Exfreundin - warum sie uns stört

Wenn wir mal ehrlich sind, haben wir doch alle nur einen Gedanken, bevor wir auf die Ex unseres Liebsten treffen: "Lass sie dumm und hässlich sein!" Doch dann steht sie vor uns und ist natürlich weder das eine noch das andere. Und jetzt? Hier gibt's eine kleine Typologie von Ex-Freundinnen und was wir gegen sie - oder sogar mit ihnen - tun können. Außerdem: Warum die Ex-Freundin immer stört – diese Frage beantwortet Diplom-Psychologin Kerstin Cyrus im Jolie.de-Interview.

Die Versteherin

So ist sie: Ach, sie kennt ihn ja so gut. Sie versteht auch, dass ihr noch ein bisschen eifersüchtig seid. Ja, das wäre sie auch, schließlich war die Verbindung zwischen ihr und dem "Hasen" (ja, so nennt sie ihn!) etwas ganz Besonderes. Aber das ist ja jetzt vorbei, sie wünscht Glück und gibt gerne Ratschläge wie: "Treib ihm doch mal diese fürchterlichen Unterhosen aus!" oder "Pass beim Würzen etwas auf, er mag es nicht so scharf”.

So geht ihr mit ihr um: Die einzige Möglichkeit, mit dieser Art von Ex-Freundin umzugehen ist: Gelassenheit. Hört euch den Stuss an, lächelt und geht dann mit eurem Liebsten souverän von dannen. In schwachen Momenten dürft ihr ihn auch fragen, weshalb er mit der Glucke zusammen war. Aber nennt ihn dabei bitte nicht "Hasen"!

Die Trauernde

So ist sie: Ein Blick in die Augen der Trauernden gibt euch schlicht zu versehen: "Ich hasse dich!" Sie ist natürlich ganz zufällig, oft genau an den Orten, wo du gerade mit deinem Freund bist. Sie spricht nicht mit euch – und mit ihm nur unter literweise Tränen. Er ist nach jedem Gespräch geknickt und eure Laune ist auch verdorben. Nur die Ex feiert innerlich eine Riesenparty: Sie hat euch schließlich wieder den Tag versaut.

So geht ihr mit ihr um: Macht der Sache ein Ende: Er muss ihr endlich sagen, dass ihr Geheule nichts hilft. Sollte sie euch danach weiter mit ihrer Trauermiene belästigen, sprecht sie an: Ratet ihr, professionelle Hilfe zu suchen und bietet ihr dabei sogar eure Unterstützung an. Wenn Sie das Angebot annimmt, helft ihr wirklich. Wenn nicht, ist die Trauernde entlarvt.

Die Omnipräsente

Frau mit Herzballon
So ist sie: Die omnipräsente Ex-Freundin ist die Schlimmste. Oft wohnt sie in einer anderen Stadt und er wird nicht müde zu betonen, dass die Beziehung an der Distanz gescheitert sei. Aber ihre Fotos, ihre kleine italienische Espressomaschine und schlimmstenfalls noch das ein oder andere Kleidungsstück bevölkern seine Wohnung weiterhin. Die SMS dieser Exfreundin sind noch in seinem Handy gespeichert und wenn er strahlt, redet er dabei meistens von ihr. Hach, was war das schön. Wahrscheinlich hat sie Schluss gemacht, auch wenn er euch das Gegenteil erzählt.

So geht ihr mit ihr um: Ganz ehrlich? Hier ist das Problem nicht die Ex, sondern euer Freund. Stellt ihn zur Rede. Der Typ hängt einer Liebe nach, an die ihr scheinbar nicht herankommt. Er will leiden, also sollte man ihn leiden lassen …

Die gute Freundin

So ist sie: Die Beziehung ist schon eine Weile vorbei und die beiden sind nun gut miteinander befreundet. Sie ist hübsch und clever. Und seltsamerweise wirkt sie sogar sympathisch. Das stört euch natürlich anfangs, aber lasst euch ruhig mal drauf ein. Anhand seines Verhaltens werdet ihr schnell merken, auf welcher Seite er steht. Da er nun mal mit euch zusammen ist, ist das doch eigentlich schon Beweis genug, dass zwischen ihm und seiner Ex nichts mehr läuft. Ansonsten achtet einfach darauf: Steht er zu euch, indem er beispielsweise von gemeinsamen Plänen berichtet oder sich bei Diskussionen nicht nur auf die Seite der Ex schlägt? Dann ist ja gut.

So geht ihr mit ihr um: Ihr müsst jetzt nicht beste Freundinnen werden, aber akzeptiert ihre Existenz und macht sie nicht vor ihm schlecht.

Diplompsychologin Kerstin Cyrus weiß, warum wir die Ex-Freundin unseres Liebsten so doof finden. Und verspricht: "Mit wachsender Sicherheit in der Beziehung wird die Existenz der Ex-Freundin ein immer kleinerer Störfaktor." Wir haben sie im Interview zum enstpannten Umgang mit der Ex befragt. Ihre Tipps lest ihr weiter unten.

Exfreundin - das rät die Psychologin

Jolie.de: Warum stört Frauen eigentlich die Existenz der Exfreundin, selbst wenn der Partner sich längst von ihr losgesagt hat?

Kerstin Cyrus:Frauen wollen meist die "Exklusivrechte" an einer Beziehung. Begleitet wird dies von der romantischen Vorstellung, Mittelpunkt im Leben des Partners zu sein. Sie wollen Liebe und Verbindlichkeit, wollen begehrt und bewundert werden. Männer tun sich oft schwer mit der Verbalisierung solcher Emotionen und Zugeständnisse. Der Ex wird unterstellt, dass sie das alles schon bekommen hat, was wir uns noch von unserem Partner wünschen und ersehnen. Mit wachsender Sicherheit in der Beziehung wird die Existenz der Ex-Freundin ein immer kleinerer Störfaktor.

Jolie.de: Also ist die Eifersucht auf die Exfreundin normal?

Kerstin Cyrus: In der Eifersucht liegt die Befürchtung, dass uns jemand unseren Partner wegzunehmen versucht. Eifersucht ist generell nichts Unnormales, sie ist ein Teil unseres evolutionären Erbes, und ganz ausschalten können wir sie nie. Sie darf nur nicht über das Maß hinausschießen. Geraten wir in einen Strudel von Katastrophengedanken, wie "ich erreiche ihn nicht - er ist bestimmt bei der Ex, er wird mich bald verlassen - ich werde nie wieder so jemanden finden", führt das oft nur zu ungerechten Verdächtigungen und Beschuldigungen unserem Partner gegenüber.

Es gibt Menschen, bei denen der geringste Entzug von Aufmerksamkeit ausreicht, eifersüchtig zu werden. Die Ex wird dann zur Zielscheibe, weil man vermutet, der Partner habe dort mehr an Zuwendung und Gefühl investiert. Wenn man dies bei sich beobachtet, sollte man sich darauf konzentrieren, den eigenen Selbstwert aufzubessern, sich z.B. eigene Stärken bewusst machen und positive Beziehungen zu anderen pflegen. Das schwächt die zermürbenden Eifersuchtsgedanken oft ab.

Jolie.de: Sollte er seiner neuen Partnerin seine Exfreundin vorstellen?

Kerstin Cyrus: Nur dann, wenn noch regelmäßiger Kontakt zur Exfreundin besteht. Damit setzt er vor allem vor der Exfreundin ein Zeichen, dass er nun eine neue Beziehung hat und er zu dieser steht. Das hat etwas mit Respekt zu tun. Die aktuelle Freundin interpretiert dies als Beziehungsbotschaft: "Du bist mir wichtig und ich halte mir kein Hintertürchen offen."

Jolie.de: Wie ist es zu bewerten, wenn er noch viele Fotos von ihr sowie andere "Souvenirs" an die alte Beziehung hegt und pflegt?

Kerstin Cyrus: War die Ex-Freundin besonders attraktiv, stellen Männer dies gern zur Schau, um sich selbst ein wenig aufzuwerten. Männer sind eher besitzorientiert und rechnen die Ex sozusagen zum "alten Inventar". Der Selbstwert vieler Männer hängt stark davon ab, ob sie eine Frau haben und welche Qualitäten diese hat. In den meisten Fällen muss man sich also keine Sorgen machen. Ein zu offensichtliches zur Schau stellen von "Ex-Fotos" muss man jedoch keineswegs tolerieren. Dann sollte man ruhig ansprechen, dass einem dies zu weit geht und auch verletzt.

Jolie.de: Und warum stört ihn die Existenz der Ex-Freunde dagegen scheinbar viel weniger?

Kerstin Cyrus: Im Gegensatz zu Frauen leugnen Männer ihre Eifersucht eher. Vor allem aber unterscheiden sich die Geschlechter darin, was genau ihre Eifersucht auslöst. Männer reagieren am eifersüchtigsten, wenn der Verdacht besteht, sie habe Sex mit einem anderen.

Besonders schlimm finden Frauen hingegen, wenn sie glauben, ihr Partner hege tiefere Gefühle gegenüber einer anderen Frau. Und in den seltensten Fällen hat man ja noch Sex mit dem Ex - es ist eher so, dass oft noch eine emotionale Bindung zum verflossenen Partner besteht.

Jolie.de: Vielen Dank für das Gespräch!