Zahnspange für Erwachsene

- Feste Zahnspangen für Erwachsene: Müssen es Brackets sein? Ist Invisalign wirklich unsichtbar? Was kosten Zahnspangen für Erwachsene und übernehmen die Krankenkassen die Kosten? Wir haben mit der Kieferorthopädin Dr. Jutta Rittmeyer über Zahnspange mit 30 und dem neuen Trend zur Invisalign-Methode gesprochen.

invisalign

Zahnspange für Erwachsene: Invisalign-Schienen sind im Mund kaum sichtbar

Zahnspange mit 30? Keine Seltenheit mehr – schiefe Zähne sind leider kein Teenager-Phänomen, sondern stören auch Erwachsene beim Lächeln. Das kann an einer fehlerhaften oder abgebrochenen Zahnkorrektur in jungen Jahren liegen oder an unerwartet später Zahn-Bewegung.

Oftmals hadern Erwachsene mit einer festen Zahnpange: Ist das wirklich nötig? Ich bin doch zu alt für die "Schneeketten" im Gesicht. Wie sieht das denn im Job aus! Dann nimmt mich doch niemand mehr ernst, und sexy ist das auch nicht.

Wie gut, dass es eine neue Methode der Kiefer-Regulation gibt: Die transparenten Zahnschienen "Invisalign" kosten nicht mehr als Keramik-Brackets, sind bei Bedarf herausnehmbar und korrigieren die Zahnfehlstellung nahezu unsichtbar – eben eine feste Zahnspange für Erwachsene.

Invisalign Expertin in München, Dr. Rittmeyer
Wir haben mit einer Kieferorthopädin gesprochen, die Invisalign-Anwenderin der ersten Stunde ist: Dr. Jutta Rittmeyer hat seit 2001 in ihrer Münchner Praxis bereits über 1.000 Patienten erfolgreich mit der Invisalign-Methode behandelt und wurde von den Invisalign-Erfindern Align Technology mit den Platin-Elite-Status ausgezeichnet.

Jolie.de: Frau Dr. Rittmeyer, wie funktioniert die Zahnkorrektur mit Invisalign?
Dr. Jutta Rittmeyer: Invisalign ist eine Kiefer-Regulation mit hauchdünnen, transparenten Kunststoff-Schienen, die über die Zähne gestülpt werden, wie eine zweite Haut. Die Invisalign-Schienen sind praktisch unsichtbar, haben aber genug Zugkraft, um die Zähne zu bewegen wie herkömmliche Brackets.

Für die Zahnkorrektur mit Invisalign wird eine individuelle Serie von Schienen für den Patienten hergestellt: Wir machen zuerst einen Gebiss-Abdruck, der digitalisiert wird. Ein spezielles Computerprogramm berechnet aufgrund der Ausgangsstellung der Zähne, wieviele Schritte, also Schienen, nötig sind, um die Zähne in die gewünschte Stellung zu bringen.

Jede Schiene wird 14 Tage lang getragen und bringt die Zähne nach und nach in die gewünschte Endposition. Pro Schiene werden die zu bewegenden Zähne um 0,2 mm bewegt oder um 1 Grad gedreht.

Invisalign nutzt dabei dasselbe Prinzip wie die herkömmliche Brackets-Therapie: Auf der einen Seite des Zahns wird ein Druck aufgebaut, auf der anderen Seite entsteht ein Zug – also wird im Kiefer Knochen abgebaut und auf der anderen Seite wieder angebaut, so bewegen sich Zähne.

Die Invisalign-Schienen sind ja wirklich dünn! Und die üben genau so viel Druck aus, wie die schweren Brackets mit den dicken Drähten?
Ja: Mit Invisalign-Schienen werden immer nur wenige Zähne auf einmal bewegt, bei der Therapie mit Brackets wird auf alle Zähne gleichzeitig Druck ausgeübt. Das kommt durch das Rückstellvermögen des Drahtes, an dem die Brackets aufgehängt sind, wie Wäsche an einer Leine. Der Draht will in seine ursprüngliche Form – die für den Patienten ideale Zahnstellung – und so entsteht viel mehr Druck auf alle Zähne. Mit Invisalign ist es viel einfacher, gezielt Druck auf ein, zwei Zähne auszuüben. Erst wenn überhaupt genug Platz für den schiefen Zahn entstanden ist, wird dieser bewegt.

Das hört sich nach einer langwierigen Sache an.
Die Kiefer-Regulation mit Brackets und Invisalign ist zeitlich fast gleich, zwischen 9 und 18 Monaten. Invisalign ist nicht schneller, aber auch nicht deutlich langwieriger.

Eignet sich Invisalign nur für leichte Zahnfehlstellungen oder können damit auch schwere Fehlstellungen korrigiert werden?
Invisalign eignet sich für die meisten Fehlstellungen, man kann mit den Schienen wesentlich mehr beheben, als nur eine kleine Zahnlücke.

Was sind die Vorteile von Invisalign gegenüber Brackets?
Sie sind nahezu unsichtbar, man kann viel besser mit ihnen sprechen und hört dem Patienten die Spange nicht an. Außerdem gibt es wesentlich weniger Probleme, was Schmerzen angeht. Eine feste Spange tut weh, das kann man leider nicht verleugnen. Es wird permanent Druck ausgeübt. Bei Invisalign schmerzt der Druck nur in den ersten zwei, drei Tagen nach Schienenwechsel, in den restlichen elf Tagen spürt man überhaupt nicht mehr, dass man eine Spange trägt.

Der weitere große Vorteil ist die Mundhygiene, denn die Schienen sind im Gegensatz zu einer normalen festen Spange herausnehmbar. Man nimmt sie zum Essen raus, kann beim Zähneputzen so arbeiten, wie man es gewöhnt ist, man kann Zahnseide benutzen, man kann mit Interdentalbürstchen putzen, etc. Das ist natürlich auch praktisch, wenn man einen wichtigen Termin hat: ein Date, ein Vorstellungsgespräch...

Einer der wichtigsten Gründe, weshalb sich Patienten für die Zahnkorrektur mit Invisalign entscheiden, ist, dass die Schienen wirklich weitestgehend unsichtbar sind. Ich rate meinen Patienten gern, zuhause erst einmal gar nichts über die neue Zahnspange zu sagen und tatsächlich, da haben Ehemänner zwei Wochen lang nicht gemerkt, dass die Frau plötzlich eine Zahnspange trägt!

Ich habe hier in München auch ein paar prominente Schauspielerinnen unter meinen Patienten, eine Kabarettistin, die ihre Auftritte mit den Schienen absolviert und Radiomoderatoren, die mit den Schienen sprechen.

Ist Invisalign teurer als die feste Zahnspange mit Brackets?
Wenn wir von Erwachsenen ausgehen, die aus ästhetischen Gründen die günstigeren silbernen Brackets ablehnen und sich für die teurere Variante aus Keramik entscheiden, ist die Behandlung mit Invisalign sogar günstiger. Auch die innenliegende feste Zahnspange, die sog. Incognito-Methode, ist wesentlich teurer als Invisalign, allein durch die Materialkosten, die durch die teure Goldlegierung für die individuell gegossenen Brackets entstehen. Die kosten schon so viel wie die gesamte Invisalign-Behandlung – und darauf kommen dann nochmal Behandlungskosten.

Interessierte Patienten haben auch die Möglichkeit, den Invisalign-Status der Kieferorthopäden in ihrer Nähe abzufragen. Das lohnt sich, denn erfahrene KFOs mit Platin- oder Platin-Elite-Status bekommen von Align Technology bis zu 40% Rabatt auf die Herstellungskosten der Schienen, die sie an die Patienten weitergeben können. So wird die Behandlung bei einem erfahrenen Invisalign-KFO deutlich günstiger.
Zahnspangen für Erwachsene werden sowieso nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt, wenn sie aus kosmetischen Gründen gewünscht werden.
Die privaten Kassen und die Zusatzversicherungen zahlen die Behandlung mit Invisalign aber meist ohne Probleme. Mittlerweile machen die Privaten da keinen Unterschied mehr zwischen Brackets und Alignern. Voraussetzung ist natürlich, dass eine medizinische Notwendigkeit besteht.

Das heißt also, die Kiefer-Regulation mit Invisalign ist eine medizinisch anerkannte Methode?
Natürlich, die deutsche Ärztekammer hat die Behandlung mit Invisalign als schulmedizinische Methode der Zahnkorrektur anerkannt. Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie veröffentlicht ebenfalls regelmäßig Studien zur Kieferregulation mit Alignern, die an Universitäten durchgeführt wurden.

Frau Dr. Rittmeyer, vielen Dank für das Gespräch!

Dr. Jutta Rittmeyer ist Kieferorthopädin in München: www.dr-rittmeyer.de

feste Zahnspange
Feste Zahnspangen auf einen Blick

Brackets
Die Kiefer-Regulierung mit sog. Brackets ist die bekannteste Methode und eignet sich für Patienten mit schwerer Zahnfehlstellung. Der Kieferorthopäde klebt kleine Metallplättchen auf die Zähne, die anschließend mit einem Draht verbunden und mit Gummiringen befestigt werden. So entsteht ein konstanter Druck von außen, der die Zähne wieder in die richtige Stellung bewegt.
Wer als Erwachsener keine Lust auf die gut sichtbaren "Schneeketten" hat, kann sich auch für Brackets aus Kunststoff oder Keramik entscheiden. Diese sind allerdings teurer und gehen schneller kaputt. Kunststoff-Brackets können sich durch Rauchen und Kaffee unschön verfärben.

Lingual-Technik
Die Lingual-Technik oder "Incognito-Behandlung" ist ebenfalls eine feste Zahnspange mit Brackets, die aber Unsichtbarkeit verspricht. Dazu werden die Brackets auf die Zahn-Innenseite geklebt und üben somit einen Zug aus. Die Lingual-Behandlung ist teurer als die normalen Brackets und Patienten beklagen sich darüber, dass die Apparatur unter der Zunge die Zunge behindern und verletzen würde.

Invisalign
Die Kiefer-Regulierung mit Alignern ist eine "feste Zahnspange", die es erst seit den 90ern gibt und weitestgehend unsichtbar ist. Dünne Schienen aus transparentem Kunststoff werden über die Zähne geklemmt und bringen die Zähne langsam in die gewünschte Position. Anders als bei Brackets oder Lingual-Technik können die Aligner zum Essen und Putzen rausgenommen werden. Für den deutschen Markt ungewöhnlich ist, dass die Aligner-Therapie mit einer konkreten Marke, Invisalign des US-Konzerns Align Technology, verbunden ist.