Werden dunkelhäutige Models benachteiligt?

Wie viele hellhäutige und wie viele dunkelhäutige Models kennt ihr? Werden dunkelhäutige Models benachteiligt? Iréne Amuquandoh arbeitet seit fünf Jahren als Model. Welche Erfahrungen sie bisher gemacht hat, hat sie Jolie.de im Interview verraten. Außerdem erklärt Yannis Nikolaou, Chef der Modelagentur Place Models, seine Einschätzuing, weshalb farbige Models in Zeitschriften und auf den Laufstegen nicht oft zu sehen sind.

Dunkelhäutige Models werden in Deutschland noch immer benachteiligt ...

Dunkelhäutige Models wie Iréne Amuquandoh werden in Deutschland noch immer benachteiligt ...

Jolie.de: Iréne, werden dunkelhäutige Models benachteiligt?

Iréne Amuquandoh: Ja, ich hab schon sehr früh mitbekommen, dass man in Deutschland als farbiges Model eher schlechte Karten hat. Meine Agentur hat mich gut vorbereitet und mir gesagt, dass ich hier nicht die tollsten Jobs bekommen und auch nicht megaerfolgreich werden werde.

Jolie.de: Woran liegt das?

Iréne Amuquandoh: Eine hellhäutige Frau kann sich wohl besser mit dem Model identifizieren, wenn es dieselbe Hautfarbe hat. Deshalb gibt es nicht so viele Jobs für mich und andere dunkelhäutige Models.

Jolie.de: Denkst du das auch?

Iréne Amuquandoh: Nein, letztendlich glaube ich, dass es egal ist, ob die Frau hell oder dunkel ist. Außerdem leben ja auch dunkelhäutige oder asiatische Frauen hier. Denen man müsste man dann ja auch eine Identifikationsfigur geben. Aber in den Magazinen und Katalogen passiert das nur sehr selten. Ich bin ein toleranter Mensch und mag es multikulti.

Jolie.de: Was macht deine Agentur, um dich zu unterstützen?

Iréne Amuquandoh: Meine Agentur steht immer voll und ganz hinter mir. Da habe ich wirklich sehr großes Glück. Sie lassen nicht locker und schlagen mich den Kunden immer wieder vor. Viele zögern erst mal, aber manchmal klappt es dann doch noch mit dem Job.

Jolie.de: Was hältst du von Laufsteg-Quoten für dunkelhäutige Models? 2009 gab es eine 10-Prozent-Quote für die "São Paulo Fashion Week".

Iréne Amuquandoh: Ich glaube, das ist ein guter Anfang. Das ist so ähnlich wie bei den Skinny-Models. Wenn man nichts tut, verändert sich auch nichts. Jemand muss den ersten Schritt machen. Vor ein paar Jahren gab es in Italien eine Ausgabe der "Vogue", in der nur schwarze Models abgelichtet waren, das hat auch viel Aufmerksamkeit gebracht. Oder als Sara Nuru vor ein paar Jahren bei "Germany’s Next Topmodel" gewonnen hat.

Jolie.de: Könntest du vom Modeln allein leben?

Iréne Amuquandoh: Nein, zurzeit ginge das noch nicht. Ich modele aber auch nicht hauptberuflich, sondern neben meinem Studium. Ich studiere Afrikanistik und Geowissenschaften im vierten Semester.

Jolie.de: Was für Jobs bekommst du?

Iréne Amuquandoh: Hauptsächlich Katalogaufnahmen, wenn für eine Strecke speziell ein dunkelhäutiges Model gesucht wird. Aber ich laufe auch auf Shows. Ich bin mal auf der Berliner Fashion Week für den Designer Michael Michalsky gelaufen. Das war super.

Jolie.de: Was gefällt dir am Modeln?

Iréne Amuquandoh: Ich finde es toll zu reisen, neue Leute kennenzulernen und mich immer wieder zu verwandeln.

Jolie.de: Gibt es nicht auch Sachen, die dich nerven, zum Beispiel wenn du stundenlang geschminkt wirst?

Iréne Amuquandoh: Nein, eigentlich nicht. Bei Castings musst du teilweise sehr lange warten, aber das ist okay, das gehört dazu.

Jolie.de: Wolltest du schon immer Model werden?

Iréne Amuquandoh: Wie wahrscheinlich jedes Mädchen habe ich davon geträumt, mal professionell geschminkt zu werden und dass ein Fotograf tolle Bilder von mir macht. Aber professionell zu modeln war nie ein Thema für mich, obwohl meine Freunde immer wieder gesagt haben, dass ich eine Modelfigur habe. Vielleicht auch, weil mein Vater sehr streng war und nichts mit dem Modeln anfangen konnte.

Jolie.de: Wie bist du dann doch Model geworden?

Iréne Amuquandoh: Das war vor fünf Jahren. Jan-Eric Luetjen (einer der beiden Gründer von Place Model Management, Anmerkung der Redaktion) hat mich in der Bahn angesprochen, mir seine Karte gegeben und gesagt, ich soll mich mal melden.

Jolie.de: Und wie ging’s dann weiter?

Iréne Amuquandoh: Ich hab mich gemeldet und gleich an einem Modelcasting teilgenommen. Das hieß "Be A Model" und wurde von RTL begleitet. Ich hab gewonnen und einen Vertrag in der Agentur bekommen. Seitdem arbeite ich als Model.

Jolie.de: Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Iréne Amuquandoh: In zwei Semestern bin ich mit dem Studium fertig. Dann würde ich mich gerne eine Zeit lang ganz aufs Modeln konzentrieren, vielleicht auch ins Ausland gehen. Es wäre schön, wenn das klappt.

Was denkt ihr darüber, dass dunkelhäutige Models benachteiligt werden? Eure Meinung interessiert uns. Gebt euren Kommentar ab!

Lest auf der nächsten Seite, was der Chef der Modelagentur Place Models zum Thema sagt: Werden dunkelhäutige Models benachteiligt?