Beziehungs-Ratgeber: Mehr Verständnis für den Partner

Tierischer Beziehungssratgeber: Mia von Waldenfels beschreibt in Ihrem Buch "Ich wie Ich und Du wie Du" wie Paare dank einer Bären-Kommunikation Krisen meistern können. Wie Sie eine glückliche Beziehung führen können und die Liebe auch auf Dauer nicht verblasst, haben wir für Sie bei der Autorin selbst recherchiert.

Paartherapeutin Mia von Waldenfels

Paartherapeutin Mia von Waldenfels

Jolie.de: Wie schaffe ich es, eine glückliche Beziehung zu führen?

In unserer Vorstellung wünschen wir uns oft den perfekten Mr Right. Wie im Märchen gehen wir davon aus, dass Prinz und Prinzessin "glücklich, bis an ihr Lebens Ende leben". Dabei müsste man eigentlich sofort fragen: "Aber wie?"

Jolie.de: Gibt es denn eine Faustregel für eine funktionierende Beziehung?

Sie sollte Ihren Partner nicht als selbstverständlich nehmen und immer frisch an jede Begegnung herangehen. Dabei sollten Sie sich immer vor Augen halten dass der Partner nicht dazu verdammt ist, mit Ihnen wie in einem Gefängnis zusammen zu leben.

Die Eigenarten des Anderen sollten Sie wie ein fremdes Land betrachten und zu schätzen wissen.

Sie sollten nicht denken "Warum macht er dies und das?" sondern "Aha, er macht das so, interessant." Essentiell für eine glückliche Beziehung ist, dass wir uns von der Vorstellung eines andauernden "Wir-Gefühls" verabschieden.

Der Partner ist kein Klon von einem selbst. Wir sind gerade von den Unterschieden des anderen, wie im Magnetismus, angezogen. Deswegen sollten wir versuchen den anderen nicht zu unserer Wunschvorstellung "umzuformen", sondern ihn in seiner Andersartigkeit zu schätzen.

Jolie.de: Statt diese Andersartigkeit anzunehmen, überraschen wir uns aber doch eher bei dem Gedanken "Den kann ich mir ja noch erziehen!": Wie schaffen wir es den Drang abzustellen, den Partner verändern zu wollen?

Sie sollten den Partner wie jemanden aus einem anderen Land oder einen Außerirdischen von einem anderen Stern betrachten. Eigenarten sollten eher neugierig und interessiert wahrgenommen, anstatt kritisch beäugt zu werden.

Man sollte wie in Freundschaften einen spielerischen und lockeren Umgang miteinander üben und die Verbissenheit herausnehmen.

Jolie.de:Sex spielt in den meisten Beziehungen eine wichtige Rolle. Wie bleibt der Sex auch in einer langjährigen Beziehung lebendig und intensiv?

Sex ist kein Sport. Es bedarf keiner Ermüdungserscheinung danach oder einer "wie lange und wie oft?"-Prognose. Sex ist ein empfindsamer Bereich wo jeder gleichzeitig sehr verletzbar ist. Eine langjährige Beziehung eröffnet auch einen gemeinsamen Weg und neue Entfaltungsmöglichkeiten.

Bei Geliebten ist beispielsweise Sex unbelastet und macht es dadurch vermeintlich "leichter". In einer Beziehung kann aber die Überwindung von gemeinsamen Problemen oder Ängsten zu einem sehr viel schöneren und intensiveren Sexleben führen.

Jolie.de: Bevor man sich aber mit einem eingeschlafenen Sexualleben herumschlagen muss, stellt sich für viele Singles die Frage, wie sie überhaupt den richtigen Partner für sich finden. Was würden Sie Ihnen raten?

Man kann nicht unbedingt mit jedem Zusammenleben. Daher ist die Wahl des Partners auf keinen Fall beliebig. Es ist etwas in uns, dass unbewusst einen Partner heraussucht. Unser Einfluss darauf ist relativ gering.

Diese Wahl kann natürlich positiv und negativ sein. Manchmal suchen wir uns gerade einen Partner der besonders schwierig ist und der eine Herausforderung darstellt. An so einem Partner können wir dann aber auch wachsen. Er stellt dann sozusagen eine Herausforderung dar. Man muss nur darauf achten, dass man dabei nicht selbst verletzt wird.

Jolie.de: Unsere Partnerwahl stellt sich somit teilweise als Herausforderung dar und den Märchenprinzen gibt es auch nicht. Ist das nicht sehr ernüchternd?

Ich freue mich die Leute zu "ent-täuschen": Ich hole sie heraus aus einer Illusion. Für viele Paare ist es eher erleichternd, wenn sie plötzlich merken dass sie nicht dem Ideal des Partners nacheifern müssen.

Ich vergleiche das gerne mit Schönheitsoperationen an der Seele: Viele Menschen haben das Gefühl sie müssten an ihrer Seele etwas verändern, um zu gefallen. Dabei sollte bei der Liebe der ganze Mensch mit allen Ecken und Kanten geliebt werden und nicht der zurecht gezüchtete Abklatsch davon.

Jolie.de: Wie sind Sie auf die Teddys und Grizzlys als Synonyme für die Seele und die inneren Schutzmechanismen gekommen?

Der Begriff Schutzmechanismus war mir zu technisch. Zwar sind Schutzmechanismen logisch und gedanklich richtig, aber für mich entsprach das nicht dem emotionalem Hintergrund. Die Grizzlys und Teddys dagegen sind greifbare Bilder.

Die Grizzlys schützen die Seele und die Gefühle des Menschen, den Teddy-Bereich. Wenn Ihr Partner sich angegriffen fühlt, wird er Ihnen wahrscheinlich nur mit den Grizzlys antworten und sie im übertragenden Sinne anbrüllen. Dann wird der Partner plötzlich "ungenießbar" und fährt die Krallen aus. Die Intention dahinter ist jedoch nur der Schutz der Teddys, beziehungsweise der Schutz vor Verletzungen. Dann ist der Partner nicht mehr "kuschelig". Wenn man hingegen mit den Teddys des Partners Kontakt hat ist es "sehr weich und liebevoll".

Jolie.de: Gerade wenn wir es demnach mit den Grizzlys unseres Partners zu tun haben, stellt sich häufig heraus dass Männer sich nur sehr selten entschuldigen. Wie sollten wir damit umgehen?

Sie sollten nicht darauf bestehen, dass Ihr Partner sich rückwirkend für etwas entschuldigt, sondern lieber darauf achten, ob er in Zukunft sein Verhalten verändert.

Man sollte allgemein nicht soviel Gewicht auf eine Entschuldigung legen, sondern lieber in Bezug auf die Zukunft handeln: Das und das würde ich mir wünschen.

Abgesehen davon ist es wichtig, nicht allzu vorwurfsvoll heikle Themen anzusprechen, sondern lieber in der Tedsprache, also der Gefühls- und Empfindungssprache, vorzufühlen.

Jolie.de: Wie sollte man am besten reagieren, wenn man beispielsweise versetzt wurde und dadurch ein Streit vorprogrammiert ist?

Wir dürfen die Gefühle haben die wir haben. Beispielsweise Wut: Wir sollte die Gefühle nur nicht als Messer gegen den anderen einsetzen. Die Gefühle zu haben, bedeutet das Messer nicht auszupacken, sondern im übertragenen Sinne lässt man das Messer nur in der Tasche aufgehen und sagt seinem Partner dass er da einen Wunden Punkt getroffen hat.

Es kann auch richtig sein der Wut Luft zu machen. Da bieten sich verschiedenen Möglichkeiten an, zum Beispiel in erfundener Sprache den anderen beschimpfen denn dann verletzt es nicht so sehr.

Der große Beziehungscheck: Testet, ob ihr bereit für eine gemeinsame Wohnung seid!

Hier findet ihr die häufigsten Probleme in einer Beziehung: