Heroin zum Frühstück: Afghanische Kinder in der Abhängigkeit

Einsatz im Krisengebiet: Paula Bronstein reist als Fotoreporterin der Bildagentur Getty Images in verschiedene Krisengebiete. Für JOLIE berichtet sie exklusiv über ihre Erlebnisse in Afghanistan. Golpari (11) ist eines von 60.000 drogen-abhängigen Kindern in Afghanistan. Ein Report über das Leben am Abgrund

Golpari ist erst 11 - und schon heroinabhängig (Bild: Getty Images)

Golpari ist erst 11 - und schon heroinabhängig (Bild: Getty Images)

Eine Hütte im Slum von Kabul. Es ist früh am Morgen in der Hauptstadt Afghanistans. Golpari und ihr 14-jähriger Bruder Zaher kauern auf dem Boden. Vor ihnen stehen flache Aluschalen mit einer braunen Flüssigkeit. Die Kinder erhitzen sie mit dem Feuerzeug, inhalieren den aufsteigenden Dampf durch hohle Antennenstücke. Ihre Mutter Sabera sitzt in der Ecke – bereits im Rausch. Hier gibt es keinen Reis zum Frühstück, sondern Heroin. „Medizin und Essen sind in diesem Land Mangelware, aber die Droge kann man in jedem Laden kaufen“, sagt Fotoreporterin Paula Bronstein, die die Bilder dieser Reportage schoss. Ein Süchtiger zahlt im Durchschnitt knapp zwei Euro pro Tag für seine Abhängigkeit.

Ein Spottpreis, der dazu führt, dass hilflose Mütter ihren schreienden Babys Opiumpulver ins Gesicht blasen, um sie beruhigen, wenn sie ihnen nichts zu essen geben können. Auch Golpari bekam die Droge von ihrer Mutter – im Alter von acht Jahren. „Sie hatte furchtbare Schmerzen in den Beinen. Ihre Mutter wusste nicht, was sie sonst tun sollte“, so Paula Bronstein. „Golpari hat mir erzählt, dass damit die Schmerzen verschwanden. Von da an hat sie jeden Tag mehr gebraucht.“ Um sich die Drogen besorgen zu können, ist das Mädchen tagsüber auf den Basaren Kabuls als Taschendiebin unterwegs. Ihre Mutter sitzt als Bettlerin am Straßenrand. „Die Mutter wurde mit 13 Jahren zwangsverheiratet“, berichtet Paula Bronstein über die Geschichte der Familie. „Ihr Mann starb an einem Herzinfarkt. Seitdem muss sie sich allein um die Familie kümmern. Auch sie griff zum ersten Mal zum Heroin, als sie ein verletztes Bein hatte.“

Frauen haben es in Afghanistan nach wie vor schwer. „Sie leben im Schatten, werden von ihren Männern unterdrückt. Schulbildung? Keine Chance. Dabei ist Golpari so ein aufgewecktes Mädchen“, meint Paula Bronstein. „Ich habe ihr Schreib- und Lesebücher mitgebracht. Sie ist wirklich begabt und hat Lust zu lernen.“

Doch die Voraussetzungen dafür sind schwierig in einem Land, das nach über zwei Jahrzehnten Krieg und dem Sturz der Taliban-Regierung im Jahr 2001 immer noch unter Armut und Terror leidet. Haupteinnahmequelle ist der Heroin-Export: Nach Angaben der UNO bringt es Afghanistan auf 92 Prozent der Gesamtweltproduktion.

Im Kampf gegen die Droge macht sich vor allem Großbritannien in der islamischen Republik stark: Die Regierung lässt Detox-Center bauen, darunter das „New Life“ für Frauen. Golpari und ihre Mutter sind bereits angemeldet, Paula Bronstein hat ihnen dabei geholfen. „Die Ärztin dort hat zu Golpari gesagt, dass sie nicht älter als 20 Jahre wird, wenn sie nicht aufhört zu rauchen“, erzählt Paula Bronstein. „Ich hoffe so sehr, dass sie frei von der Droge ist, wenn ich sie das nächste Mal in Afghanistan besuche.“

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