Frauen und ihre Diäten: Was Männer darüber denken

Es kommt manchmal vor, dass ich spät am Abend noch einen Text schreibe. Diesen hier zum Beispiel. Meistens sitze ich dann in der Küche. Der Rechner summt, die Kaffeekanne ist voll – und hin und wieder kommt meine Freundin rein. "Sorry", sagt sie dann oft. "Ich habe noch ein Loch im Bauch." Ein paar Minuten später dampft sie wieder ab: Im Kühlschrank ist dann wieder etwas mehr Platz. Ich finde das lässig. Mit Diäten jedenfalls hat meine Freundin nichts am Hut. Und das beruhigt mich.

Schöne Torte. Bloß nicht widerstehen! Die besten Diäten kommen mit viel Sahne.

Schöne Torte. Bloß nicht widerstehen! Die besten Diäten kommen mit viel Sahne.

Natürlich könnten neidische Geister jetzt einwenden: "Sie muss sich ja auch keine Gedanken machen, bei der Figur." Das stimmt schon, mit Diäten muss sie sich nicht beschäftigen. Anders als meine Mutter zum Beispiel. Sie ist eine patente Frau, die aber latent unzufrieden ist, mit ihrem Gewicht.

Was hat sie nicht alles versucht, Herrin ihres Gewichts zu sein. Fitnessstudio. Fahrrad fahren bei Wind und Wetter. Low Carb. No Carb. Trennkost. Nur Fleisch. Kein Fleisch. Irgendwann habe ich den Überblick verloren, auch weil ich - das muss ich zugeben - nicht mehr richtig zugehört habe, wenn sie mir von ihrer neuesten Abnehmmasche berichtete.

Ich wusste ja eh, dass es eine kurze Unternehmung sein würde, nur noch lila Salat zu essen. Und ich fand's sinnlos. Immer wieder einer Phantomfigur hinterher zu hetzen: Das kann doch nicht gesund sein. Das macht schlechte Laune und Hunger.

Außerdem redete meine Mutter im Prinzip von nichts anderen: Zunächst euphorisch, weil die Waage für ein paar Tage freundlich war. Danach eher mit so einem Jammerton, als hätte sich die ganze Welt gegen sie verschworen. Das Abnehmen klappe nicht, sie könne nichts mehr essen, was wirklich schmeckt ... Für mich war das nur am Telefon anstrengend, aber wie muss das nur für meinen Vater gewesen sein?

Als meine Mutter die Lust an Diäten verlor, ging ihre Welt nicht unter. Sie ist, wie sie ist. Und ich liebe sie, wie sie ist. Es hat ein paar Jahre gedauert, aber jetzt steht sie zu ihrem Körper, der übrigens weit davon entfernt ist, die WHO wegen Fettleibigkeit auf den Plan zu rufen. Sie ignoriert mittlerweile die neuesten Diättrends, die etwa 50 Prozent der Seiten einer handelsüblichen Frauenzeitschrift füllen. Sie liest jetzt lieber die andere Hälfte, die mit den ganzen leckeren Rezepten.

Wenn ich darüber nachdenke, sind Frauen im Diätwahn Opfer der Schizophrenie in den Redaktionen. Auf der einen Seite werden sie fit für den Frühling gemacht, auf der nächsten steht die Anleitung für ein italienisches Sahnedessert … Wie soll man da nicht verrückt werden?

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