Warum ich nicht dein "schwuler bester Freund“ sein möchte

Eigentlich muss ich Hollywood und den Medien ja dankbar dafür sein, dass sie den stereotypen schwulen Mann stets als Everyone’s Darling inszenieren. In RomComs und Teenie-Filmen steht er der Protagonistin immer als der "schwule beste Freund“ mit Rat und Tat zur Seite. Der fabelhafte Klischee-Schwule aus Hollywood ist ein echter Sympathieträger, den wirklich jeder liebt … und haben will! Das sollte mir doch eigentlich nichts ausmachen, immerhin werde ich als schwuler Mann dadurch begehrenswert. Doch irgendwie habe ich keine Lust darauf, dein "schwuler bester Freund“ zu sein …

Kurt (Chris Colfer) aus Glee

Kurt, der Quoten-Schwule und typisch GBF (gay best friend) aus der Erfolgsserie Glee.

Warum ich nicht dein "schwuler bester Freund" sein möchte? Das hat viel mit meiner eigenen Identität zu tun. Erstens habe ich ein Problem mit dem Ausdruck "mein schwuler bester Freund“. Ich finde diese Umschreibung besitzergreifend. Wenn du mich als DEINEN "schwulen besten Freund“ vorstellst, raubt mir das meine Eigenständigkeit und meine Identität. Du machst mich damit zu einem Accessoire, einem Add-on zu – naja – dir. Ich will nicht nur dein Arm-Candy sein, mit dem du wie mit deiner neuen It-Bag vor deinen Freundinnen prahlst.

Das ist ungerecht, denn zweitens bin ich in vielerlei Hinsicht eben nicht der schwule Mann aus Hollywood-Filmen, dessen einzige Daseinsberechtigung ist, dass sich die Protagonistin bei mir ausheulen kann und Mode-Tipps holt. Klar, ich erfülle viele Schwulen-Klischees (inklusive Handgelenk), doch ich bin mehr als nur Mode und Schminktipps. Ich bin facettenreich, interessiere mich für viele verschiedene Dinge und möchte nicht auf nur eine Eigenschaft reduziert werden. Das vermittelt anderen Leuten sofort ein vorgefertigtes Bild von mir, ich werde in eine Schublade gesteckt, aus der ich so leicht auch nicht mehr raus komme, da ich oft die Gelegenheit dazu gar nicht mehr bekomme.

Was mich aber am meisten daran stört, wenn du mich als deinen "schwulen besten Freund“ vorstellst, ist, dass ich dadurch sexualisiert werde. Ich weiß, wir leben im 21. Jahrhundert und Homosexualität stört so gut wie niemanden mehr, doch gerade deswegen habe ich ein Problem damit, wenn meine sexuelle Orientierung so sehr zum Thema gemacht wird. Wenn Homosexualität wirklich so normal geworden wäre, müsste sie nicht immer explizit erwähnt werden. Ich gehe mit meiner eigenen Sexualität sehr offen um und schäme mich auch nicht dafür, aber ich möchte selbst entscheiden dürfen, wann ich darüber spreche und vor allem MIT WEM ich darüber sprechen möchte.

Deshalb: lass uns beste Freunde sein – nur nicht schwule beste Freunde. Ich biete dir gerne alles, was du dir von einem schwulen besten Freund erhoffst. Aber respektiere mich genug, dass du mich vor deinen anderen Freunden – und vor dir – nicht in das Klischee des schwulen Hollywood-Mannes drängst.