Hochzeiten: Stress oder Spaß?

- Die Jolie-Kolumnistin Birte Plöger ist inzwischen völlig zufrieden, wenn sie pro Jahr nur auf einer Hochzeit zu tanzen muss. Das schont den Geldbeutel und das Nervenkostüm. In der JOLIE fragt sie sich, seit wann man als Hochzeitsgast nur noch Stress statt Spaß hat und bespricht das vorsichtshalber mal mit ihrer Selbsthilfegruppe. Lest selbst, warum Birte inzwischen ungern auf Hochzeiten geht. Und verratet uns eure Meinung: Karten basteln, Spiele vorbereiten und möglichst kreativ ins Gästebuch schreiben, hat man als Hochzeitsgast eigentlich noch Spaß?

Hochzeit Kolumne Birte

Freud oder Leid? Für Brautjungfern ist die Hochzeit meistens purer Stress.

Was für ein Stress!

Jolie-Kolumnistin Birte Plöger leidet unter einer Tabu-Krankheit: Angor Nuptiae, der Angst vor Hochzeiten. Doch sie will nicht länger schweigen - wie auch die Menschen in ihrer Selbsthilfegruppe.

Hallo, mein Name ist Birte, und ich bin Hochzeitsgastphobikerin. Hallo,Birte! Leute, ich bin so froh, euch zu sehen! Ich dachte immer, ich wäre allein mit meinem Problem. Aber wir sind so viele! Und wir werden immer mehr! (Zustimmendes Gemurmel). Wann hat das eigentlich alles angefangen?

Wann reichte es nicht mehr, auf Trauungen zu gehen und Spass zu haben? Warum wird man plötzlich von verzweifelten Trauzeugen in wöchentlichen Drohmails aufgefordert, Arbeiten fürs Brautpaar zu verrichten? Kochbücher gestalten. Einen launigen Reiseführer schreiben.

Etiketten entwerfen, ausdrucken und auf Weinflaschen kleben. Ich erwarte den Tag, an dem man den Wein erst noch selbst anbauen muss! (Beifall. Ein verhärmter Mann erhebtsich, sichtlich erregt:) Oder noch schlimmer:die unvermeidliche Hochzeitszeitung! Genau! Da wird mir mein Beruf zum Verhängnis, weil es immer heißt: "Aber Birte, das machst du doch mit links, du bist doch Journalistin!" Das Gleiche höre ich dann auf der Hochzeit selbst, wenn ich eine halbe Stunde vor dem Gästebuch rumlungere. Mir fällt da nie was ein! (Eine Frau meldet sich zu Wort:)"Tatsächlich, es ist kaum zu fassen, wie gutdie zwei zusammenpassen. Sie sind, das istuns allen klar, fürwahr ein ideales Paar.Drum jubeln wir aus vollen Kehlen: WelchGlück, dass sie sich heut vermählen." Dasschreib ich immer. (Betretenes Schweigen).

Versteht mich nicht falsch: Hochzeiten sind grossartig! Aber mittlerweile höre ich beim Gang zum Briefkasten immer die Melodie aus Psycho. Bei jeder Einladung fange ich panisch an zu rechnen: Junggesellenabschied – gerne in Prag oder auf Malle. Kleid, Friseur, Babysitter, Präsent, Hotel, Flugkosten, drei Tage Urlaub nehmen ... (Allgemeines Kopfschütteln. Eine Frauin abgetragenen Klamotten flüstert:) MeinRekord liegt bei elf Hochzeiten in einem Jahr,jede davon hat rund 700 Euro gekostet.Das war eigentlich meine Altersvorsorge. Besonders schmerzlich wird´s, wenn du kurz mal das Budget für einen Urlaub auf den Kopp haust und dann noch nicht mal satt wirst. Einmal gab es für jeden Gast fünf Stangen Spargel und drei Kartoffeln. Seitdem bunkere ich immer ein paar Bifi in der Handtasche.

Und dann dieser Druck, was das Entertainment-Programm angeht! Man will ja alles richtig machen. Nicht so wie die Trauzeugen, die das Brautpaar in ein Herz aus Teelichtern setzten und Because of you von Kelly Clarkson abspielten. Ich singe es mal kurz an: "Deinetwegen weiche ich nicht zu weit vom Gehweg ab. Deinetwegen lernte ich, auf der sicheren Seite zu spielen, damit ich nicht verletzt werde. Deinetwegen habe ich Angst ..." "This is not a love song!", dachte ich, sagte aber nichts, ich wollte die romantische Stimmung nicht zerstören.

Und wisst ihr, was das Schlimmste ist? In ein paar Jahren geht die zweite Runde los, weil die sich wahrscheinlich alle wieder scheiden lassen! (Man hört ein unterdrücktes Schluchzen). Okay, Leute, das hat echt gutgetan. Aber mein Flieger geht in ein paar Stunden. Karsten und Dagmar geben sich am Wochenende das Ja- Wort. In Panama. Wünscht mir Glück!