#metoo: Was Männer jetzt tun können

- Tausende von Frauen berichten auf Twitter unter dem Hashtag #metoo von den großen und kleinen Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen. Jeder Mann sollte sich eine Frage stellen: Kann eine Frau mir vertrauen? Wirklich?

Hashtag #metoo

Hollywood-Star Alyssa Milano hat den Hashtag #metoo ins Leben gerufen - und damit eine Sintflut an Kommentaren zu sexuellen Übergriffen gegen Frauen ausgelöst!

Skandal um Harvey Weinstein

Filmmogul Harvey Weinstein muss sich nach Dekaden des sexuellen Missbrauchs an Frauen für seine Taten verantworten und die Empörung ist groß. Dieses Schwein! Wie konnte er so lange ungehindert Frauen sexuell belästigen? Und alle haben geschwiegen!! Warum hat denn niemand was gesagt, Hollywoods Medien nie über das berichtet, was die ganze Branche wusste? Mitwisser! Mittäter!

Und als Frau kann ich ob des öffentlichkeitswirksamen Aufschreis über den systematischen Missbrauch in einem namhaften und hochprofessionellen Umfeld nur müde lächeln: Denkt da wirklich einer, das ist ein Einzelfall?

Frauen und Alltagssexismus

Ich schlage folgendes Sozialexperiment vor: Fragt mal eine Gruppe von Frauen, wie viele von ihnen jemals in ihrem Leben gegen ihren Willen von einem Mann angefasst wurden. Die Chancen stehen gut, dass mindestens jede zweite von einem Vorfall berichten kann. Der schnelle Grabscher an den Busen als lustige Mutprobe von Halbstarken high auf Teenager-Testosteron. Der entschlossene Griff eines Fremden zwischen die Beine, als man sich runterbeugt, um sein Fahrrad abzuschließen. Der so gerne heruntergespielte Klaps auf den Po auf der Bürofeier.

Wer Frauen dann fragt, wie oft sie schon mal von Männern sexuell belästigt worden sind, werden die Geschichten mehr. Da ist von Berührungen die Rede, die auf den ersten Blick freundlich und kollegial wirken, aber diese ein, zwei Sekunden zu lang dauern. Berührungen, die an Körperstellen wandern, wo sie in einem professionellen Umfeld definitiv nicht erwünscht sind. Das ist der eine Schritt zu nah in den eigenen Tanzbereich, der langsame Blick von oben nach unten am Körper entlang.

Alyssa Milano - #metoo

Unter dem von Hollywood-Star Alyssa Milano ins Leben gerufene Hashtag #metoo berichten Tausende von Frauen von Erlebnissen sexueller Gewalt, viele Fälle davon unter den Teppich gekehrt, weil sie es als Bagatell-Delikte nie zur Anzeige bringen könnten. Das schlimme Fazit aus stundenlangem Runterscrollen von Tausenden Tweets mit dem Hashtag #metoo: Körperliche Übergriffe sind Alltag für Frauen und sie können überall passieren. Schlimmer noch: Die Täter sind in der Mehrheit nicht Fremde, die nachts aus einem Gebüsch springen, sondern Männer in unserem unmittelbaren Umfeld. Im Bekanntenkreis, in der Arbeit, in der Familie. Und nicht immer ist ein Akt der sexuellen Gewalt ein körperlicher: Noch viel häufiger ist es der nonchalante verbale Sexismus, der für Frauen nicht nur ein abwertendes, sondern ein unangenehmes und bedrohliches Klima schafft. Gerne gefolgt von „Verstehst du jetzt gar keinen Spaß mehr, oder was?“, wenn Frau sich eine Reaktion abseits von Lachen erlaubt.

 

Viele Männer reagieren betroffen auf die Masse an Berichten sexueller Übergriffe auf Twitter, beteuern, das Ausmaß nicht gekannt zu haben. Das mag vielleicht sogar richtig sein, ein Amalgam aus Ignoranz, unterschiedlichen Wahrnehmung und womöglich auch einer „Männer, halt“-Kultur, die immer noch einen virilen Chauvinismus abfeiert.

Was können Männer tun, um signifikant etwas zu ändern?

- Damit aufhören, sexistische Witze machen und dann Sachen sagen wie: „War doch nur’n Spaß, mach dich mal locker!“ Nein, eine Frau ist keine frigide Spaßbremse, weil sie einen für Frauen verletzenden Kommentar ignoriert. Es gibt kein Menschenrecht darauf, ganze Bevölkerungsgruppen zu beleidigen.

- Reagieren, wenn ein anderer Mann sexistische Witze oder Kommentare macht. Mit Sicherheit unpopulär, aber vielleicht verstehen es Männer besser, wenn sie mit frauenfeindlichen Bemerkungen in der eigenen Zielgruppe nicht mehr ankommen.

- Misogyne Sprache aus dem Vokabular verbannen, die für Frauen eine abwertende Atmosphäre schafft. Hört sich geschwollen an, ist aber der dahingesagte Kommentar, dass die eine Frau in der Supermarktschlange aussieht, wie eine „russische Nutte“.

- Keine Entschuldigungen mehr für Täter finden: „Mei, der war halt ein bissl betrunken“, „So sind Männer nunmal“ oder „So wie die angezogen war, wollte die das doch“.

- Sexuelle Übergriffe nicht mehr verharmlosen: „Das war doch nur ein harmloser Klaps auf den Po..“, „Ist es wirklich nötig, dass man Grabschen anzeigen kann? Ist doch keine echte Vergewaltigung!!“ Alles, was die Körper-Autonomie einer anderen Person verletzt, ist NICHT OK.

- Sich mal bewusst machen, wie Frauen unter Männern grundsätzlich in „Würde ich ficken/Würde ich nicht ficken“ eingeteilt werden

- Aufhören, Frauen, die etwas sagen, auf einer sexuellen Ebene zu diskreditieren: „Ugh, die ist so ne frigide Feministin, bleib bloß weg von der!“ „Die muss einfach mal ordentlich durchgenudelt werden!“ „So wie die redet, fickt die keiner!“

- Es akzeptieren, wenn eine Frau sagt, eine Situation war für sie unangenehm und bedrohlich. Wie der Mann dieselbe Situation erlebt hat, ist praktisch irrelevant. Mikro-Aggressionen sind Aggressionen.

- Begreifen, dass Feminismus und die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht darauf abzielt, Männern etwas wegzunehmen.

 

Das ist nur die Spitze des Eisbergs von dem, was sich ändern muss, damit die alltägliche Gewalt gegen Frauen auf körperlicher und verbaler Ebene ein Ende hat.