Friseurmomente, die jeder kennt

- Kennt ihr jemanden, der leidenschaftlich gern zum Friseur geht? Ja? Wegen des Haarschnitts, oder wegen der Massage? Wegen des Kaffees? Wir kennen niemanden. Irgendwie haben wir doch alle einen wahnsinnigen Respekt vor der Meisterschere. Allein beim Spitzenschneiden passieren ständig grauenhafte Dinge - wir haben mal ein paar typische furchtbare Friseur-Situationen zusammengetragen.

Woher kommt die Angst vorm Friseur?

Vor dem Friseurbesuch

Von "Ach, das geht noch" zu "Ich brauche heute noch einen Termin" geht es wahnsinnig schnell. Doch am kritischen Tag bekommt man grundsätzlich keinen Termin. Also nimmt man den nächstbesten, der dann wiederum meistens einer der Best-Hair-Days ist. Selbst wer noch kurz über ein Verschieben des Termins nachdenkt, ringt sich schließlich dazu durch, dieses Mal wird es sicher super!

Friseur-Sprüche, die jeder kennt
  • "Nein, heute geht gar nichts mehr, nächste Woche Freitag, 16 Uhr?"

  • "Ja, ich weiß genau, was Sie wollen. Ich habe genaue Vorstellungen."

  • "Ich schneide nur die Spitzen. 2-3 Zentimeter."

  • "Also, da haben Sie doch selbst dran herumgeschnitten, oder?"

  • "Na, die Strähnen sind nur so fein, da müssen Sie dichter an den Spiegel."

  • "Ein bisschen Farbe würde Ihnen gut tun."

  • "Stimmt die Temperatur so? Ist es auch nicht zu warm?"

  • "Das wird richtig frisch aussehen."

  • "Huch, das tat aber nicht weh jetzt, oder?"

  • "Die Haare müssen Sie wirklich besser pflegen. Wir hätten da was."

  • "Jaja, da war ich ja noch nicht. Das kommt noch."

  • "Sieht doch toll aus, oder?"

  • "Sie könnten den Scheitel auch mal auf der anderen Seite tragen."

  • "Darf ich Ihnen noch etwas Gel in die Haare geben?"

  • "Das macht dann 74,95. - Ja, bei mir ist es teurer, als bei meinem Kollegen."

  • "Sollen wir gleich einen neuen Termin machen?"

Vorbesprechung

Kaum im Laden beginnen erneute Zweifel: Das Licht ist mal wieder furchtbar und man selbst betrachtet sich höchst argwöhnisch im Spiegel. Sieht alles viel besser aus, wenn die Frisur erst wieder sitzt. Denkt man. Und am Ende wird man richtig gut aussehen.

Bei der Vorbesprechung läuft alles wie am Schnürchen. Den Fauxpas vom letzten Mal noch in Erinnerung habend, erklärt man nun alles etwas präziser und äußert seine Wünsche ganz genau. Man denkt sich: "Dieses Mal habe ich es richtig gut erklärt."

Ab zum Waschbecken

Eigentlich hatte man sein Haar in weiser Voraussicht und aus Eitelkeit natürlich frisch gewaschen, meistens erst wenige Minuten vor dem Friseurbesuch. Aber Routine ist Routine und es ist ja auch hygienischer, wenn die Haare jetzt nochmal gewaschen werden. Man merkt sich: Nächstes Mal muss ich nicht extra vor dem Besuch nach Hause hetzen und die Haare vorwaschen.

Die obligatorischen "Passt die Temperatur so? Ist es auch nicht zu heiß?"-Fragen beantwortet man pflichtbewusst höflich mit "Ja, alles prima", nicht zuletzt, weil man keine Lust auf ein "Nein, doch etwas wärmer wieder, bitte" hat. Bis man seinen Nacken in eine halbwegs angenehme Position gebracht hat, um sich auf die Kopfmassage einzulassen, ist es auch schon wieder vorbei. Man hat nun drei verschiedene Shampoos und zwei Pflegemittel im Haar. Mindestens eins davon wird man später mitnehmen.

Zurück vorm Spiegel

Um die Augenränder steht es immer noch nicht besser, aber immerhin gibt es Kaffee und man denkt sich noch: Das wird spitze aussehen, wie bei der Prominenten, die ich letztens im Fernsehen gesehen habe.

Das Haareschneiden in Kurzform

Doch sobald die Schere angesetzt wird, überwiegen Gedanken, wie "Nein, tun Sie das nicht!" und "Also, dass das nicht gerade ist, sehe ja sogar ich", oder "Naja, lass ihn mal machen, ich sag gleich was." Mit jedem Schnitt, jedem langsam trocknenen Haarbüschel, der kleinkindmäßig am Kopf festgekordelt wurde, schwindet die Hoffnung, dass das am Ende noch gut aussehen wird. Aber man wird nichts sagen. Nicht mal, wenn die Schere kurz Richtung Ohr abrutscht und dem Friseur ein "Huch, tat hoffentlich nicht weh" entweicht, worauf man wieder pflichtbewusst lächelt unter seinem Regenponcho, aus dem man sich nicht die Arme zu strecken traut.

Als handelte es sich um einen chirurgischen Eingriff, versucht man den Kopf so ruhig wie möglich zu halten, Emotionen auf ein Minimum zu reduzieren - ergo Gesprächsfetzen bei Fetzen zu belassen und mehr aus Mitleid denn aus Interesse zu antworten. Warum fragen Friseure das eigentlich alles? Erzählen sie jeden Tag genau das gleiche von sich selbst? Werden Menschen Friseure, die gerne reden, oder redet man irgendwann viel, weil man Friseur ist? Der Kaffee ist nun kalt. Aber die Oberfläche ist ohnehin mit frischen Fransen bedeckt. Langsam wird die Kehle trocken und das Gesicht unangenehm warm: "Hier komme ich nicht mehr raus."

Unzufrieden mit eurer Frisur? Macht hier den Test: Welche Frisur passt zu mir?

Endergebnis Friseur

Das Endergebnis ist ernüchternd und benötigt dringend Gebläse. Föhnen beim Friseur ist die eigentliche Kür. Da wird gekämmt, gezupft, gezottelt, aufgebläht und glatt gestrichen. Kein Mensch hätte jemals so viel Zeit zuhause. Und während es nach drei Minuten Föhnen noch lässig-schick aussieht, fallen die Haare dann nach 15 Minuten Föhn-Marathon wie die Matte von Donald Trump und alles scheint verloren.

Zähneknirschend moniert man noch, dass der Pony links noch einen Milimeter kürzer sein muss und will dann nur noch raus.

Aber dann kommen die Stylingprodukte. "Darf ich Ihnen ein wenig Gel..?" Nein, eigentlich nicht, man geht ja ohnehin sofort duschen, um die Katastrophe vorm eigenen Spiegel zu inspizieren und Schadensbegrenzung zu betreiben. "Ja, wenn Sie mögen", antwortet man pflichtbewusst. Weltuntergang. Schauen Friseure sich uns überhaupt nicht vorher an? Egal, wie wir reinkommen, raus kommen wir mit einer neuen Hülle - und kommen nicht umhin uns zu fragen, ob wir einen falschen Eindruck vermittelt haben, oder der Friseur uns mit dem Umstyling irgendwas sagen will.

Friseurbesuche sind für uns also ein Albtraum. Oder geht es euch dabei etwa anders?