Green Glamour

- Spätestens seitdem in jeder größeren deutschen Fußgängerzone ein hipper Store des ökologisch korrekten amerikanischen Modelabels American Apparel steht, hat es auch die Masse begriffen: Ökomode ist sexy! Die Zeiten, als sich moralisch vertretbare Kleidung an Müslipullovern und unförmigen Sackkleidern orientierte, sind lange vorbei.

Um einiges schicker als eine flattrige Plastiktüte! (Bild: Colourpress)

Um einiges schicker als eine flattrige Plastiktüte! (Bild: Colourpress)

Angesagte Fashionlabels wie die dänische Marke "Noir" des ehemaligen Brandmanagers Levi’s Red und Levi’s Vintage, Peter Ingwersen, sind so sexy, dass einem die Luft wegbleibt. Stars wie Brad Pitt und David Beckham reißen sich um die perfekt geschnittenen Ökojeans des New Yorker Luxuslabels "Prps" (sprich: Purpose) und auch die Schuhe von "Terra Plana" aus Produktionsabfällen der Autoindustrie sehen alles andere als langweilig aus.

Als Designerin Stella McCartney sich vor sechs Jahren weigerte, Pelz und Leder in ihren Kollektionen zu verarbeiten, wurde sie noch spöttisch belächelt. Heute gilt die Britin, die ihren Londoner Flagshipstore mit Windenergie versorgt, als Vorreiterin eines neuen Bewusstseins. Verantwortung ist in. Man interessiert sich plötzlich für die Produktionsbedingungen, die Zustände in den Textilfabriken und Kinderarbeit. Das Umweltbewusstsein steigt in Zeiten von deutlich spürbaren Klimaveränderungen und Energiekrisen deutlich. Hollywood-Lieblinge wie Leonardo DiCaprio und George Clooney fahren umweltverträglichere Hybrid-Autos, Colette - Paris’ Trendshop Nummer eins - verkauft Kleidung des Dritte-Welt-Projekts "Misericordia" und U2-Frontmann und ewiger Gutmensch Bono hat selbstverständlich auch schon ein Ökolabel gestartet: "Edun". Als die englische Supermarktkette Sainsbury’s im Frühjahr diesen Jahres einen von Designerin Anya Hindmarch gestalteten, wiederverwendbaren Einkaufsbeutel an seine Kunden verteilte, ließen sich die Promis gleich in Scharen demonstrativ mit der stylishen Biobaumwolltasche mit der Aufschrift "I’m Not A Plastic Bag" knipsen.

Doch ethisch korrekte Mode hat ihren Preis: Ein Trägertop aus hochwertigem Ökoleinen von "Stewart + Brown" kostet 110 Euro und eine Jeans des holländischen Ökolabels "Kuyichi" schlägt reißt mit 120 Euro gleich ein größeres Loch in’s Portemonnaie. Biojeans von Replay und Levi’s bewegen sich in ähnlichen Höhen. Abhilfe schafft hier der Vorreiter "American Apparel", der mit unendlichen T-Shirt-Variationen und den Must-Have-Leggings dieses Jahres beweist, dass Verantwortung echt sexy ist und nicht immer teuer sein muss. Nachdem die erste Ökokollektion des schwedischen Modehauses "H&M" design- und verkaufstechnisch ein Flop war, hängt heute lässiger Casual Chic aus Ökobaumwolle in den Läden. Die garantiert sweatshopfrei hergestellte Röhrenjeans kostet hier nur 50 Euro. Auch der Versandhandel "Otto" ist auf den Zug aufgesprungen und hat die Linie "Pure Wear" in seinen Katalog aufgenommen.

Diese Öko-Stars machen's vor

Der Wunsch nach ökologisch vertretbarer und modischer Kleidung scheint nur eine direkte Konsequenz zu dem allgemeinen Trend, bewusst und verantwortungsvoll zu konsumieren. Ob es um Pflege oder Nahrungsmittel geht: Großzügige Bioläden sprießen auf den Einkaufsstraßen und bieten ein ungleich angenehmeres Shopping-Ambiente als die piefigen Reformhäuser, in denen es immer seltsam riecht. Zu den Naturkosmetik-Klassikern wie Dr. Hauschka, Origins oder Body Shop gesellen sich neue und exklusive Marken wie "Druide" aus Kanada und "The Organic Pharmacy" aus London, die in hübsch designten Verpackungen angeboten werden. Es war nie einfacher, Luxus verantwortungsbewusst zu zelebrieren!