Thomas Hayo: "Eigentlich wollte ich Schornsteinfeger werden!"

Wenn Thomas Hayo nicht gerade mit Heidi Klum und Wolfgang Joop Germany's Next Topmodel sucht, dann arbeitet er als Creative Director (unter anderem für comma). Doch was steckt eigentlich hinter dieser Berufsbezeichnung? Das wollten wir genauer wissen und haben Thomas Hayo zum Interview in München getroffen. Da gab es von ihm nicht nur eine ausführliche Definition seines Jobtitels, er hat uns auch verraten, wie die Zusammenarbeit mit Heidi ist, warum er unbedingt Schornsteinfeger werden wollte und wer seine "Liebe auf den ersten Blick" ist.

Thomas Hayo im Interview

Thomas Hayo ist Creative Director der comma Sommer-Kampagne.

Schon nach kurzer Zeit mit dem Wahl-New-Yorker mit saarländischen Wurzeln war klar: Der ist ja echt super sympathisch! So hat er unserer Autorin auch sofort das Du angeboten. Thomas Hayo ist seit mehreren Saisons Creative Director von comma und hat auch die neue Sommer-Kampagne des Labels umgesetzt. Im Interview erzählt er uns mehr über seine Arbeit, seine Inspiration, seine Wahl-Heimat New York und natürlich seinen Juror-Job bei GNTM.

Jolie.de: Du suchst gerade wieder „Germanys next Topmodel“. Was macht für dich eine hübsche Frau zu einem Model?
Thomas: Eine schöne Frau zu sein reicht nicht. Model ist ein Beruf, der sich vor der Kamera abspielt oder auf dem Laufsteg. Das heißt, man muss in der Lage sein, sich selbst und die Sachen, die man präsentiert, zu inszenieren. Man darf nicht vergessen, es geht um ein Geschäft und du verkaufst Produkte oder Kollektionen. Du musst eine Faszination ausstrahlen und herausstechen. Das unterscheidet ein wunderschönes Mädchen von einem Model und auch nochmal ein Topmodel von einem normalen Model.

Jolie.de: Heidi Klum, Wolfgang Joop und Thomas Hayo - da treffen drei starke Persönlichkeiten aufeinander. Wie funktioniert das?
Thomas: Die Zusammenarbeit funktioniert super. Klar, wir haben alle unseren eigenen Kopf und wir haben auch kein Problem damit, unsere eigene Meinung zu sagen und versuchen diese durchzusetzen. Wir sind mittlerweile alle gute Freunde und super Kollegen. Da wird natürlich geneckt, diskutiert und gerangelt, aber die Stimmung ist immer positiv. Für mich ist es in dieser Konstellation eine Traumbesetzung, weil wir so unterschiedlich sind und in anderen Dingen aber auch wieder sehr ähnlich. Und ich glaube, der Show hilft es auch ungemein, dass man drei starke Persönlichkeiten hat.

Jolie.de: Seit 2011 kennt man dich als Juror bei „Germanys next Topmodel“. Hauptberuflich arbeitest du aber als Creative Director. Was genau steckt eigentlich hinter dieser Berufsbezeichnung?
Thomas: Der Begriff ist inzwischen überstrapaziert. Jeder ist heute ein Creative Director für irgendetwas. Bei dem Job, den ich mache, geht es um die Konzeption und Realisation von großen Werbekampagnen. Das heißt, alles vom weißen Blatt Papier bis hin zur fertigen Anzeige oder Fernsehspot. Ich muss entscheiden, welcher Fotograf oder Regisseur zum Kunden und dem Konzept passen, welches Team wir in Sachen Styling, Hair & Make-up zusammenstellen und letztendlich natürlich auch die Models oder Schauspieler auswählen.

Jolie.de: Wie kann man sich einen typischen Arbeitsalltag von Thomas Hayo vorstellen?
Thomas: Das Schöne an meinen Job ist, dass es diesen typischen Arbeitsalltag nicht gibt. Jeder Tag ist anders. Jedes Projekt ist anders. Natürlich gibt es Kunden, Fotografen oder Regisseure mit denen man öfters zusammenarbeitet. Es ist eigentlich nie langweilig und bleibt immer spannend.

Thomas Hayo am Set der comma Sommer-Kampagne.

Jolie.de: Du hast Visuelle Kommunikation studiert. War das dein großer Traum?
Thomas: Als ich klein war, wollte ich Schornsteinfeger werden. Ich glaube, weil die so coole, schwarze Outfits anhatten. Dann wollte ich Bäcker werden, weil ich den Teig immer so gerne genascht habe. Als ich erfahren habe, wie früh die aufstehen müssen, war es mit dem Karrieretraum auch zu Ende. Dann dachte ich, dass ich Medizin studiere, weil mein Papa bei uns im Dorf Arzt war. Später hatte ich auch einen Medizinstudienplatz , ich habe mich letztlich aber dagegen entschieden.
Ich hatte das große Glück, einen älteren Bruder zu haben, der mich darauf hingewiesen hat, dass das, was mir in jungen Jahren sehr viel Spaß gemacht hat, also Bilder malen, Schriften und Poster entwerfen, auch ein Beruf ist, den man studieren kann. Daraufhin habe ich mich informiert und einen für mich idealen Studiengang gefunden, Visuelle Kommunikation mit den Schwerpunkten Grafikdesign, Fotografie und Film.

Jolie.de: Für ein Praktikum bei J. Walter Thompson bist du 1993 nach New York gegangen, wo du auch heute noch lebst. Warum New York und nicht Mailand, Paris oder London?
Thomas: Ich wollte auf jeden Fall international Erfahrung sammeln. Ich war schon immer ein totaler Fan von Amerika und vor allem fasziniert von New York, obwohl ich da vor meinem Praktikum noch nie war. Ich ging für ursprünglich sechs Monate nach New York, aber das war wirklich Liebe auf den ersten Blick. Ich fand diese Stadt so faszinierend. Ich habe mich von Anfang an heimisch gefühlt und hatte dann das große Glück, dass es im Praktikum so super lief und sie mir nach zwei Monaten schon einen festen Job angeboten haben. Und jetzt lebe ich 22 Jahre dort.

Jolie.de: Was macht für dich diese Liebe zu New York aus?
Thomas: Die Menschen! Das ist, was diese Stadt wirklich von allen anderen unterscheidet. New York ist eine Stadt, wo Menschen aus aller Herren Ländern und verschiedenen Backgrounds zusammen kommen und zusammen leben. Egal woher du kommst, egal wie du aussiehst und egal wie gut oder schlecht dein Englisch ist, du bist gleich ein Teil der Stadt und du bist gleich integriert. Und du hast eine Chance, egal was deine Geschichte ist.

Jolie.de: Als Creative Director braucht man immer wieder neue, kreative Ideen. Wo findest du deine Inspiration?
Thomas: Während ich in einem Straßencafé in meiner Neighbourhood sitze. Das Faszinierende an New York ist, dass du immer wieder Dinge erlebst, die du so nicht geplant hast. Du läufst die Straße herunter und plötzlich ist da eine tolle neue Galerie, die gerade erst eröffnet hat. Du siehst einen Streetperformer, ein super cooles Graffiti oder jemanden mit einem ganz verrückten Style. Das sind die Dinge, die mich persönlich beeindrucken und inspirieren.

Jolie.de: Hattest du schon mal das Gefühl, dir fällt einfach nichts Neues mehr ein?
Thomas: Man kommt schon des Öfteren an so einen Punkt. Das Schwierige ist, dass der Job eines Kreativen an Zeit, Deadlines und Budgets gebunden ist. Du musst auf Knopfdruck kreativ sein. Da kommt es schon vor, dass dir gerade nicht das einfällt, was du möchtest oder du damit nicht zufrieden bist. Die große Kunst ist es, wenn du einen kreativen Job hast, dass du es schaffst unter Zeitdruck kreativ zu sein.

Das deutsche Model Charlene Högger stand für comma casual identity vor der Kamera.

Jolie.de: Du hast mit Karmen Pedaru und Charlene Högger gearbeitet. Was macht die beiden zum perfekten comma bzw. comma casual identity Gesicht?
Thomas: Charlene war das perfekte Gesicht für comma casual identity, weil sie jemand ist, der diesen jugendlichen Spirit rüberbringt und gleichzeitig auch sehr sophisticated und classy aussehen kann. Für mich war es wichtig, dass es beides Mädchen sind, die Geschichten erzählen können.

Karmen Pedaru ist das Gesicht der comma Sommer-Kampagne.

Und Karmen Pedaru ist ein absolutes, internationales Topmodel, die die Kleider unheimlich gut versteht. Ich habe schon mit vielen Models zusammengearbeitet und sie ist eine der Top Ten in Sachen Bewegung.

Karmen Pedaru und Thomas Hayo am Set.

Jolie.de: Hat man als Creative Director eine Lieblingskampagne?
Thomas: Eigentlich ist immer die nächste Kampagne die spannendste und die, auf die du am meisten Lust hast. Für mich persönlich sind die Kampagnen für gemeinnützige Zwecke diejenigen, an die ich mich am liebsten erinnere. Ich habe viele Kampagnen gemacht für Partnership for a Drug Free America, das Amerikanische Rote Kreuz oder Feeding Children Better. Mir war wichtig, dass ich neben meiner Arbeit für kommerzielle Kunden auch Sachen mache, die pro bono sind. Das waren unheimlich tolle Erfahrungen und das sind die Sachen, die auch jetzt im Nachhinein noch am engsten an meinem Herzen sind.

Jolie.de: Vielen Dank für das Interview!
Thomas: Vielen Dank dir!