Romantische Geschichten

- "Ein Kuss, der mein Leben verändert hat" - so lautete das Motto des Sophie Kinsella-Schreibwettbewerbs, der von uns und dem Goldmann Verlag veranstaltet wurde. Unter den vielen Einsendungen wurden zehn Gewinnerinnen von einer Fachjury ermittelt, die als Preis die Veröffentlichung ihrer romantischen Geschichten in einem eBook gewonnen haben. Die Erstplatzierte, Eveline Lindorfer, gewann ein Wochenende in London mit einer Freundin, außerdem wurde ihre Geschichte bereits in der JOLIE abgedruckt. Hier haben wir die Gewinner-Geschichten der Zweitplatzierten, Miriam Lang, und der Drittplatzierten, Wibke Schumacher, für euch veröffentlicht. Viel Freude!

Miriam und Wibke

Links: Miriam Lang (2. Platz) und rechts: Wibke Schumacher (3. Platz)

Unerwartet, unerhört

von Miriam Lang (2. Platz)

Ich saß im Wartezimmer meines Zahnarztes und blätterte gelangweilt in einer Zeitschrift, als mich ein Bild innehalten ließ. Ich betrachtete ein Foto der berühmten Skulptur von Rodin. »Le Baiser« stand darunter, »Der Kuss«. Schon immer hatte mich dieses Kunstwerk fasziniert. War es eine eigene, außergewöhnliche Kusserfahrung gewesen, die Rodin dazu inspiriert hatte? Mir blieb keine Zeit mehr, länger darüber nachzudenken, da soeben die Zahnarzthelferin zur Tür hereinkam. »Frau Leining, bitte«, rief sie mich auf, und ich machte mich auf den Weg ins Behandlungszimmer.

Als ich fünfzehn Minuten später auf dem Weg nach Hause war, hatte ich Rodins »Kuss« längst wieder vergessen. Es war ein lauer Spätsommernachmittag, und ich genoss die letzten Sonnenstrahlen.
»Nala!«, hörte ich plötzlich eine Frauenstimme hinter mir meinen Namen rufen. Ich drehte mich um und sah Kim Beere samt Vorzeigeehemann und Babybauch auf mich zu stolzieren. Kim und ich waren zusammen zur Schule gegangen. Während sie nach außen hin immer so getan hatte, als wäre sie meine Freundin, war es in Wahrheit stets so gewesen, dass sie mich in allem übertreffen (was sie meist auch schaffte) und nach Möglichkeit demütigen oder blamieren wollte (was leider auch oft klappte). Alte Minderwertigkeitskomplexe und Schamgefühle kamen bei ihrem Anblick in mir hoch, und mein Mittagessen hätte es ihnen beinahe gleichgetan. Komm schon, reiß dich zusammen, versuchte ich mich innerlich zu motivieren und schluckte.

»Hey, Kim! Das ist ja eine Überraschung! Hallo, Charles«, rief ich und gab mein Bestes, ein Lächeln zustande zu bringen. Es war wohl mehr ein schiefes Grinsen, was mir da gelang, das selbstverständlich nicht annähernd mit Kims strahlendem Lächeln vergleichbar war. Sie konnte noch so eine dumme Gans sein, hübsch war sie immer schon gewesen. Ihr Mann Charles, ein gut aussehender, jedoch eher schweigsamer Banker, nickte mir zu.
»Und wie geht es dir?«
»Och, ganz gut so weit …«, sagte ich ausweichend. Mir war klar, welche Frage nun unweigerlich folgen würde.
»Hast du noch deinen kleinen Job in dieser Firma?«, fragte sie auch prompt. In ihren Augen war ganz genau zu sehen, wie viel Freude es ihr bereitete, meine Erfolge bewusst herabzusetzen. Mein Job war keineswegs so nichtig, wie sie es gern darstellte, und das wusste sie. Trotzdem gab sie mir jedes Mal das Gefühl, es wäre so. Ich nickte. Widerspruch war ohnehin zwecklos.
»Nun, und wie sieht es sonst so aus?«, fragte sie, ohne eine Antwort von mir abzuwarten. Sie schien sie zu kennen. Dabei sah sie ihren Mann an, der die ganze Zeit still neben ihr gestanden hatte, und strich vielsagend über ihren Bauch.

»Hast du jetzt mal einen Mann gefunden, oder lebst du noch alleine in deiner … netten … Wohnung? Du weißt ja, eine Frau hat nicht uneingeschränkt Zeit.«
Sie genoss es sichtlich, mich zu quälen, wusste sie doch, dass ich nie den Mut aufbringen würde, ihr die Meinung zu sagen. Ich fühlte mich, als wäre ich wieder sechzehn, und sie würde mich vor der ganzen Klasse fragen, ob ich denn jetzt endlich mal einen Jungen geküsst hätte.

»Na ja, um ehrlich zu sein …«, setzte ich an, als ich jäh unterbrochen wurde.
»Und ob sie jemanden kennengelernt hat!«, rief ein Mann, der plötzlich neben mir stand. Ich hatte ihn zuvor noch nie gesehen. »Ich bin Karl, freut mich, Sie beide endlich zu treffen«, sagte er und schüttelte einer mehr als verdutzt dreinblickenden Kim und ihrem Mann die Hand.
»Tatsächlich?«, fragte Kim, die ihre Fassung wiedererlangt hatte. »Das, äh, freut mich zu hören.«
Ich starrte den fremden Mann noch immer an. Was tat er da? Mir war sehr wohl klar, dass er mich davor bewahrte, vor Kim erneut dumm dazustehen. Doch wieso tat er das? Er sah durchaus nicht schlecht aus, mit seinen türkisblauen Augen, den dunkelblonden Haaren und dem Dreitagebart. Da fiel mir auf, dass ich mich verraten würde, wenn ich nicht bald meine Beherrschung wiederfände. Gerade wollte ich etwas sagen, da redete meine alte »Schulfreundin« auch schon wieder weiter.
»Und wie habt ihr beide euch kennengelernt?«, fragte sie.

Keineswegs entging mir der skeptische Zug um ihre Augenbrauen. Wer konnte es ihr verdenken? Hatte sie doch ihre Jugend damit zugebracht, sich, mich und jeden anderen subtil und höflich davon zu überzeugen, dass ich es in keinerlei Hinsicht je zu etwas bringen würde.
»Ääh …«, setzte ich zu einem rhetorischen Meisterstück an, als ich wieder von Karl unterbrochen wurde.
»Durch gemeinsame Freunde«, erklärte er lächelnd.

Ihm musste auch aufgefallen sein, dass Kims Zweifel noch nicht ausgeräumt waren, denn im nächsten Moment küsste er mich. Ich war überrascht, schockiert, begeistert. Seine Lippen drückten sich bestimmt und trotzdem sanft auf die meinen. Mein Gesicht hatte er in beide Hände genommen. Und obwohl es merkwürdig war, fühlte es sich doch auf seltsame Weise richtig an. Als er wieder von mir abließ, ertappte ich mich bei dem Wunsch, er würde es wiederholen. Mein Herz raste – und sprachlos blickte ich in Kims Gesicht.

»Sie ist das Beste, das mir je passiert ist«, unterstrich Karl seine Tat mit Worten. »Jetzt müssen wir aber leider weiter. War wirklich nett, Sie zu treffen.« Er legte seinen Arm um meine Taille und drückte mich sanft in die entgegengesetzte Richtung.
»Tschüss!«, rief ich noch.

Kaum waren wir um die Ecke, lösten wir uns voneinander.
»Wieso haben Sie das getan?«, fragte ich und sah dem Mann, der mich gerettet hatte, das erste Mal richtig in die Augen. Sie waren wirklich umwerfend, wenn ich ehrlich war. Ich dachte an den Kuss, und meine Knie wurden – ganz Klischee – weich wie Mousse au chocolat.
»Ich habe Ihr Gespräch zufällig mit angehört und konnte es einfach nicht fassen, dass jemand so mit sich umspringen lässt. Also dachte ich, ich helfe Ihnen etwas auf die Sprünge«, sagte er. »Tut mir leid, wenn ich zu weit gegangen bin.«

Seine Worte trafen mich. Meine Eltern, meine wahren Freunde, jeder hatte mir während der Schulzeit gesagt, ich solle aufhören zuzulassen, dass dieser eine Mensch mich immer wieder so fertigmachte. Meine beste Freundin hatte mir sogar einmal eine Karte mit einem Zitat von Eleanor Roosevelt geschenkt. »No one can make you feel inferior without your consent«, stand darauf. »Niemand kann dir ein Minderwertigkeitsgefühl aufzwingen ohne deine Bereitschaft dazu.« Und jetzt fiel das sogar schon wildfremden Menschen auf. Irgendwo in meinem Gehirn machte es plötzlich klick.

»Könnten Sie vielleicht einen Moment hier auf mich warten?«, fragte ich.
Er nickte, und ohne groß darüber nachzudenken, lief ich den Weg zurück, den ich mit Karl gegangen war und holte Kim gerade noch ein.
»Nala! Wolltest du mir noch etwas sagen?«, fragte sie verdutzt und schenkte mir ihr überlegenes Lächeln.
»Allerdings«, sagte ich. »Und das seit Jahren. Immer schon tust du alles dafür, um mich bloßzustellen und zu demütigen. Du hast mir ständig das Gefühl gegeben, weniger wert zu sein als du. Aber weißt du was? Das ist nicht wahr! Wenn du dich nur gut fühlen kannst, indem du anderen ein schlechtes Gefühl gibst, dann bist du eher bemitleidenswert als beneidenswert.«
Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte ich mich um und ging. Zufrieden lächelte ich.

Karl hatte tatsächlich auf mich gewartet und fragte, ob ich vielleicht noch einen Kaffee mit ihm trinken würde. Ich nickte. Als wir uns gemeinsam auf den Weg machten, dachte ich daran, wie komisch das Leben doch war. Innerhalb von zehn Minuten hatte ich sowohl den Schatten meiner Jugend besiegt als auch seit langem einmal wieder einen Mann kennengelernt. Mir kam das Bild von Rodins »Kuss« in den Sinn. Ich spürte, dass mein Leben sich ändern würde.

Ein nachmittäglicher Kussmarathon

von Wibke Schumacher (3. Platz)

»Ich kann das schaffen. Einfach weiterlaufen. Irgendwann finde ich schon noch meinen Rhythmus.« In einer Endlosschleife wiederhole ich die Worte immer wieder in meinem Kopf und setze prustend einen Schritt vor den anderen. Mein Schnauben übertönt sogar die Stimme von Nena, die mir aus meinen zwei neuen Kopfhörern entgegenträllert. Die pinkfarbenen Kopfhörer sind nicht das Einzige, das ich mir für mein neues Leben als Sportlerin an diesem Wochenende angeschafft habe. Auf meiner Shoppingtour durch Neu-Köln deckte ich mich mit süßen kleinen Lauf-T-Shirts ein, kaufte ein paar Shorts dazu und besorgte mir auch neue Turnschuhe. »In diesen Schuhen werden Sie sich umwerfend fühlen. Sie werden gar nicht merken, dass Sie joggen!«, höre ich die Verkäuferin noch sagen. Ich fühle mich tatsächlich nicht, als ob ich jogge, es fühlt sich eher an, als würde ich die letzten Schritte meines Lebens geradewegs in die Hölle machen.

Mein Hals brennt, ich bekomme keine Luft und auf der Rückseite meines iPods sehe ich, dass sich mein Gesicht in eine knallrote Tomate verwandelt hat. In meinen vier Wänden klang mein Masterplan irgendwie einfacher: Ich wollte aufhören, mich von Mikrowellenessen zu ernähren, würde von nun an eine Mahlzeit am Tag durch Obst ersetzen und dreimal die Woche joggen. Denn, ganz ehrlich, welcher attraktive Mann kann schon einer schlanken, sportlichen und gut aussehenden jungen Frau widerstehen? Und genau den brauchte ich in meinem Leben: einen attraktiven Mann.

Mein neues Ich würde den Mann meiner Träume garantiert verzaubern und … Moment mal! Ich drehe meinen Kopf nach links, prompt fällt mir eine nass geschwitzte Ponysträhne in die Augen. Na super. Anscheinend war ich so in Gedanken, dass ich nicht bemerkt habe, wie sich ein groß gewachsener Mann meinem Lauftrott angeschlossen hat und mich neugierig ansieht. Hat man denn hier nicht mal beim Schwitzen seine Privatsphäre? Krampfhaft lächele ich und laufe einfach weiter.

Plötzlich tippt er mich an und bedeutet mir, meine Kopfhörer aus den Ohren zu nehmen. Ängstlich werfe ich ihm noch einen Blick zu und sehe vor meinem inneren Auge schon die Schlagzeile: »Naive zwanzigjährige Joggerin im Park überfallen.« Widerwillig stelle ich die Musik aus und bringe ein kurzes »Mh?« heraus.
»Hey«, sagte er locker, »Ich bin Jona. Ich bin vor kurzem erst nach Köln gezogen und entdecke gerade die Laufstrecken hier. Bist du öfter in diesem Park?«

Klingt ja eigentlich ganz nett, und wie ein Massenmörder sieht er auch nicht aus. Wenn ich ehrlich bin, sieht er sogar unglaublich gut aus, mit den dunklen lockigen Haaren und den blauen Augen.
»Ich – bin – jeden – Tag – hier«, lüge ich schnaufend und muss direkt Husten. Gleichzeitig reden und joggen ist wohl nicht meine Stärke.
»Echt? Cool, sehr sportlich. Was machst du denn sonst noch so?«
Ich denke an meinen neu aufgestellten Masterplan, der neben Laufen noch zwei Schwimmeinheiten pro Woche und eine Fahrradtour vorsieht. Auch wenn das heute mein erster Tag ist, beschließe ich, den Plan als meine Routine anzusehen. »Schwimmen – Fahrrad fahren«, pruste ich. Das war anstrengender als das Laufen an sich, und meine abgehackten Stichworte, die ich ihm um die Ohren haue, verwirren ihn offensichtlich etwas.

»Alles okay bei dir?«, fragt er besorgt.
Entsetzt bemerke ich, dass er mittlerweile locker neben mir her schlendert, während ich noch jogge. Dabei war ich mir sicher, ich wäre mit mindestens dreißig Stundenkilometern unterwegs. Anscheinend hat er Angst, ich würde im nächsten Moment hyperventilieren. Ganz so falsch liegt er damit wahrscheinlich gar nicht. Also bleibe ich stehen und tue so, als ob ich mich stretchen und dehnen würde. Es dauert nur eine Sekunde, bevor ich merke, dass auch das keine so gute Idee war. Ich sehe Sternchen vor den Augen und mir wird schwindelig. »Erst noch eine Runde auslaufen, nicht direkt stehen bleiben«, klingen die Worte meines alten Sportlehrers Herrn Krause in meinen Ohren – und dann sehe ich nur noch schwarz.

»Ich habe keine Ahnung, wie sie heißt, ich habe sie gerade erst kennengelernt.« Jonas Worte dringen in mein Bewusstsein, als ich wieder zu mir komme. Offensichtlich bin ich direkt auf den Rasen des Stadtparks gekippt – wie peinlich.
Heimlich blinzele ich und sehe, dass nicht nur Jona sich über mich beugt, sondern auch noch ein älteres Ehepaar mich besorgt betrachtet. Sie sind wohl gerade spazieren gegangen, als mein Kreislauf schlappmachte. Schnell schließe ich die Augen wieder, um mich kurz zu sammeln. »Das ist ja mal wieder typisch. Die jungen Männer von heute interessieren sich nicht mal für die Namen ihrer Freundinnen«, höre ich die alte Dame sagen. Ihr Mann scheint ihre Meinung zu teilen. »Sie haben das arme Ding wahrscheinlich gestern erst in der Disko kennengelernt und wollten nur eine heiße Nacht! Die Arme ist ja total fertig, schämen sollten Sie sich!«, sagt er.

Jona scheint verzweifelt. »Aber sie ist doch gar nicht meine Freundin, ich kenne sie gar nicht«, verteidigt er sich.
»Tja, früher war das noch anders! Da hat man sich erst noch richtig kennengelernt, bevor man eine Beziehung eingegangen ist«, bemerkt das ältere Ehepaar unisono.
Ich lache kurz, bevor mir auffällt, dass ich ja eigentlich noch ohnmächtig bin. Schnell versuche ich daraus einen kurzen Hustenanfall zu machen.
»Na, sie lebt noch. Da können Sie sich glücklich schätzen, jetzt helfen Sie ihr auf, und benehmen Sie sich anständig!« Tadelnd wirft das Paar uns noch einen Blick zu, dann drehen sich die beiden um. Ich bin mir sicher, dass ich noch ein gemurmeltes »Früher war alles besser« höre, doch dann sind Jona und ich allein.

Ich setze mich auf, mein Kopf tut etwas weh.
»Alles klar?«, fragt Jona besorgt und setzt sich zu mir auf den Rasen. »Du hast mir einen schönen Schrecken eingejagt.«
»Tut mir leid«, sage ich, »ich glaube, der Wetterumschwung macht mir ziemlich zu schaffen. Da habe ich immer mit Schwindel zu kämpfen.« Blöde Ausrede, denn seit drei Wochen haben wir beständige 20 Grad Celsius.
Jona scheint darüber zum Glück nicht lange nachzudenken. »Na, jedenfalls musst du mir jetzt erlauben, dich zu einem Kaffee einzuladen, um dich wieder aufzupäppeln.«
Zwar ist mir die ganze Sache furchtbar peinlich, aber ein Kaffee klingt tatsächlich verlockend. »Alles klar«, stimme ich also zu, und zwei Minuten später sitzen wir in einem gemütlichen italienischen Café mit Blick auf den Rhein.

»Wie heißt du eigentlich?«, fragt Jona.
»Ich bin Lucy, tut mir leid, dass ich mich noch gar nicht vorgestellt habe«, sage ich und bestelle einen Cappuccino.
»Schöner Name«, erwidert Jona und lächelt. Diese strahlend blauen Augen erinnern mich an den Pazifischen Ozean, und ich starre ihn einen kleinen Moment zu lange an. »Hab ich irgendetwas im Gesicht?«, fragt er und fährt sich über die Augen.

»Nein, alles gut. Entschuldige. Also, arbeitest du hier in der Stadt?«, frage ich und riskiere einen schnellen Blick auf seine Hände: kein Ring. Daraus schließe ich: kein Ring, keine Verlobte, keine Ehefrau.
»Ich studiere Sport an der Sportuniversität und mache dieses Jahr meinen Master«, erzählt er, und prompt habe ich eine Erklärung für die durchtrainierten Arme und das feine Sixpack, das sich unter seinem schwarzen Laufshirt abzeichnet. »Vorher habe ich in Bochum studiert, aber wie gesagt, ich bin gerade erst hierhergezogen.«

»Mit deiner Freundin?«, platzt es aus mir heraus. Ich werde rot – sehr dezent gefragt, Lucy.
»Nein, ohne meine Freundin«, lacht er, und das Eis zwischen uns scheint gebrochen.
Die nächsten zwei Stunden fliegen nur so vorbei. Er erzählt mir von seinen Plänen, Sportmanager zu werden und dass er gerne mal bei einem Marathon mitlaufen würde. Und ich erzähle, dass ich eine Ausbildung zur Eventmanagerin mache und vielleicht mal einen Marathon organisieren werde. Wir bestellen einen zweiten Cappuccino und dann noch einen dritten. Als ich anfange, an dem heißen Kaffee zu nippen, fängt Jona auf einmal schallend an zu lachen.

»Was ist?«, frage ich verwirrt.
»Du hast überall Kaffeeschaum am Mund«, grinst er und wischt ihn langsam mit dem Finger weg. Meine Haut kribbelt unter seiner Berührung, und er rückt noch ein kleines Stückchen näher.
»Wohnst du denn mit deinem Freund zusammen?«, fragt Jona leise und sieht mich an.

»Nein«, sage ich. Mein Herz schlägt schneller als bei meinem Lauf im Park.
»Vielleicht kannst du als erfahrene Eventmanagerin dann mal ein Date für uns beide planen?«, fragt er, noch näher gekommen. Unsere Lippen berühren sich fast.
»Klar«, hauche ich – und dann küsst er mich, ganz sanft. Noch bevor die Berührung endet, bin ich mir sicher, dass dieser kleine Kuss der Anfang von etwas ganz Großem ist und mein Leben für immer verändern wird. Jona schmeckt nach Kaffee und Frühling, und irgendwie bin ich froh, dass ich dieses Mal sitze, als meine Beine ganz wacklig werden.

»Oder wir könnten auch mal einen Marathon laufen, wo wir doch beide so sportlich sind«, schlägt Jona zwischen unseren kleinen Küssen vor.
Ich lächele nur und denke heimlich: Bei einem Kussmarathon wäre ich direkt dabei.

Ein Kuss, der mein Leben verändert hat

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