. Ich muss jedes Mal wieder neu überlegen, ob dieses Südtirol nun österrei­chisch oder italienisch ist. Ähnlich ominös werden für mich wohl immer Luxushotels bleiben. Ich liebe sie, sie machen mir aber auch ein wenig Angst. Beispielsweise wenn mir ein "Kissen-Menü" angeboten wird. Für entscheidungsschwache Menschen wie mich ist das eine kaum zu lösende Aufgabe. Weshalb ich mich, mit der Wahlmöglich­keit zwischen sechs Kissen konfrontiert, grundsätzlich für alle entscheide. An Schlaf ist natürlich nicht zu denken, schließlich muss ich sämtliche Variationen Probe liegen. Außerdem stelle ich mir vor, wie sich das Hotelpersonal das Maul über mich zerreißt ("Zimmer 340? Oh Gott, ja, die Bratze auf der Erbse! Brahaha!").

Gibt es zu viel des Guten, kommen meine schlechtesten Seiten zum Vorschein. Maßlosigkeit beispielsweise. Mir fehlt da die gewisse Lässigkeit im Umgang mit Überfluss. Also haue ich mir beim Aperitivo-Imbiss Bergkäse (italienisch? Österreichisch? Na, jedenfalls aus Südtirol), Schüttelbrot und Oliven in unanständigen Mengen auf den Teller, kippe ordentlich Rotwein hinterher, ist ja alles bezahlt, nicht wahr, wanke dann nur eine Stunde später zum Abendessen und fühle mich weiterhin irgendwie nicht zugehörig. Leichtes Unwohlsein verspüre ich auch beim "Turndown-Service". Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand ins Zimmer kommt, die achtlos hingeschmissenen Kla­motten vom Boden klaubt, faltet und mein verschlissenes Schlafshirt einladend auf dem Bett drapiert, als wär´s Haute Couture. Nach dieser demütigenden Erfahrung (nicht für mich, fürs Personal) habe ich mir eigens ein Seiden-Negligé angeschafft. Das trage ich künftig nur zu solchen deka­denten Übernachtungsgelegenheiten. Seide ist mir eigentlich zu kalt.

An meine Grenze der Belastbarkeit gerate ich, wenn ich mit Hochstapler-Gefühlen im Boxspringbett liege und jene 23 Lichtquellen löschen will, die der Turn­down-Service ALLE angeschaltet hat, damit ich in diesem Las Vegas auch ja den Weg zum Negligé finde. Schalter eins neben dem Bett löscht eine Wandlampe. Schalter zwei elimi­niert Steh- und Deckenlampe. Schalter drei löscht zwar eine der Nachttischlampen, ent­zündet aber erneut die Stehlampe. Ich rolle rüber zu der Leiste auf der anderen Bettseite und erreiche durch diverse Aktionen ledig­lich, dass das Bad nun auch hell erleuchtet ist. So geht das im Schnitt eine Dreiviertel­stunde. Als ich einmal endlich den geheimen Schaltplan besiegt hatte (ich zog einfach die Zimmerkarte aus diesem Dings an der Wand. Clever, was?), ging vor meinem Pano­ramafenster ein Feuerwerk los. War ich das?

Kürzlich lernte ich einen sehr reichen Mann kennen. "Wie fühlt sich das an", wollte ich wissen, "sich einfach alles leisten zu können?" "Ach, wissen Sie, Luxus hin oder her: Irgendwann sind wir alle tot - die Lichter gehen doch für jeden mal aus", meinte er. Selbst in einem Fünf-Sterne-plus- Hotel, möchte ich anfügen.