Affäre - Warum geht fast jede(r) Zweite fremd?

Affären neben der Beziehung passieren häufiger, als gedacht: 43 Prozent der Deutschen haben schon einmal einen Partner hintergangen. Wir wollten wissen, warum das so ist – und haben einen Sexualforscher und eine Paartherapeutin zum Thema Affären befragt. Ihre Antwort: Der Grund für die Untreue liegt im Bett vergraben.

Frust im Bett

Der Grund für eine Affäre - im heimischen Bett vergraben, so die Experten

Er hat eine Affäre

Hanna ist fassungslos. Zitternd sitzt sie auf der Couch. Vor ihr steht Stefan, ihr Freund. Oder besser Ex? Er hat ihr gestanden, dass er sie betrogen hat, eine kurze Affäre mit einer Kollegin hatte. Nach vier Jahren Beziehung, sie wollten bald zusammenziehen. Hannas Welt steht still. Fragen wirbeln in ihrem Kopf. Was ist da schiefgelaufen? Wie oft hat er sie angelogen? Und warum hat er das getan?

Warum sucht jemand nach einer Affäre?

"Für Affären gibt es nur einen Grund: sexuelle Unzufriedenheit. Danach kommt lange nichts", sagt Dr. Ragnar Beer. Der Psychologe erforscht den Seitensprung an der Uni Göttingen im Rahmen des Projekts "theratalk.de". Und fast alle untreuen Frauen und Männer gaben bei Beers Studien dieselbe Antwort: Es stimmte etwas im Bett nicht, deswegen suchte man mehr Lust bei Affären in fremden Betten. "So entsteht der fruchtbare Boden für eine Affäre", sagt Beer. Dazu eine Gelegenheit – und es kann passieren. Obwohl fast alle Deutschen auf Treue und Monogamie stehen.

Paare sprechen nicht über Probleme im Bett

affäre

Die große Schwierigkeit bei der sexuellen Unzufriedenheit liegt auch darin, dass Paare nicht über ihre Probleme im Bett sprechen: "Obwohl wir in einer stark sexualisierten Welt leben, sind unsere Fantasien immer noch ein Tabuthema. Wir lästern über den Sex von Promis und aus Filmen wie ‚Sex and the City‘, aber über unseren eigenen reden wir nicht." Immer wieder trifft Beer auf Paare, die denken, sie würden frei über Sex sprechen. "Wenn sie dann unseren Test machen, wird ihnen klar: So ins Detail sind wir noch nie gegangen."

Der Test ist das Programm "Sexuelle Wünsche" von "theratalk.de". Paare beantworten 200 Fragen getrennt voneinander online – und das Modul gibt ihnen dann spezifische Sex-Tipps aus. "Das nimmt dem Paar die Scham, direkt über seine Wünsche sprechen zu müssen", so Beer.

Viele haben Angst vor Ablehnung, davor, für pervers erklärt zu werden, wenn sie sich dem Partner öffnen. Und, wie Paartherapeutin Katja Sundermeier (simply-love.de) weiß: "Viele meiner Patientinnen wissen selbst nicht, was sie im Bett befriedigt, wo ihre Knöpfe sind, die man drücken muss. Woher soll ihr Partner das dann wissen?"

Ausprobieren, experimentieren und die sexuellen Wünsche dem Partner ehrlich mitteilen: Das könnte also dafür sorgen, dass weniger fremdgegangen wird. Kein Mann würde eine Frau je ablehnen, weil sie ihm sagt, wie er ihre Brüste streicheln soll. Wem's unangenehm ist, der kann seine sehnlichsten Wünsche ja auch auf ein Zettelchen schreiben und es dem Partner überreichen.