Logomania: Warum Logos gerade ein Comeback feiern

- 90er Jahre Nostalgie? Check. Instagram-freundlich? Check. Doch springen Luxusmarken vor allem auf den Logo-Trend auf, um ihre Preise in einer Welt zu rechtfertigen, in der sich die Verbraucher vorwiegend nach banaler Kleidung sehnen? Wir sind dem Trend auf den Grund gegangen.

Logo Streetstyle

Logos bleiben 2018 in der Mode allgegenwärtig

Die Botschaft für die nächste Saison ist klar: Logos sind gekommen, um zu bleiben! Wieder einmal sehen wir Markennamen plakativ und überall. Beispiele finden wir neben den großen Streetwear-Marken wie Fila und Levis auch bei den großen Designer-Marken. Understatement war gestern – es ist wieder Zeit für den Maximalismus! Versace beispielweise schmückt Kleidungsstücke mit dem verschnörkelten Namen des Hauses. Das französische Traditionshaus Valentino geht es minimalistischer, aber keineswegs diskreter an – das neue VLTN-Logo ziert großflächig Taschen, Pullover und Jacken.

Diese gegenwärtige Welle der plakativen "Logomania“ begann vor knapp drei Jahren – und hält sich bis heute hartnäckig. Zeit, sich zu Fragen, warum wir Logoelemente überhaupt brauchen-  und warum sie wieder da sind?! 

Logos als nostalgische Rückbesinnung

Ganz klar, die heutige Allgegenwärtigkeit von Logos ist Teil einer andauernden Retro-Bewegung - ein Flashback zur Logo-Besessenheit der 80er und 90er Jahre. Denken wir an die Tommy Hilfiger Crop-Tops und Sweater, die in Sachen Markenzeichen-Overload eher ein Wegweiser als ein tatsächliches Kleidungsstück waren.

Das Logo? Eine Antithese zur Hippie-Bewegung der Eltern. Logos sind Sinnbilder des Kleidungsstils einer kapitalistischen Welt.  Einer Welt, die Erfolg und Status über alles andere stellt (und nichts sagt "Erfolg" besser als ein Set CK-Unterwäsche, wie wir aktuell wieder bei den Kardashian-Jenners sehen können).

Dass Logos nun zurück sind ist ganz klar ein Zeichen von Nostalgie. Eine schwebende Erinnerung, die uns in eine Zeit vor Trump zurückversetzen kann, in eine Zeit, an der die Welt noch irgendwie in Ordnung war.

Social Media Marketing? Na, Logo!

In heutigen Zeiten werden Trends auf Social Media gemacht. Logos haben heute somit eine zusätzliche Rolle in der virtuellen Welt – sie sind wahnsinnig gut für Instagram. In einer Zeit, in der soziale Netzwerke eine dominante Form der Kommunikation darstellen und ein gutes Bild mehr wert ist als jeder Text, sind Logos eine ausgezeichnete Möglichkeit, ein Produkt, ein Gefühl oder auch Status erkennbar zu machen. Instagram ist inzwischen eine effektive Marketingplattform – ideal für Marken, sich durch Logos zu platzieren, Wünsche und Sehnsüchte in den Nutzern hervorzurufen. Ein T-Shirt mit Logo-Druck kann man sich als "Normalo“ noch eher leisten als eine Handtasche oder gar ein Couture-Stück des Labels. Die kleinen Stücke einer Luxusbrand? Im Nu ausverkauft!

Zur Freude der Käufer ist Logomania nun wieder überall präsent und bietet einfache, generische und leicht zu tragende Kleidungsstücke an, die neue Ideen durch den Namen oder das Symbol einer bekannten Marke ersetzen. Gucci und Diesel konnten ihre beliebten Logo-T-Shirts wiederbeleben indem sie unter anderem mit dem Fake-Markt spielen – und Shirts mit "Guccy" und "Deisel"-Logos auf den Markt bringen, streng limitiert natürlich! Die Reaktionen: Instagram flippt aus, die Marken sind in aller Munde – und die günstig produzierte Ware mit Designer-Tag ist sofort ausverkauft.

Branding bis zur Überspitzung

Mitbegründet wurde der Trend unter anderem von Demna Gvasalia, Gründer des Kult-Neo-Hipster-Labels Vetements - der mit dem sarkastischen Branding von allem, was nicht bei drei auf den Bäumen war, begann – denken wir z.B. an sein berühmtes DHL-Shirt. Seine raffinierten Streetwear-Designs zeigt er nun auch beim französischen Traditionshaus Balenciaga. Obwohl die beiden Marken historisch gesehen nichts gemein haben - Balenciaga war bekannt für seine überkomplexen Couture-Kreationen - teilen sie sich nun einige ähnliche trendige Designs wie Sweatshirts und Caps. Die Prints? "Balenciaga"!

In gewisser Weise scheint es wahrhaft ironisch: Was vor einem Jahrzehnt als Streben nach qualitativer, minimalistischer Kleidung mit weniger Marketing begann, ist mittlerweile weltweit zum absoluten Gegenteil umgeschlagen. Je größer das Logo, desto größer die Außenwirkung – und desto Größer die Gewinnspanne für die Labels!