Abtreibung – Beratung, Rechtslage und Risiken

Abtreibung ist ein sensibles Thema, und es ist schwierig darüber wertfrei zu schreiben. Fakt ist: In Deutschland können sich Frauen gegen eine Schwangerschaft entscheiden. Jährlich tun dies knapp 110.00 Schwangere. Wir haben für euch wichtige allgemeine Infos zum Thema Abtreibung recherchiert.

Wer eine Abtreibung in Erwägung zieht, muss sich ganz sicher sein, ob er das auch möchte. Hilfe gibt es beispielsweise bei pro familia.

Wer eine Abtreibung in Erwägung zieht, muss sich ganz sicher sein. Hilfe gibt es bei pro familia.

Manchmal ist die Neuigkeit "Ich bin schwanger" die schönste Nachricht der Welt. Und manchmal stürzt sie Frauen in eine tiefe Krise: Weil sie sich ein Leben mit Kind nicht vorstellen können, weil sie nicht für ein Kind sorgen können oder weil sie persönlich, gesundheitlich oder in ihrer Partnerschaft Probleme haben.

Ob eine Frau eine ungeplante oder ungewollte Schwangerschaft abbricht, ist allein ihre Entscheidung, doch keine, die sie allein treffen muss. Schwangerschaftsberatungsstellen sind eine gute Anlaufstelle, um über Probleme und Ängste zu sprechen.

Abtreibung mit Schwangerschaftskonfliktberatung

Gesetzlich ist diese Form der Abtreibung zwar rechtswidrig, aber straffrei, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind: Schwangere Frauen müssen bei einer anerkannten Beratungsstelle an einer sogenannten Schwangerschaftskonfliktberatung teilnehmen. Diese stellt eine Bescheinigung aus, die dem Arzt vorgelegt werden muss, der die Abtreibung vornimmt. Falls ein Arzt die Schwangere berät, darf er nicht der Arzt sein, der die Abtreibung durchführt.

Frau bei Schwangerschaftskonfliktberatung

Zwischen der Beratung und der Abtreibung müssen mindestens drei Tage vergehen, seit der Empfängnis dürfen jedoch nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein. Die Beratung ist ein Hilfsangebot, das den Schwangeren die Möglichkeit geben soll, über ihren Konflikt, ihre Sorgen oder Probleme zu sprechen, und sie dabei unterstützen will, eine Entscheidung zu treffen.

Das Beratungsgespräch ist kostenlos und streng vertraulich. Die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht. Auf Wunsch kann das Gespräch auch anonym geführt werden, also ohne der Beraterin oder dem Berater den eigenen Namen zu nennen. In Deutschland gibt es ein großes Netz an Beratungsstellen unterschiedlicher Verbände, zum Beispiel pro familia, das Deutsche Rote Kreuz, Caritas oder die Diakonie. Schwangere, die Rat suchen, können sich zwischen einer konfessionellen und nicht konfessionsgebundenen Beratung entscheiden.

Schwangerschaftabbruch ohne Beratung

Wenn eine sogenannte medizinische Indikation vorliegt, ist eine Abtreibung nicht rechtswidrig und ohne eine Schwangerschaftskonfliktberatung möglich. Eine medizinische Indikation liegt vor, falls für das Leben der Schwangeren Gefahr besteht oder ihre körperliche oder geistige Gesundheit im Verlauf einer weiteren Schwangerschaft ernsthaft gefährdet ist. Dann kann der Arzt eine Abtreibung auch nach der 12. Schwangerschaftswoche vornehmen.

Auch aus kriminologischen Gründen ist eine Abtreibung ohne Schwangerschaftskonfliktberatung erlaubt, das heißt, wenn eine Frau durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist. Dann dürfen zum Zeitpunkt der Abtreibung nicht mehr als zwölf Wochen seit der Empfängnis vergangen sein. Auch hier muss ein Arzt die Indikation feststellen.

Schwangerschaftsabbruch - verschiedene Methoden
  • Medikamentöse Abtreibung

    Eine medikamentöse Abtreibung ist innerhalb der ersten neun Schwangerschaftswochen möglich und wird unter strenger ärztlicher Aufsicht vorgenommen. Zuerst verabreicht der Arzt das Präparat Mifegyne, das den Gebärmutterhals öffnet. Danach – etwa zwei Tage später – gibt er das wehenfördernde Mittel Prostalandine, das die Fehlgeburt auslöst.

  • Risiken bei einer medikamentösen Abtreibung

    Eine medikamentöse Abtreibung hat so gut wie keine körperlichen Risiken. Es gibt aber Fälle, in denen die Tabletten nicht angewendet werden dürfen, zum Beispiel falls die Schwangere unter schwerem Asthma leidet oder eine bekannte Allergie gegenüber einem Bestandteil der Tabletten hat.

  • Abbruch durch Operation

    Die gängigste Methode für eine operative oder instrumentelle Abtreibung ist die Absaugmethode. Der Eingriff wird unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung durchgeführt, in den meisten Fällen ambulant. Nach zehn bis vierzehn Tagen findet eine Nachuntersuchung statt.

  • Risiken der Absaugmethode

    Die meisten operativen Abtreibungen verlaufen ohne Komplikationen. Wie bei allen Operationen ist eine Narkoseunverträglichkeit möglich, auch wenn diese nur selten vorkommt. Weitere Risiken sind Verletzungen der Gebärmutter und Entzündungen. Starke Blutungen, Fieber und Schmerzen können Symptome für eine Entzündung sein. In diesem Fall sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Kosten

Wenn eine medizinische oder kriminologische Indikation vorliegt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für einen Abbruch. Frauen, die die Beratungsregelung in Anspruch nehmen, tragen diese selbst: Bei einem operativen oder medikamentösen Abbruch sind das zwischen 300 und 500 Euro. Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, aber kein oder nur ein geringes Einkommen haben, haben Anspruch auf die Übernahme der Kosten durch das zuständige Bundesland. Ein entsprechender Antrag muss bei den örtlich zuständigen gesetzlichen Krankenkassen gestellt werden.