Vorbeugen gegen Gebärmutterhalskrebs

Dieses Thema betrifft jede Frau und ist in aller Munde: Gebärmutterhalskrebs und die mögliche Vorbeugung durch Impfung. Doch für wen ist die Impfung zu empfehlen und was bewirkt sie? Jolie.de hat die Facts und Infos!

Falls Sie sich für eine Impfung gegen die Pap-Viren entscheiden, informiert Sie die Frauenärztin über alle Details (Bild: Getty Images)

Falls ihr euch für eine Impfung gegen die Pap-Viren entscheidet, informieren euch die Frauenärztin oder der Frauenarzt über alle Details (Bild: Thinkstock)

Seit Oktober 2006 gibt es in Deutschland einen Impfstoff, der der Infektion mit den humanen Papillomviren (HPV) vorbeugen kann. Insgesamt gibt es über 100 dieser Papillomviren, die durch sexuellen Kontakt übertragbar sind, aber nicht automatisch zu Krebs führen. Ganz im Gegenteil, die meisten dieser Viren sind harmlos und werden vom Immunsystem abgewehrt.

Die Viren werden durch Haut- und Schleimhautkontakt übertragen und nicht durch Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Blut. Es wird vermutet, dass drei Viertel aller sexuell aktiven Frauen im Laufe ihres Lebens irgendwann in Kontakt mit HPV geraten. Gefährlich sind aber nur vier der Papillomviren: Die Pap-Viren 16 und 18 sind in 75% der Fälle der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, die weniger aggressiven Viren 6 und 11 verursachen zu 90% Genitalwarzen. Genau gegen die vier kann man sich jetzt impfen lassen ...

Ist die Impfung für jede Frau sinnvoll? Oder wer soll sich impfen lassen?

Da der Stoff vorbeugend wirkt, eignet er sich am besten für Mädchen und junge Frauen im Alter von 12 bis 17 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Bis 18 übernimmt noch die Krankenkasse die Zahlung für die circa 500 Euro teure Impfung.

Ist die Impfung auch nach dem ersten sexuellen Kontakt noch sinnvoll?

"Auf jeden Fall", sagt der Münchner Frauenarzt Dr. Klaus Ihm, "eine Impfung hat trotzdem einen Benefit." Wurde eine Frau durch sexuellen Kontakt bereits mit einem der vier Viren angesteckt, ist die Wahrscheinlichkeit zwar geringer, dass der Impfstoff noch voll wirkt. Meist ist aber bei jungen Frauen nach einer erstmaligen Ansteckung schon nach Monaten nichts mehr nachzuweisen, weil das Immunsystem die Viren von selbst bekämpft hat. Allerdings steigt das Risiko bei erneuter Infektion, da sich die Viren immer und immer wieder in die infizierten Zellen einnisten. Dann kann es zur chronischen Ansteckung kommen. Einmal infiziert bedeutet eben nicht, dass das Immunsystem sich "gemerkt" hat, was sich da schon mal eingenistet hat...

Eine mehrfache Ansteckung durch wechselnde Geschlechtspartner ist möglich. Aber auch das ist erstmal kein Grund zur Panik: Viele Frauen haben den Virus jahrelang im Körper ohne gesundheitliche Schäden davon zu tragen und ihn überhaupt zu bemerken.

Die neueste Erkenntnis:

Die Impfung, die der Entstehung dieser Viren vorbeugen kann und die seit letztem Jahr von der Ständigen Impfkommission der Bundesregierung für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren empfohlen wird, ist seit einigen Monaten wieder verstärkt in die Kritik geraten. Ein Kreis renommierter Mediziner hatte die Impfung sogar öffentlich kritisiert und irreführende Informationen bemängelt.

So soll es bislang keine sicheren Daten über die Aussage geben, dass 70 Prozent der von den zwei gefährlichen Viren verursachten Krebsfälle verhindert werden können. Aktuelle Studien sollen hier lediglich eine Erfolgsquote von 7,8 bis 17 Prozent nennen. Außerdem ist noch nicht sicher, wie die Langezeitwirkungen der Impfung aussehen.

Sind geimpfte Mädchen völlig immun gegen die Viren?

Die jungen Mädchen, die sich gegen die vier Pap-Viren geimpft haben, sind zwar immun, jedoch besteht eine 30-prozentige Restgefahr, Gebärmutterhalskrebs zu bekommen. Dann sind andere seltene HPV-Typen beteiligt, gegen die noch kein Impfstoff entwickelt wurde.

Schützen Kondome vor der Virus-Übertragung?

Kondome bieten zwar einen guten Schutz – natürlich auch vor allen anderen Geschlechtskrankheiten – aber eine Ansteckung mit den Pap-Viren kann nicht mit 100-prozentiger Sicherheit verhindert werden. Dr. Klaus Ihm meint: "Papilloma-Viren sind kugelförmige, unbehüllte Viren und die Übertragung findet über direkten Hautkontakt oder Schleimhautkontakt statt, in den meisten Fällen ist das Geschlechtsverkehr. Aber auch bei nicht-penetrativen Sexualkontakt ist eine Ansteckung möglich."

Was ist mit den Männern? Können sie sich auch impfen lassen?

"Natürlich können sich auch Männer impfen lassen, allerdings ist das visionär", sagt Dr. Klaus Ihm, "denn für Männer ist die Impfung nicht kostenlos." Auch für sie ist eine Impfung am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr: Sie können somit zumindest nervigen Genitalwarzen vorbeugen und ihren zukünftigen Geschlechtspartnerinnen einen Gefallen tun.

Da der Stoff relativ neu auf dem Markt ist, liegen für Frauen und Männer ab 46 noch keine genauen Daten vor, es ist also gar nicht sicher, ob eine Impfung bei älteren Damen überhaupt noch wirkt oder nicht. Die neuen Impfstoffe wurden fast ausschließlich an jüngeren Mädchen getestet.

Es gilt aber dennoch: Auch wenn man in jungen Jahren geimpft wurde, ersetzt dies nicht den halbjährlichen Gang zur Frauenärztin und somit Krebsvorsorge!

Mehr zu gesundheitlichen Problemen und was ihr dagegen tun könnt: