Warum sind Männer eigentlich solche Memmen, wenn sie einen Schnupfen haben?

Ich verrate jetzt mal ein Geheimnis: Gäbe es einen Wettbewerb "Schöner leiden" – den würde meine Freundin gewinnen. Ich bin anders, als all die Subjekte vergnüglichen Herbst- und Wintersmalltalks gar keine Memme. Auch nicht, wenn ich einen Schnupfen habe. Und noch was: Ich gehe gern zum Arzt, zumindest, wenn ich richtig krank bin. Das mache ich auch viel häufiger als meine Freundin, die mir in Krankheitsdingen netterweise all die Handlungsklischees abnimmt, zu denen ich als Mann sonst verpflichtet wäre. Also muss ich mich bei der kleinsten Erkältung nicht aufführen wie ein sterbender Schwan und mich auch nicht weigern, bei schlimmeren Symptomen zum Arzt zu gehen.

Ja, ist denn schon wieder Fasching? Da hat sich doch ein echter Kerl als Jammerlappen verkleidet. Nur weil die Nase läuft.

Ja, ist denn schon wieder Fasching? Da hat sich doch ein echter Kerl als Jammerlappen verkleidet. Nur weil die Nase läuft.

Dass ich mich in Gesundheitsdingen, abgesehen von ein paar kleinen Lastern, dann doch recht vernünftig verhalte, liegt wahrscheinlich daran, dass mir gesellschaftlich sanktionierte Geschlechterspezifikationen ziemlich einerlei sind. "Starkes" Geschlecht? Wenn das bedeutet, Angst vorm Arzt zu haben, nur weil der mal kurz die Prostata checken will oder beim kleinsten Schnupfen jammern zu müssen, dann bin ich lieber nicht stark.

Dabei dürfte ich es aus evolutionärer Sicht sogar. Männerschnupfen, so sagt es die Wissenschaft, sind nämlich echt fies. Auch weil unser Immunsystem nicht so auf Zack ist, wie das der Frauen. Die müssen ja in anderen Umständen gleich zwei Körper vor den Attacken der Viren- und Bakterienarmeen beschützen.

Ich gebe zu: Ich leide durchaus, wenn ich erkältet bin. Wenn die Nase verstopft ist, der Schädel brummt, der Hals kratzt. Krank sein ist Mist. Punkt. Aber deswegen jammern? So schlimm ist es erstens nicht. Und zweitens will ich mir einfach nicht die Blöße geben! Ich weiß, dass ich sonst wochenlang aufgezogen werden würde. Die extra Streicheleinheiten bekomme ich ja trotzdem, und die Hühnerbrühe auch.

Ich glaube, dass die meisten Männer nicht so herrlich leiden, weil sie um ihre biologischen Nachteile wissen, sondern weil sie es einfach genießen, von vorne bis hinten umsorgt zu werden. Und dafür müssen sie nicht mal Blumen mitbringen.

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