Deshalb ist Homophobie noch immer ein Problem

Am 17. Mai feiert die Welt den Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie. Unser Autor Markus, ein eher UNpolitisches Mitglied der LGBTQIA-Community, hat sich deshalb die Frage gestellt, inwiefern Homophobie, Transphobie und Biphobie heute noch ein Problem darstellen und was dagegen unternommen werden könnte. 

Regenbogenflagge

Was können die Mitglieder der LGBTQIA-Community gegen Homophobie, Transphobie & Biphobie unternehmen? Unser Autor Markus hat da einen Vorschlag ...

Die Schwulenszene in München ist gerade in Aufregung. Ein offen schwuler Mann wurde in einer bekannten Münchner Partystraße, wo sich auch viele LGBTQIA-freundliche Bars befinden, von einer Gruppe beschimpft, bespuckt und verprügelt … wegen seiner Sexualität. Seine drei Angreifer sollen schon vor dem Vorfall vor einem gemeinnützigen Zentrum für schwule Männer gepöbelt haben. Wie so etwas nur in unserem sicheren, spießigen aber eigentlich doch weltoffenen München passieren konnte, beschäftigt gerade die gesamte Szene. Die Attacke ereignete sich am 13. Mai, nur wenige Tage vor dem Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie. Das Timing hätte nicht besser sein können, um uns – auch mir – zu verdeutlichen, dass Homophobie, Transphobie und Biphobie noch immer geläufig sind.

Denn eigentlich habe ich mich als schwuler Mann immer ziemlich sicher gefühlt, habe die Welt durch eine regenbogenfarbene Brille gesehen, die Homophobie, Transphobie und Biphobie aus meiner Wahrnehmung filtert. Und das obwohl auch ich mich schon in Situationen wieder gefunden habe, die eskalieren hätten können. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Vorfall, der sich in einem Stadtbus ereignet hat. Ich war mit einer Kollegin auf dem Heimweg von einem Termin, als sich eine Gruppe junger Männer hinter uns gesetzt hat. Zuerst haben die vier Männer nur gepöbelt, als ich darauf nicht reagiert habe, haben sie damit angefangen, mit einem Feuerzeug in meinen Haaren zu spielen. Als ich dann mein Handy aus meiner Jackentasche nahm – nur zur Sicherheit – drohten sie, es zu klauen, zu zerstören und mich zu verprügeln.

Rückblickend stört mich an diesem Vorfall, dass er mich überhaupt nicht zum Nachdenken angeregt hat. Dass ich mir weiterhin eingeredet habe, dass Homophobie, Transphobie und Biphobie kein Problem mehr sind. Dass ich die Welt trotzdem noch durch eine regenbogenfarbene Brille gesehen habe, in der es keine Gefahren für Leute wie mich oder das Opfer der Prügelattacke gibt, nur weil wir schwul sind. Dass ich den Vorfall nie gemeldet habe. Ich habe das Geschehene einfach unter den Teppich gekehrt und frage mich, wie viele andere Mitglieder der LGBTQIA-Community das Gleiche getan hätten.  

Genau darin liegt das Problem: wie kann man Homophobie, Transphobie und Biphobie bekämpfen, wenn man sie nicht zum Thema macht, wenn erst darüber gesprochen wird, wenn wieder ein Mitglied der Community verprügelt im Krankenhaus landet? Homophobie ist real und sie ist da. Wir MÜSSEN darüber sprechen. Als schwuler Mann werde ich künftig sowohl große auch als kleine Anfeindungen gegen mich nicht mehr verharmlosen. Und ich appelliere auch an andere LGBTQIA-Mitglieder, die regenbogenfarbene Brille abzunehmen und sich dem Gespräch und den Diskussionen zu stellen. Denn wenn wir Homophobie, Transphobie und Biphobie nicht zum Thema machen, macht es keiner. Und dann werden wir in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten vom nächsten Prügelopfer hören und uns wundern, wie so etwas heutzutage in unseren sicheren, spießigen aber weltoffenen Städten nur passieren konnte.