Libidoverlust? Leiden unter dem Lustverlust?

Am Anfang ihrer Beziehung kommen die meisten Paare kaum vor die Tür - geschweige denn aus dem Bett! Zu neu ist alles und zu aufregend, bereits eine kleine Berührung entfacht die Lust von neuem. Ist man dann ein paar Jahre zusammen, wird der Sex oft seltener

... eine ganz normale Entwicklung übrigens. In den Vordergrund treten die enge Bindung an den Partner, Vertrauen und die gemeinsame Zeit - und manchmal schläft die Lust dabei irgendwie ein. Häufig kommen andere Faktoren hinzu: Stress, finanzielle Probleme oder einfach allgemein Alltagssorgen.

Wir haben für Sie ein paar Tipps, wie Sie wieder Spaß an gemeinsamen Bett-Aktivitäten finden können!

Die Beziehung neu lernen
Sie können sich noch so viel Mühe geben, ein romantisches Candle-Light-Dinner organisieren oder sich in sexy Wäsche verpacken - wenn das Problem bereits länger besteht, müssen Sie an der Basis anfangen - bei Ihrer Beziehung. In Therapeutengesprächen äußern viele Menschen das Gefühl, sich vom Partner entfernt zu haben. Meistens ist jedoch das Gegenteil der Fall: Die Partner kleben zu eng aufeinander, sie haben sich nichts mehr zu sagen, weil es nichts zu entdecken gibt. Oder der Alltag ist so von anderen Dingen eingenommen, dass kein Raum mehr für scheinbar „nebensächliche“ andere Gesprächsthemen bleibt.

Bevor Sie unsere Tipps in die Praxis umsetzen, überlegen Sie sich: Eine verlässliche Partnerschaft braucht Berechenbarkeit und Gleichheit, das Geheimnis von Lust liegt jedoch gerade in der Unkontrollierbarkeit und Fremdheit.

Wir finden: Das ist zum Glück nur ein scheinbarer Gegensatz, denn man kann beides unter einen Hut bringen!

Reden Sie miteinander - und zwar richtig
Zu Beginn einer Partnerschaft will man alles über den anderen wissen, seine Gedanken, Wünsche und Träume kennen lernen. Oder haben Sie sich beim ersten Date darüber unterhalten, wer später mal den Müll runter bringt? Überlegen Sie einmal selbst: Wie lange sprechen Sie täglich miteinander und über welche Themen unterhalten Sie sich? Bedenken Sie: Innige Gespräche schaffen geistige Nähe - und das ist die Grundlage, sich auch körperlich wieder näher zu kommen. Tipp: Reservieren Sie einmal pro Woche einen Abend für Ihr Gespräch. Machen Sie einen guten Wein auf und lassen Sie eine ruhige Musik laufen - bei „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Unsere Besten“ kann man sich kaum auf den Partner konzentrieren.


Schaffen Sie Distanz
Schaffen Sie Distanz, um Nähe zu erleben. Auch wenn Sie viel Stress und Arbeit haben - versuchen Sie, auch einmal etwas allein zu unternehmen und das auch Ihrem Partner zuzugestehen. Es gibt doch nichts Schlimmeres, als sich nur über Kinder, Haushalt oder Job zu unterhalten?! Vielleicht erzählen Sie ihm das nächste Mal mit leuchtenden Augen vom dem Zoobesuch mit Ihrer besten Freunden und dem Lama, das Sie gefüttert haben. Sie werden erstaunt sein, wie schnell der leidenschaftliche Funke überspringen kann!

Seien Sie aufmerksam
Würzen Sie den Alltag mit kleinen Prisen an Aufmerksamkeiten. Eine zweideutige sms in der Mittagspause, ein Spiegelei in Herzform oder eine abendliche Lektüre aus dem Kamasutrabuch - Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Erwarten Sie nicht, dass dabei sofort zügellose Leidenschaft ausbricht - es geht um die Geste, die dem anderen das Gefühl gibt, geliebt und begehrt zu werden und die einen Raum der Nähe herstellt, in dem alles passieren „kann“, aber nicht „muss“!
Experimentieren Sie
Wie wäre es mit einem kleinen Experiment: Ihr Partner und Sie schreiben je fünf erotische Fantasien (z.B. Stellungen, erotische Spielchen, etc.) auf kleine Zettelchen und geben Sie in eine Dose. Machen Sie einen Zeitpunkt aus, z.B. Sonntagvormittag nach dem Ausschlafen, wann Sie eines der Zettelchen ziehen und vorlesen. Dann sprechen Sie einfach darüber, fragen Sie nach und halten sich dabei in den Armen. Sie müssen keine der Fantasien in die Tat umsetzen - aber Sie dürfen natürlich. Nur die Erwartung daran sollte keinesfalls damit verknüpft werden und es muss auch gar nicht zu sexuellen Aktivitäten kommen. Genießen Sie vielmehr das Gefühl, etwas Neues über Ihren Partner zu erfahren!
Unsere Tipps für Experimente:
- mit einer Feder überall streicheln
- mit den Fingerspitzen streicheln
- sich gegenseitig überall mit Massageöl einreiben und aneinander gleiten lassen


Bleiben Sie entspannt
Sehen Sie die Sache gelassen, auch wenn das schwierig ist. Sie sollten wissen - die meisten Paare haben irgendwann mit einer Sexflaute zu kämpfen. Nach Meinung von Experten ist es für ein erfülltes Beziehungsleben nicht ausschlaggebend, wie oft man miteinander schläft, sondern wie angenommen und geborgen man sich in körperlicher Hinsicht fühlt. Trotzdem ist es wichtig, Unzufriedenheiten nicht einfach hinzunehmen, sondern zu versuchen, etwas dagegen zu unternehmen - möglichst ohne den Partner dabei unter Druck zu setzen. Starten Sie Ihr „Beziehungsprogramm“ am besten mit einem richtigen Date und verabreden Sie sich wie zu Beginn Ihrer Beziehung - treffen Sie Ihren Liebsten zum Beispiel am Nachmittag auf einen Kaffee in der Stadt. Wer unter einem Dach wohnt, kann sich ebenfalls verabreden: Zum Beispiel den anderen von der Arbeit abholen und ins Kino gehen. Zelebrieren Sie dabei das „Vorspiel“: Erinnern Sie sich noch, wie aufgeregt Sie damals bei Ihrem echten ersten Date waren? Konzentrieren Sie sich auf dieses Gefühl - es ist garantiert nicht verschollen, wie Sie vielleicht glauben!

Libidoverlust durch die falsche Pille?

Buchtipps
Esther Perel: Wild Life - Die Rückkehr der Erotik in die Liebe. Pendo Verlag, 19,90 Euro.
Ulrich Clement: Guter Sex trotz Liebe. Wege aus der verkehrsberuhigten Zone. Ullstein Verlag, 18 Euro.