Warum es cool ist, unbeliebt zu sein

Oder: warum es gut ist, einen eigenen Kopf zu haben.

Girlboss

Everybody's Darling oder passionierte Diskussionspartnerin? Darum ist eure eigene Meinung wichtig!

Okay, sind wir ehrlich: Ich war noch nie das beliebte Mädchen. Ich wurde im Sportunterricht immer als Letzte ins Volleyball-Team gewählt und hatte auch keine Klassensprecher-Ambitionen. Ich habe mich nicht mit dem heißesten Kerl der Schule verabredet oder gar eine lokale Subkultur geführt.

Und auch nach dem Ende der Schulzeit betrachte ich mich immer noch nicht als "populäre Person" im traditionellen Sinne. Denn hinter "populär" steckt für mich vielmehr die Erkenntnis, dass wir nicht immer mit der großen Masse einer Meinung sein müssen, um glücklich und erfolgreich zu sein, oder gar, um persönliche Beziehungen einzugehen.

Was Popularität mit Meinung zu tun hat

Beliebtsein heißt nämlich auch, viele konventionell beliebte Meinungen zu teilen. Geht man allerdings offen mit seinen kontroversen oder polarisierenden Meinungen – und das meine ich jetzt nicht im politischen Sinn um - eckt man in der Gesellschaft gerne einmal an. Hier sind einige Beispiele:

  1. Tiere gehören nicht in menschliche Betten.
  2. Wes-Anderson-Filme (außer Rushmore und Royal Tenenbaums) sind überbewertet und bringen mich in der Regel zum Einschlafen.
  3. Ich hasse mehrtägigen Festivals. Schlafen und essen in Schlamm? Nein, danke!

Jeder Mensch hat seinen eigenen einzigartigen Erfahrungen, Vorurteile und Widersprüche - und hoffentlich – einen eigenen Standpunkt. Einen Standpunkt zu haben ist wichtig, auch wenn dieser Standpunkt vielleicht nicht immer allgemein anerkannt ist.

So kann man sich bei bestimmten Dingen klar auf ein Thema einigen (z.B. den Fakt, lieber keine Tierhaare in den Bettlaken haben zu wollen), während wir bei anderen Themen grundsätzlich verschieden denken (z.B. bei der Frage, ob Burning Man eine Drogen-Orgie in der Wüste oder eine transzendentale spirituelle Erfahrung ist. Auch wenn es "ganz klar auch beides sein kann!")

Sich in den meisten Dingen des Lebens nicht einig zu sein, ist in Ordnung - vorausgesetzt, es schränkt nicht die Freiheit oder die Menschenrechte anderer ein. Problematisch wird es, wenn wir anfangen zu denken, dass wir uns immer auf wirklich alles einigen müssen, um zusammen zu funktionieren, um beliebt zu sein. Dass wir anfangen Dinge gut finden, weil viele sie gut finden.

Die Crux: Viele wirklich beliebte Dinge sind auch kulturell und intellektuell "sicher". Und sichere Meinungen kommen immer gut an. Was schön sein kann. Na klar liebe auch ich ein perfekt geschnittenes weißes T-Shirt und Jeans, bewundere Persönlichkeiten wie Oprah und verstehe den Mancrush auf Ryan Gosling. Ganz schön Mainstream-Populär – und auch wichtig!

Denn die wohl wichtigste Erkenntnis ist die, dass wir Dinge im Leben nicht kategorisch ablehnen sollten, sondern sie selektiv annehmen oder zumindest gelegentlich in Frage stellen sollten. Ergo: Nicht immer die Populärmeinung annehmen, sondern auch den eigenen Kopf anschalten und seine eigene Meinung ausdrücken – auch wenn wir damit nicht immer everybody's darling in der Konversation sind.