Studie: Liebe auf den ersten Blick existiert nicht

- Tja, jetzt heißt es stark sein für alle Romantiker, denn eine holländische Studie der Universität Groningen belegt, dass wahre Liebe auf den ersten Blick nicht existiert. Stattdessen ist ein körperliches Gefühl zuständig für die starke anfängliche Anziehungskraft zwischen zwei Menschen.

Romeo und Julia Liebe auf den ersten Blick

Claire Danes und Leonardo DiCaprio in Shakespeares klassischer Liebesgeschichte Romeo and Juliet

Liebe auf den ersten Blick: Was ist dran? 

Wie viele Paare erzählen nicht immer und immer wieder ihre höchst filmreife, romantische Kennlerngeschichte? Es war eben Liebe auf den ersten Blick, heißt es dann. Auch in Film, Literatur, Kunst und Musik wird die erste Begegnung zwischen den Liebenden romantisiert. Ein Aufeinandertreffen, was über alles Irdische hinausgeht: Schicksal eben.

Holländische Psychologen wollten nun wissen, wie wissenschaftlich belegbar Liebe auf den ersten Blick eigentlich sei. In ihrer Studie stellten sie fest, dass Liebe auf den ersten Blick nichts weiter ist als eine starke körperliche Anziehung zwischen zwei Menschen. Sprich der Lustfaktor hat Romeo + Julia und Konsorten zusammengebracht!
Die Studie  wurde mit 396 jungen Probanden, größtenteils deutsche und holländische Studenten, mit einem ungefähren Frauenanteil von 60 Prozent und mehrheitlich heterosexuell, durchgeführt. Die Probanden wurden über ihre aktuelle Beziehung befragt und durften sich anschließend Fotos von fremden Menschen anschauen und ihre Gefühle bezüglich der Personen auf Skalen bewerten. Gefragt wurde nach Liebe, Lust, Zuneigung und "Eros", ob der Teilnehmer und die Person auf der Fotografie füreinander bestimmt wären.

Bei zwei weiteren Experimenten wurden die Teilnehmer nach einer jeweils 20- oder 90-minütigen Speed-Dating Erfahrung nach ihren Gefühlen für das Gegenüber befragt. Dabei wurde – ganz schön traurig – kein einziger Fall von mutueller, vermeintlicher Liebe auf den ersten Blick dokumentiert. Von den insgesamt 32 erlebten Erfahrungen eines "Love at first sight"-Moments war allerdings eine Korrelation sehr deutlich: Je höher die physische Attraktion des Gegenübers bewertet wurde, umso höher war die Wahrscheinlichkeit, dass der Teilnehmer Liebe auf den ersten Blick berichtete. Dabei gaben Männer öfter an, sich schon einmal oder direkt mehrmals auf den ersten Blick verliebt zu haben.

Romantiker gebt die Hoffnung nicht auf!

Allerdings waren Personen, die sich in ihren Partner vom ersten Moment an verliebt hatten, deutlich zufriedener in ihren Beziehungen, als Personen, die sich über einen längeren Zeitraum verliebt hatten. Die Wissenschaftler sprechen hier von nachträglicher Projektion. Sprich wer dran glaubt, füreinander bestimmt zu sein, ist glücklicher!
Als Trost für die Schwärmer, die Studie hat einige empirische Lücken. Das Experiment ist schließlich eine gestellte Situation und keine Alltagsbeobachtung. Auch, dass laut den Herausgebern Liebe auf den ersten Blick also nur körperliche Anziehung ist, sollte die Romantischen unter uns nicht die Hoffnung aufgeben lassen. Denn aus einer physischen Attraktion können sich tiefer gehende Gefühle ja erst noch entwickeln!