Kommentar: Harvey Weinstein und #MeToo - Männer und ihre Schlappschwänze

- Harvey Weinstein also. Ein Mann, der Filme für die Ewigkeit produzierte, einer der großen Hollywood-Mogule, einer der die Kunst liebt. Und einer, der sich an Frauen vergriff. Seit Jahrzehnten. Der Aufschrei ist groß, endlich. Und man kann Alyssa Milano nicht genug danken für ihren #MeToo-Tweet. Denn er zeigt, das die Welt immer noch voller Arschlöcher ist. Ein Kommentar über Schlappschwänze.

Harvey Weinstein ist nur einer von vielen, die Frauen demütigen. Das zeigen allein die Reaktionen auf Alyssa Milanos #MeToo-Tweet.

Harvey Weinstein ist nur einer von vielen, die Frauen demütigen. Das zeigen allein die Reaktionen auf Alyssa Milanos #MeToo-Tweet.

Was Weinstein tat, gehöre zum "kulturellen Agreement", erklärte mir neulich ein Freund, der sich mit der Film- und Unterhaltungsbranche ziemlich gut auskennt. In meiner ersten Reaktion schüttelte ich ungläubig den Kopf. Die Besetzungscouch als kulturelle Übereinkunft, eine Notwendigkeit gar? Ernsthaft? Das war schon in den frühen Hollywood-Tagen eklig. Dass diese Besetzungscouch im Jahr 2017 immer noch in Produzentenbüros steht: unfassbar.

Aber das wirklich Schlimme ist: Mein Freund hat irgendwie recht. Männern nehmen Frauen immer noch als Objekte wahr. Egal wie liberal sich eine Gesellschaft gibt. Ist sie nicht, da muss man sich nur mal bei Twitter die #MeToo-Antworten an Alyssa Milano ansehen. Da wird einem schlecht, und das ist nur die Spitze eines Eisbergs, dessen Kälte alle Gesellschaftsschichten in allen Ländern lähmt.

Das "kulturelle Agreement", von dem mein Freund sprach, ist eine Übereinkunft der Männer mit sich selbst – eine Übereinkunft von Schlappschwänzen und Arschlöchern. Sie nutzen ihre Macht aus, ihren Status, ihre körperliche Stärke, um Frauen zu demütigen, sexuell zu belästigen, zu vergewaltigen. Es gibt mehr von ihnen als man denkt. Ich fühle mich unwohl bei dem Gedanken und ich schäme mich: Aber in gewisser Weise bin ich selber so ein Arschloch.

Klar, ich habe nie eine Frau angegrabscht, bedrängt oder zu irgendetwas gezwungen. Aber ich habe über sexistische Witze gelacht, mit Kumpels "geile Ärsche" bewundert. Jedes Übel fängt im Kleinen an. Das muss mal klargestellt werden.

Es ist beschämend ist nur, dass immer erst ein medienwirksamer Einzelfall aufgedeckt werden muss. Aber wenn der Fall Weinstein etwas Gutes hat, dann dass die Sexismus-Debatte wieder geführt wird. Nach dem #Aufschrei vor vier Jahren ist es merkwürdig ruhig geworden, ohne dass sich etwas geändert hat. Für die Veränderungen freilich sind wir Männer zuständig. Das hat nicht zuletzt der australische Comedian Benjamin Law erkannt, der bei Twitter unter #HowIWillChange Männer dazu aufruft, endlich mal einen Arsch in der Hose zu haben!

Was Männer jetzt ändern können? Sehr viel, das hat meine Kollegin hier ziemlich gut auf den Punkt gebracht: #metoo: Was Männer jetzt tun können. Ich selbst finde sexistische Witze schon länger nicht mehr lustig, auch "geile Ärsche" bewundere ich nicht mehr. Ich reduziere Frauen nicht auf ihr Aussehen, sage laut, wenn sich mal wieder Freunde, Bekannte, Kollegen als "Wir Männer sind halt so" benehmen. Wir Männer müssen nicht so sein!