Bier auf Wein - Kolumne über den Umgang mit Alkohol

- Die JOLIE-Kolumnistin Anne trinkt am liebsten Wein. JOLIE-Kolumnist Jens hat seinen eigenen Erfahrungen mit den Bayern und dem Bier gemacht. Beide finden den Umgang mit Alkohol nicht immer ganz einfach. Das Problem? Mangelnde Trinkfestigkeit.

 Egal ob Wein oder Bier - Hauptsache man kennt sein Limit.

Egal ob Wein oder Bier - Hauptsache man kennt sein Limit.

JOLIE-Kolumnistin Anne Haeming mag am liebsten badischen Weißwein. Das macht die Bestellung in Berliner Clubs oft schwierig

Zugegeben: Ich habe ein Alkoholproblem. Bier kriege ich nicht runter, ich habe es erst vorletztes Jahr wieder versucht. Spritz, Hugo und den ganzen Rest auch nicht. Bei mir geht nur Wein. Ausschließlich. Und da, wo ich unterwegs bin, kommt das ein bisschen komisch an. Alle um mich herum trinken lieber Bier, in den Berliner Clubs und bei Konzerten gibt es auch kaum Wein. Oder nur schlechten, was für mich als Fast-Wein­königin nicht ins Glas kommt. Ja, richtig gehört. Ich bin eine lokalpatriotische Trinkerin. Ich komme aus einem Weindorf. Hinterm Haus Weinberge, die Straßen im Viertel heißen, als seien sie Flure in der Betty-Ford-Klinik: Ruländerweg, Traminerweg, Burgunderweg, Müller-Thurgau-Weg. Und bei mir hat mal der Bürgermeister angerufen und mich gefragt, ob ich als Weinkönigin kandidieren möchte. Früher waren Eltern mit Weinberg Voraussetzung, irgendwann fehlte der Nachwuchs. Plastiktrauben am Kleid und Krönchen? Mein Kleinmäd­chentraum! Ich sagte trotz­dem Nein. Nicht, weil man unsere Volksdroge nicht feiern sollte. Nein, es wäre sehr schnell sehr peinlich geworden. Ich bringe nicht mit, was dieses Amt erfor­dert: Trinkfestigkeit. Ich trinke nämlich nicht nur ausschließlich Wein, sondern davon auch noch wenig. An einem Glas nippe ich den ganzen Abend. Denn ich bin entweder nüch­tern oder völlig betrunken, das Dazwischen geht bei mir nicht. Mir fehlt die Körpermasse. Was echt lästig ist. Für mich. Ich wäre manchmal auch gerne ein­fach nur angetütert, zum Beispiel auf langweiligen Hoch­zeiten von Verwandten. Meine Freunde dagegen freut’s. Weil es billig ist, mich zu Drinks einzuladen – vor allem in Berliner Clubs. Und ich den Fahrdienst übernehme.

JOLIE-Kolumnist Jens Lubbadeh weiß: Als Hamburger kann man das Oktoberfest nur mit guter Vorbereitung überleben

Das Alkohol angeht, sind Bayern wie Außerirdische vom Planeten Ethanol. Wir Erdlinge trinken sonntags Kaffee zum Frühstück, sie trinken Weißbier. Das Leben auf ihrem Planeten muss in einem Maßkrug entstanden sein. Als 15-Jähriger habe ich einmal die Dummheit begangen, mit Bayern zu trinken. Es war mein Untergang. Nun musste ich mich der Herausforderung erneut stellen: Mein ehemaliger Professor lud aufs Oktoberfest ein, er hatte sogar einen Tisch im Hofbräu-Zelt organisiert (sicher schon in den 80ern gebucht). Da konnte ich nicht Nein sagen. Ich ging die Sache wissenschaftlich an: Mageninnenwand mit Öl auskleiden. Flüssigkeitsverlust kompensieren. So viel Vernunft hätte ich mir damals auch gewünscht. Mit den Bayern zu trinken war mein erster Fehler gewesen. Der zweite war, mit ihnen das Trinkspiel Quarters zu spielen. Das Ziel des Spiels: eine Münze in ein leeres Glas zu werfen. Die Herausforderung: die Münze muss zuerst die Tischplatte berühren. Physikalisch betrachtet unmöglich, doch für die bayri­schen Aliens galten andere Gesetze. Der Lohn: Wer es schaffte, durfte das Glas mit einem Getränk seiner Wahl füllen (in der Regel Wodka) und sich ein Opfer aussuchen, das es auf ex austrinken musste. Leider schaffte es einer, mehrfach. Lei­der war das Opfer immer ich. Irgendwann folgte mein Kopf der Münze – ich war bewusstlos. Am nächsten Morgen wunderte ich mich, dass meine Eltern mit sorgenvollen Mienen an meinem Bett saßen. So weit kam es auf dem Oktoberfest nicht: Das Trinken mit System und zwei fettige halbe Hendl retteten mich. Ich verließ das Zelt mit viereinhalb Maß im Bauch. Schweren Schrittes, aber aufrecht.