Personlichkeitsstörung: Bin ich das?

Kennt ihr dieses Gefühl, sich selbst fremd zu sein? Wenn Idealbild und Realität plötzlich nicht mehr zusammenpassen? Warum man sich manchmal nicht wiedererkennt und wie man herausfindet, wer man wirklich ist.

Persönlichkeitsstörung - Bin ich das?

Der Blick in den Spiegel, doch manchmal erkennt man sich selbst kaum wieder. (Bild: Thinkstock)

Also, an der Theorie liegt's wirklich nicht: Wir haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie wir gerne wären. Erfolgreiche Karrierefrau, aufregende Partnerin oder perfekte Familienmanagerin – auch in eurem Kopf existiert bestimmt ein Idealbild von euch selbst, oder? Woran es oft hapert, ist die Umsetzung. Irgendwie sind wir dann doch zum dauererschöpften Couchpotatoe im Kapuzenpulli mutiert – und ein Gedanke drängt sich auf: "So wollte ich eigentlich nie werden."

Die gute Nachricht? Es liegt nicht an eurer täglichen Disziplinlosigkeit, dass Selbstbild und Realität auseinanderklaffen. Zumindest nicht nur. Heute stehen uns alle Türen offen, wir können alles sein – und auch alles auf einmal. Am besten eine toporganisierte "working Mom", die auf High Heels durch ihr Leben schwebt und abends noch zur sexy Geliebten wird. Doch da gibt's ein Problem: Wir setzen uns selbst enorm unter Druck, wollen perfekt sein – und jagen ständig Zielen hinterher, um unser Leben noch besser zu machen. "Unser Unterbewusstsein kreiert ein Ideal-Selbst, von dem wir glauben, dass es unsere Bedürfnisse zeigt", erklärt der Psychologe Dr. Manuel Tusch. "Doch oft spiegelt dieses Selbst nur Erwartungen wider, die andere an uns haben – und ist mit der Realität gar nicht vereinbar. Kennen Sie das Gefühl, wenn man ein lang ersehntes Ziel erreicht hat, aber trotzdem nicht glücklich ist? Das ist ein Zeichen dafür, dass ein Wunsch gar nichts mit wirklichen Bedürfnissen zu tun hatte."

Manchmal verlieren wir selbst den Überblick: Im Büro verkünden wir lauthals, wie wichtig uns unser Privatleben ist – und abends ertappen wir uns dabei, wie wir um halb zehn doch noch mal von der Couch aufspringen, um die Mails zu checken. Wie soll man da bitteschön herausfinden, welche Dinge einem wirklich wichtig sind? Dr. Manuel Tusch empfiehlt folgendes Gedankenexperiment: "Stellen Sie sich vor, alle Menschen, die Sie kennen, gehen auf eine Kreuzfahrt. Nur Sie selbst kommen zu spät zum Hafen, das Schiff hat bereits abgelegt – und verschwindet im Bermuda-Dreieck. Es gibt niemanden mehr, der irgendwelche Erwartungen an Sie hat. Überlegen Sie, welches Leben Sie jetzt führen würden." So kommt ihr euren echten Bedürfnissen auf die Spur. Aber auch da gibt es noch ein klitzekleines Hindernis: "Absurderweise geben lang gepflegte Konflikte unserem Unterbewusstsein Sicherheit", erklärt Dr. Manuel Tusch. "Wenn jemand seit zehn Jahren versucht, abzunehmen, ist das ein Zustand, der unbewusst bequem geworden ist und Stabilität bedeutet."

Dann hilft nur die Flucht nach vorn. Um sich von Altlasten zu befreien, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ihr geht an, was ihr schon lange ändern wolltet. Jetzt sofort. Nicht morgen, nicht nächsten Montag oder Monat. Oder ihr entscheidet euch, es sein zu lassen – und streicht es dann konsequent von eurerTo-do-Liste. Seien Sie dabei nicht so streng mit sich selbst. Wenn Sie etwas jahrelang nicht geändert haben, war es den Aufwand offenbar nicht wert. Und ist für das Leben, das zu euch passt, auch nicht notwendig.

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