Wann klammern Frauen eigentlich zu viel?

- Ich war mal, das ist jetzt einige Jahre her, so verliebt in eine Frau, dass ich sie wenige Wochen nach dem Kennenlernen heiratete. Es hatte sich einfach richtig angefühlt. So wie sich Beziehungen immer richtig anfühlen, wenn sie ganz frisch sind. Und dann, einige Wochen später, sagte die Frau: "Du kannst mich ja nicht mehr verlassen, weil wir jetzt verheiratet sind."

Huch, wie aufmerksam: Du hast mein Herz in deiner Hand und lässt es niiiiiiiiiiie mehr los.

Huch, wie aufmerksam: Du hast mein Herz in deiner Hand und lässt es niiiiiiiiiiie mehr los.

Ich habe diesen Satz bis heute nicht vergessen, ich weiß, dass er an einem sonnigen Apriltag fiel, in der Mittagszeit auf dem Weg zurück vom Supermarkt. "Du kannst mich ja nicht mehr verlassen, weil wir jetzt verheiratet sind." Ich lachte darüber: "Haha. Sehr süß, wie du das sagst." Aber ich spürte in diesem Moment auch, dass ich nicht lange verheiratet bleiben würde. Ich war festgeklammert. So fest, dass ich nicht mehr atmen konnte.

Über Kletten und Klammern kann jeder Mann tausend und eine Geschichte erzählen. Meistens geht’s darin um heimlich gelesene Nachrichten auf dem Handy. Um Eifersuchtsanfälle, wenn man mal alleine weggeht. Um das Verschwinden alter Freunde, weil man zum Kuscheln an die Couch gefesselt wird. Das sind wahnsinnig traurige Geschichten, jaja. Aber: "Selbst schuld!" Wer sich "aus Liebe" kasteit, tritt der Liebe in den Arsch. Weil er sie mit Bequemlichkeit verwechselt.

Zack. Bum. Aus. Das wäre die einzige richtige Lösung, wenn's so klar ist. Wenn man zum Lebensmittelpunkt ernannt wird. Ganz alleine die Verantwortung für das Glück der Anderen übernehmen soll, für das Leben der Anderen. Das kann kein Mann schultern.

Meistens freilich ist es gar nicht so klar. Nicht sofort. Bei meiner Ex-Frau war es dieser Satz. Später kamen dann Vorwürfe dazu, dass ich mich nicht (oft genug) meldete, während ihres vierwöchigen Auslandsaufenthaltes und eine umgehende Entschuldigung, weil sie eine E-Mail übersehen hatte. Ein halbes Sorry, weil es ja nur eine E-Mail war. Und sie jeden Tag drei Mal in ihrem Postfach nachschaute. Mindestens. Ich war nur zehn Monate verheiratet.

Ich hatte auch mal ein Freundin, die hörte auf einmal nur noch die Musik, die ich gut fand. Das wollte ich gar nicht, ich fand es sehr unangenehm, plötzlich bei ihr nur noch die CDs zu finden, die ich auch besaß. Ich hatte gehofft, ich könnte ihr mal dabei zusehen, wie sie zu Songs tanzt, die sie selber gut findet.

Klar, offen sein für Neues, gehört zu jeder Beziehung. Aber das eigene Selbstwertgefühl behalten eben auch. Und den Musikgeschmack.

Zack. Bum. Aus.

Übrigens kennt meine Freundin all diese Geschichten. Aber sie war auch vorher schon keine Klette.

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