Die zehn fiesesten Fangfragen im Vorstellungsgespräch

Schwierige, unangenehme Fragen im Vorstellungsgespräch sind gefürchtet. Wer die Frage hinter der Fangfrage erkennt und in jeder Situation ruhig, höflich und selbstsicher bleibt, hat gute Karten. Denn dahinter steckt ein Stresstest, mit denen Personaler und angehende Chefs hinter die hübsche "Fassade" eurer Bewerbung schauen und eure spontane Reaktion checken wollen. Wir haben für euch die zehn fiesesten Fangfragen in Vorstellungsgesprächen und die besten Antworten und Taktiken zusammengestellt.

Vorstellungsgespräch Fragen
Fangfragen im Vorstellungsgespräch
  • "Wie sieht Ihre Familienplanung aus?"

    Ob ihr euch Kinder wünscht, schwanger seid oder heiraten wollt, ist eure Privatsache. Auch Fragen nach eurer Religion, Krankheiten oder Behinderungen sind in Vorstellungsgesprächen schlicht und ergreifend nicht erlaubt. In der Praxis bedeutet das: Ihr müsst darauf nicht antworten und wenn ihr es tut, müsst ihr nicht die Wahrheit sagen. Bei Fangfragen, die eure Privatsphäre betreffen, dürft ihr flunkern, ohne rot zu werden.

  • " Was sind Ihre Stärken und Schwächen?"

    Der erste Teil hört sich einfach an, aber auch bei dieser Fangfrage könnt ihr Fehler machen. Rasselt nicht zehn Stärken runter wie die Einkaufsliste für den Supermarkt. Konzentriert euch auf zwei oder drei Stärken, die ihr mit Beispielen belegt. Die sollten eure fachliche und soziale Kompetenz zeigen und natürlich auf den Job passen. Die Fangfrage nach den Schwächen ist wirklich fies, denn natürlich freut sich euer potenzieller Chef nicht darüber, wenn ihr zugebt, dass ihr gerne mal unpünktlich seid oder nicht mit Kritik umgehen könnt. In Bewerbungsratgebern lest ihr oft zwei Tipps: Eine lustige Schwäche nennen – zum Beispiel "Schokolade" – oder eine Stärke als Schwäche verkaufen. Kann funktionieren, muss aber nicht. Bewerbungs-Coachs raten: Schwäche zeigen, ist Stärke zeigen. Nennt eine echte Schwäche (zum Beispiel "Ich bin zu ungeduldig" …), zeigt mit eurer Antwort aber auch, wie ihr mit ihr umgeht und dass ihr selbstkritisch seid. Schwächen, die ein K.O.-Kriterium für euren Job sind, sind natürlich tabu. Es gibt einige Variationen dieser beliebten Fangfrage im Vorstellungsgespräch, zum Beispiel: "Wie würden Ihre Freunde/Ihre Familie Sie beschreiben?" Dann bitte schön positiv bleiben.

  • "Warum wollen Sie Ihren Arbeitgeber wechseln?"

    "Weil mein Chef ein übler Choleriker ist, der unsere Abteilung kaputt macht. Das wollte ich mir nicht länger antun!" Auweia! Wer so antwortet, ist mit beiden Beinen in die Falle der Fangfrage getappt. Im Vorstellungsgespräch hat Kritik an eurer ehemaligen Firma nichts zu suchen – egal, wie berechtigt sie sein mag. Der Personaler will sehen, wie loyal ihr eurem Arbeitgeber gegenüber seid – und das kann schon morgen seine Firma sein. Aus so einer Antwort könnte er auch schließen, dass ihr Probleme mit Vorgesetzten habt oder die Schuld bei anderen sucht, falls etwas schief läuft. Eine gute Antwort beginnt mit – "Ich schätze Firma XY. Hier habe ich wichtige berufliche Erfahrungen gesammelt …" –, dann leitet ihr dazu über, was ihr euch von der Arbeit im neuen Unternehmen versprecht.

  • " Warum sollten wir gerade Sie einstellen?"

    Noch fieser ist diese Fangfrage, wenn der Personaler den Satz „Sie haben mich noch nicht überzeugt“ hinterher schiebt. Eine echte Stressfrage, bei der der Personaler sehen will, ob ihr euch aus der Ruhe bringen lasst. Am besten reagiert ihr darauf, wenn ihr noch einmal kurz und treffend eure Stärken und Fähigkeiten zusammenfasst, die euch für den Job qualifizieren, und zum Abschluss betont, dass ihr gerne für das Unternehmen arbeiten würdet

  • "Wie stehen Sie zu Überstunden?"

    Die so harmlos klingende Frage hat es in sich. So mancher Bewerber antwortet, dass Überstunden kein Problem sind, weil er denkt, dass der potenzielle Chef genau das hören will. Die Gefahr: Wer zugibt, in seinem bisherigen Job, viele Überstunden zu machen, kann den Eindruck erwecken, dass er mit seiner Zeit nicht klarkommt. Besser ist es, wenn ihr klarmacht, dass ihr flexibel seid, wenn es irgendwo brennt, eure Aufgaben bisher aber in angemessener Zeit geschafft habt.

  • "Bewerten Sie sich selbst auf einer Skala von Eins bis Zehn!"

    Nein, Bescheidenheit ist nicht immer eine Zier. Bei dieser Fangfrage heißt es Selbstbewusstsein zeigen. Schätzt euch auf keinen Fall zu niedrig sein. Immerhin wollt ihr euren potenziellen neuen Chef im Vorstellungsgespräch davon überzeugen, dass ihr die Richtige für den Job seid. Am besten stuft ihr euch bei acht oder neun ein und erklärt eure Einschätzung damit, dass es immer noch Raum für Verbesserunen gibt. Euch selbst eine zehn zu geben, ist keine gute Idee. Wer sich selbst für perfekt hält, bringt den Personaler ins Grübeln: Ist so ein Kandidat kritikfähig oder kann er sich in ein bestehendes Team einfügen? Eher unwahrscheinlich.

  • "Warum haben Sie sich trotz Ihrer mangelnden Qualifikation bei uns beworben?"

    Ihr findet die Frage ist totaler Quatsch? Inhaltlich ist sie das auch. Wenn ihr nicht die gesuchten Qualifikationen für den Job mitbringen würdet, würdet ihr gar nicht im Vorstellungsgespräch sitzen. Auch diese Fangfrage ist eine Stressfrage, die euch provozieren soll. Wer schlagfertig ist, reagiert entsprechend. Auf Nummer sicher geht ihr, wenn ihr noch einmal zusammenfasst, welche Qualifikationen ihr für den Job mitbringt und was ihr für die Firma leisten könnt.

  • "Wie sehen Ihre Gehaltsvorstellungen aus?"

    Endlich eine einfache Frage? Von wegen! Eure Antwort zeigt nicht nur, ob ihr euch in der Branche auskennt, sondern auch wie ihr euch und eure Leistung einschätzt. Die Tipps der Bewerbungs-Coachs sind unterschiedlich: Einige raten eine feste Summe zu nennen, andere empfehlen eine Gehaltsspanne anzugeben. In einem sind sie sich einig: Unrealistisch hohe Gehaltsforderungen zu stellen ist genauso gefährlich, wie sich unter Wert zu verkaufen. Und: Geht auf die Anforderungen der Stelle ein und begründet, warum ihr euren Vorschlag angemessen findet.

  • "Wie gehen Sie mit Kritik um?"

    "Ich freue mich, denn Kritik bringt mich weiter." Okay, es mag die Ausnahme von der Regel geben, aber in 99 von 100 Fällen ist die Antwort eine Notlüge. Und eine ziemlich offensichtliche noch dazu. Die Wahrheit ist: Keiner von uns steht auf Kritik und bricht in Begeisterungsstürme aus, wenn etwas nicht gut lief. Wichtig ist, dass ihr bei dieser Fangfrage im Vorstellungsgespräch zeigt, dass ihr kritikfähig seid und wie ihr mit Kritik umgeht. Gut ist deshalb ein Beispiel, bei dem ihr für eine Sache kritisiert worden seid und diese dann auch verändert habt. Damit zeigt ihr, dass ihr Kritik annehmen und etwas daraus lernen könnt. Oft fragen Personaler auch entsprechend direkt: "Beschreiben Sie eine Situation, in der Ihre Arbeit kritisiert wurde.“

  • "Warum haben Sie sich in unserem Unternehmen beworben?"

    "Weil ich mich auf alle freien Stellen bewerbe" oder "Weil sie gute Gehälter zahlen" sind keine Antworten, die potenzielle Chefs hören wollen. Der ideale Mitarbeiter passt nicht nur auf das Jobprofil, sondern auch zur Firma. Recherchiert und lest vor dem Vorstellungsgespräch so viel wie möglich über das Unternehmen. Die erste Adresse für eure Recherche ist die Firmen-Homepage. Ihr könnt aber auch von der PR-Abteilung Infomaterial anfordern. Bewerber, die gut vorbereitet sind, haben einen Sympathie-Pluspunkt. Außerdem seid ihr gut auf fachliche Fragen vorbereitet und könnt euch schon im Vorfeld Gedanken machen, warum ihr nicht nur gut auf die Stelle, sondern auch in das Unternehmen passt.

Fangfragen im Vorstellungsgespräch können Bewerber ganz schön aus dem Konzept bringen. Und genau deshalb werden sie gestellt. Die Personaler wissen natürlich, wie provozierend diese Fragen sind. Sie stellen sie, um zu testen, wie ihr in Stresssituationen reagiert, ob ihr loyal und selbstbewusst seid oder ob ihr euch in Widersprüche verstrickt. Dabei greifen sie auf gesprächspsychologische Techniken und Tricks zurück, zum Beispiel indem sie unsachlich oder persönlich werden oder eine eurer Aussagen als unglaubhaft darstellen. Wenn ihr euch von den Fangfragen so einschüchtern lasst, dass ihr vor lauter Unsicherheit nervös werdet und kein Wort mehr rauskriegt, habt ihr schnell verloren. Das gilt auch für den umgekehrten Fall: Also dann, wenn ihr euch von der Fangfrage provozieren lasst und aggressiv werdet.

Die beste Taktik ist: gelassen, höflich, souverän und selbstsicher bleiben. Hört sich einfach an, kann aber ganz schön schwer sein, denn verständlicherweise seid ihr beim Vorstellungsgespräch aufgeregt und wollt euch von eurer besten Seite zeigen, um den Job zu bekommen. Am besten begegnet ihr den Fragen im Vorstellungsgespräch, indem ihr euch auf sie vorbereitet. Aber Vorsicht: Auswendig gelernte Antworten erkennen erfahrene Personaler schnell. Denn mal ehrlich: Wer antwortet schon ohne Luft zu holen wie aus der Pistole geschossen, wenn er erst mal nachdenken muss? Kurz nachzudenken ist also okay.

Klar, dass die Experten auch die Antwort-Tipps aus den zahlreichen Bewerbungsratgebern für Vorstellungsgespräche kennen und das große Gähnen kriegen, wenn sie fünfmal hintereinander das Gleiche hören. Besser ist es, wenn ihr eure Schlagfertigkeit trainiert. Bittet eure Freunde sich fiese, provozierende, unangenehme Fragen auszudenken und sie euch zu stellen. Oder übt mit unseren zehn Fangfragen, die euch in Vorstellungsgesprächen begegnen können, spontan und clever zu reagieren.