Flirten lernen: Interview mit Flirtexpertin Nina Deißler

- Neun junge Männer bekamen im Bruno Banani Flirt-Camp auf Ibiza die Möglichkeit zu wahren Flirt-Meistern zu werden. Auf der Sonneninsel haben sie Nachhilfe im Flirten von zwei Flirt-Experten bekommen - Nina Deißler und Patrick Kuan.

Flirt-Expertin Nina Deißler

Flirt-Expertin Nina Deißler und Patrick Kuan, Model und Schauspieler aus Großbritannien, lehrten den Männern im Bruno Banani Flirt Camp das Flirten!

Hallo Frau Deißler. Sie sind der Flirt-Coach und bringen Männern das Flirten bei. Für alle, die das Bruno Banani Flirt Camp noch nicht kennen: Worum handelt es sich dabei genau?

Bruno Banani hat junge Männer aus ganz Europa dazu eingeladen, sich für das Flirt Camp zu bewerben. Von den vielen Bewerbern wurden schließlich neun Männer ausgewählt, die für eine Woche zu uns nach Ibiza eingeladen wurden.

Jeden Tag bekamen die Männer in einer zweistündigen Session von mir theoretisches Hintergrundwissen zum Thema Flirt. Teilweise führte ich mit den Männern auch Einzelgespräche und einem Kandidaten habe ich sogar ein neues Styling verpasst.

Jeden Abend gab es dann für einige Teilnehmer eine praktische Aufgabe. Zwei attraktive, lustige Frauen gehörten zu unserem Team und waren die Flirtpartner für unsere Kandidaten. In unterschiedlichen Locations konnten die Kandidaten dann ihr neu erlerntes Flirt-Wissen in der Praxis erproben, denn jede Location bietet unterschiedliche Voraussetzungen und Bedingungen für einen Flirt. Viele Männer denken, dass sie am leichtesten in einer Bar einen Flirt ins Rollen bringen können. Weil es aber viele Frauen gewohnt sind, in Bars dumm angemacht zu werden, muss das nicht unbedingt der beste Ort für einen Flirt sein.

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Sie würden also Männern nicht dazu raten, Frauen in einer Bar anzusprechen?

Es kommt darauf an – eigentlich ist in einer Bar eine lockere Atmosphäre und man kommt leicht ins Gespräch. Aber das Problem ist eben, dass viele Frauen es gewohnt sind, dort blöd angemacht zu werden. Das bedeutet für den Mann, dass er sich damit beschäftigen muss. Und darum ging es ja auch im Flirt Camp: den Männern diese und andere Hürden beim Flirten aufzuzeigen. Das Bewusstsein der Männer schärfen: Was könnte jetzt der Grund sein, dass die Frau meinen Kontakt nicht erwidert und was kann ich in einer solchen Situation tun?

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Waren Sie denn auch in den konkreten Flirt-Situationen vor Ort und haben den Männern Tipps gegeben?

Ja, ich war immer mit dabei. Vor der Situation war ich immer für die Männer ansprechbar und habe sie an wichtige Dinge erinnert, aber in der Situation selbst habe ich ihnen nicht geholfen. Da mussten sie alleine durch. Wir haben nach dem Flirten mit den beiden Frauen ein Feedback-Gespräch geführt und so haben die Männer gleich erfahren, was gut ankam oder eben nicht.

Wir reden hier die ganze Zeit vom Flirten. Aber was ist Flirten überhaupt? Und was macht einen guten Flirt aus?

Beim Flirten geht es grundsätzlich darum, dass ich spielerisch Kontakt aufnehme und den anderen wissen lasse, dass ich ihn gut finde. Das kann in einem Miniflirt geschehen, z.B. auf der Straße, wenn ein Mann Sie nett anlächelt oder intensiv zu Ihnen rüberschaut. Wenn ich das bemerke und mit einem Lächeln oder sogar einem kleinen Augenzwickern antworte – dann ist das ein Flirt!

Den Fehler, zu glauben, dass ein Flirt immer zu etwas führen muss, haben viele Kandidaten begangen: Ein Kandidat hat zu Beginn einer Flirt-Situation alles richtig gemacht. Doch das Problem war: Er ging einfach nicht mehr weg, weil er dachte er muss jetzt irgendwas erreichen.

Aber eigentlich hätte er seine Flirtpartnerin mit dem guten Gefühl erst mal alleine lassen sollen. Wir Frauen brauchen eben manchmal einen Moment, um zu beschließen, was wir von einer Situation halten sollen. Und das bringe ich auch den Männern im Flirt Camp bei: Mache dich interessant und mache der Frau Lust auf dich.

Bruno Banani Flirt Camp

Was würden Sie sagen? Was ist der größte Fehler, den Männer beim Flirten begehen können?

Den größten Fehler, den Männer beim Flirten begehen können, ist dass sie sich nicht trauen eine Frau anzusprechen, weil sie sich ein Zeichen, Signal oder eine konkrete Einladung der Frau wünschen.

Männer und Frauen flirten also unterschiedlich? Was macht den Unterschied genau aus?

Männer flirten aktiv, während Frauen etwas zurückhaltender sind. Eine Freundin sagte mal: "Männer baggern, Frauen wählen aus". Es ist also eher die Aufgabe der Frau, den Mann dazu zu kriegen, dass er baggert, während es Aufgabe des Mannes ist herauszufinden, ob die Frau ihn überhaupt auswählen will. Allerdings müssen die Männer das häufig forcieren, weil wir Frauen in unseren Flirtsignalen häufig sehr subtil sind.

Männer machen oft den Fehler zu lange zu warten, weil sie die subtilen Signale nicht verstehen. Bei dem Kurs sagen auch viele Männer, dass sie sich wünschen würden, dass die Frau den ersten Schritt macht. Genau diese Situation haben wir nachgespielt. Und plötzlich waren die Männer nicht mehr davon überzeugt, dass Frauen tatsächlich den ersten Schritt machen sollten.

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" class="rteInlinetag">Glauben Sie, dass es damit zusammenhängen könnte, dass der Jagdinstinkt der Männer ausgebremst wird, wenn die Initiative von der Frau ausgeht? Es heißt ja häufig, Männer wollen Frauen erobern.

Da ist tatsächlich was Wahres dran. Der Flirt, der ja auch mit sexueller Anziehungskraft zu tun hat, ist ja im Grunde genommen eine Art Balzritual. Wenn es sich über viele tausend Jahre bewährt hat, dass der Mann den aktiveren Part übernimmt, wird man das nicht einfach ablegen, nur weil es plötzlich Gleichberechtigung gibt.

Sexuelle Anziehung und die davon abhängige Partnerwahl sind bei uns auch in den Instinkten und im Gehirn verankert, genauso wie der Fortpflanzungswille. Dieser Teil des Gehirns hat nichts gehört von Emanzipation. Will heißen: Auf der rationalen Ebene finden es die Männer total praktisch, wenn die Frau den Anfang macht. Aber im Moment, in dem es passiert, sagten die meisten Männer "das fühlt sich komisch an". Einer sagte auch, "Das war viel zu einfach" als die Frau ganz offen auf ihn zukam.

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Also sind Sie der Meinung, dass ein erfolgreicher Flirt vom Mann ausgehen muss?

(lacht) Die Wahrheit daran ist: Ausgehen wird der Flirt in der Regel von der Frau, sie tut nur äußerst gut daran, den Mann davon nichts wissen zu lassen. Es geht für Frauen darum zu verstehen, dass Männer Gelegenheiten suchen. Der Mann sucht nach einer Frau, die ihm Gelegenheit bietet. Natürlich spielen auch Äußerlichkleiten eine Rolle, aber Männer entscheiden sich lieber für eine Frau, die ihnen ein positives Signal sendet, als für eine superhübsche Germany's Next Topmodel-Kandidatin, die nur auf ihre Schuhspitzen guckt.

">Welche Männer haben bei Frauen eigentlich den größten Erfolg?

Es sind die Männer, die Frauen ein gutes Gefühl vermitteln können. Wenn der Mann im Flirt vermitteln kann, dass es ihm nicht nur darum geht, dass er nicht zwangsweise etwas erreichen will, z.B. dass die Frau ihm die Telefonnummer gibt, stehen die Chancen recht gut. Der Mann sollte einfach entspannt, locker, witzig sein und der Frau zeigen, dass er sie gut findet und sich wirklich für Sie interessiert.

Ganz wichtig: Er darf dabei nicht bedürftig wirken. Wenn ein Mann sich so verhält, als sei es die natürlichste Sache der Welt mit der Frau zu scherzen, ihr ein nettes Kompliment zu machen und sich nicht davon abschrecken lässt, dass die Frau nicht gleich im ersten Moment so reagiert, als hätte sie ihr Leben lang auf ihn gewartet, dann hat er gute Chancen.

Es gibt also keinen Universal-Trick, mit dem ein Mann garantiert jede Frau rumkriegt?

Ach, das wäre schön!

Kennen Sie Erik von Markovik und seine Mystery-Methode? Er gibt Männern mit seinem Buch "Wie Sie jede Frau rumkriegen" einen Universal-Trick an die Hand. Mit seinen Tipps bekommt man(n) ja angeblich jede Frau rum. Was halten Sie davon?

Ich finde, dass er nicht ganz Unrecht hat. Ich denke nur, dass seine Methode der Persönlichkeit vieler Männer widerstreben wird. Er gibt ja konkrete Anweisungen: tue das, verhalte dich so, reagiere so usw.. Ich persönlich glaube, dass die meisten Männer sich nicht trauen würden das zu tun.

So kriegt er Sie rum

Die Nervosität gilt es beim Flirten ja immer zu überwinden. Verraten Sie uns ein paar Tricks, wie man die anfängliche Nervosität in den Griff bekommt?

Die erste Frage, die ich Flirtsuchenden stelle, ist: Wie oft haben Sie bisher versucht zu flirten? Und das sind meist weniger als zehn Flirtversuche. Aber Flirten ist eine Sache, die man üben muss. Ich vergleiche das für die Männer gerne mit einem Fußballspiel: Um ein guter Fußballer zu sein, reicht es nicht, nur die Regeln zu kennen, sondern ich muss auch trainieren. Und ich muss so trainieren, dass ich, egal wie ich angespielt werde, weiß, was ich zu tun habe.

Die meisten Menschen möchten gerne flirten, trauen sich aber nicht so wirklich. Irgendwann kommen sie dann vielleicht in eine Situation, in der sie gerne flirten würden, haben aber natürlich keine Ahnung was sie tun sollen. Man möchte also in diesem Moment Bundesliga spielen, war aber nie beim Training und hat auch noch nie in der Bezirksliga gespielt.

Worauf kommt es also beim Flirten an?

" class="rteInlinetag">Es kommt darauf an, Situationen zu erkennen. Wenn ich eine Situation erkenne, muss ich es schaffen ein Signal zu senden. Und das muss man üben, d.h. es sind Reaktionen, die man sich aneignen muss. Und die müssen irgendwann unbewusst funktionieren, so wie beim Auto fahren: Da muss man sich zu Beginn auch auf alles ganz genau konzentrieren. Das funktioniert später ohne großes Überlegen und genau das muss auch beim Flirten passieren - man muss es automatisieren.

Man bildet erst eine Basis. Diese Basis kann darin bestehen, dass ich mir angewöhne, aufmerksam zu sein. Ich beobachte genau und halte fest, wo ich Menschen kennenlernen könnte. Wenn ich eine Person ansprechend finde, sollte ich mir angewöhnen etwas Positives zu denken und nicht gleich in Panik zu verfallen. Im nächsten Schritt kann ich mir angewöhnen freundlich zu lächeln. Und wenn mir das nicht mehr schwerfällt, kann ich überhaupt mal irgendetwas zu sagen, ohne dass sofort ein Gespräch oder Flirt entstehen muss. Man muss eben lernen, nicht gleich in Panik zu verfallen, wenn man einem attraktiven Menschen begegnet.

Man sollte ganz locker bleiben, mit dem Wissen: Ich kann etwas sagen, ohne zu stottern oder die Stimme zu verlieren. Das muss zu Beginn auch gar nicht Geistreiches sein und muss auch zu nichts führen. Einfach ein paar nette Worte - mehr nicht. Und man fühlt sich damit einfach total gut.

Heute wird es vielen Männern ja auch recht einfach gemacht die Nervosität zu umgehen. Stichwort: Online Dating. Was halten Sie davon?

Da bin ich sehr geteilter Meinung. Online kommt nur 20 Prozent von dem rüber, was in einer echten Begegnung rüberkommt. Das Internet ist deshalb voll von Leuten, die im realen Leben zu Recht keine Menschen kennenlernen, weil sie eben zwischenmenschliche Situationen umgehen. Diese Menschen haben immer Angst, nicht anzukommen und daher auch kein großes Selbstvertrauen. Außerdem wird beim Online Dating unheimlich viel gelogen und es bleibt sehr viel auf der Strecke. Deshalb würde ich allen Menschen empfehlen, sich nicht grundsätzlich auf Online Dating zu verlassen.

Dos & Don'ts beim Online-Dating

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Besser ist also die Hilfe von einem Flirt-Coach. Kommen sehr viele Menschen zu Ihnen?

Das ist unterschiedlich. Meine Bücher verkaufen sich sehr gut, aber es sind doch nicht so viele Menschen, wie man immer denkt, die persönlich Kurse bei mir belegen. Sehr viele Menschen hadern lange mit sich, ob sie sich für so einen Kurs anmelden sollen oder nicht.

Ich persönlich glaube, dass viele der Meinung sind, dass sie dann der einzig Normale unter 20 Nerds wären. Und deshalb bin ich auch sehr froh, dass wir im Flirt Camp zeigen, dass auch supersüße und attraktive Männer gerne Hilfe beim Flirten annehmen. Flirten ist auch etwas sehr Intimes: Jeder will es können, aber keiner will zugeben, was er nicht kann. Viele flüchten sich deshalb lieber in dumme Ausreden, statt aktiv Flirten zu lernen.

Im Flirt Camp sind ja viele Männer unterschiedlicher Nationen. Sehen Sie da Nationalitäten-Unterschiede beim Flirten?

Es gibt zwar kulturelle Unterschiede, aber auch die Persönlichkeiten der Männer sind so unterschiedlich, das man das nicht eindeutig sagen kann. Jeder hat seine Geschichte, seine Persönlichkeit, seine Ängste, seine Stärken.

Flirt-Tipps für jedes Urlaubsland

Aber Sie sagen, dass grundsätzlich kulturelle Unterschiede bestehen. Wie machen sich diese Unterschiede bemerkbar?

Sehr auffällig sind mir diese Unterschiede z.B. in Italien bewusst geworden. In Italien ist den Frauen und Männern sehr viel mehr klar, dass Flirten einfach nur ein sehr unterhaltsames Spiel sein kann. Und es ist bei den Männern schon regelrecht ein Sport, den Frauen zu zeigen, wenn sie sie gut finden. Das muss aber in Italien überhaupt keine Konsequenzen haben – und die Frauen können damit auch sehr gut umgehen.

Vielen Frauen ist das ja häufig unangenehm: „In Italien wird man ja ständig angemacht“. Ich selbst habe da eine ganz andere Erfahrung gemacht: Viele Männer in Italien reagieren einfach sehr natürlich, positiv auf eine gutaussehende Frau. Sie sagen was Nettes, pfeifen auch mal ganz machomäßig, aber sie wollen dann nix. Der Italiener macht das dann also nicht, um deine Telefonnummer oder sonst etwas zu bekommen.

In Palermo haben Männer schon ihren Wagen an den Straßenrand gefahren, haben das Fenster runtergekurbelt, nur um mir zu sagen, dass ich toll aussehe. Das empfinde ich persönlich nicht als Anmache. Und die Frauen in Italien können damit auch sehr gut umgehen. Es hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die italienischen Frauen inzwischen sehr emanzipiert sind. Sie haben sich in der Emanzipation aber nie gescheut auch ihre weiblichen Reize einzusetzen und zu nutzen. Deutsche Frauen denken häufig, dass sie wie Männer sein müssen, was das Flirtverhalten natürlich nicht gerade begünstigt.

Was uns natürlich noch brennend interessiert: Nutzen Sie Ihr Flirt-Wissen auch privat? Flirten Sie selbst auch viel?

Ja natürlich. Es gibt ja auch keinen Golflehrer, der kein Golf spielt.

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