Hautkrebs: So schützt man sich am besten - Das Experteninterview

Der Sommer steht vor der Tür und wir können es kaum erwarten, endlich wieder Farbe zu bekommen. Doch welcher Sonnenschutz ist am effektivsten und was können wir tun, um Hautkrebs zu vermeiden? Dermatologe Prof. Dr. Jürgen Lademann klärt im Experteninterview die wichtigsten Fragen zum Thema Hautkrebs und Sonnenschutz.

Braune Haut will jeder - aber wie schützt man sich richtig?

Braune Haut will jeder - aber wie schützt man sich richtig?

Jolie: Trotz der heute besseren Aufklärung steigen die Neuerkrankungen an Hautkrebs weiter an. Woran liegt das?

Prof. Dr. Jürgen Lademann: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die Ursachen für den Hautkrebs, den wir heute sehen, sind nicht erst gestern entstanden. Diese liegen teilweise bis zu 20 Jahre zurück, wie Studien gezeigt haben. Das heißt, die Wirkung der besseren Aufklärung und der verbesserten Produkte, die wir heute haben, müssten sich eigentlich erst in der Zukunft niederschlagen. Allerdings weiß man von australischen Studien, dass dort schon intensive Aufklärung innerhalb weniger Jahre durchaus Wirkung gezeigt hat. Dort fängt man bereits in den Schulen mit dem Unterrichtsfach "Umgang mit der Sonne" an.

Der zweite Aspekt ist natürlich unser verändertes Freizeitverhalten. Heute sind wir in der Lage schnell in den Süden zu düsen, ohne dass wir darauf vorbereitet sind. Wer sich dann sofort in die pralle Sonne legt, riskiert nicht nur einen schmerzhaften Sonnenbrand. Folge von intensivem Sonnengenuss kann auch eine Immunsuppression sein. Das merkt man zum Beispiel daran, wenn man aus warmen Gefilden nach Europa zurückkehrt und erst einmal einen Schnupfen bekommt. Das ist ein Effekt, der mit dem Immunsystem zu tun hat, das schlichtweg überfordert ist.

Nicht zu vergessen, dass die Sonne, neben den genetischen Veranlagungen, der Hauptgrund für unsere Hautalterung ist. Und die schlimmste Folge von zu viel Sonne ist natürlich der Hautkrebs. Ich sage immer: Der Sonnenschutz fängt im Kopf an, mit dem Bewusstsein, dass Sonne etwas sehr Schönes, aber auch etwas Gefährliches ist.

Jolie: Wie kann man sich denn auf die Sonne vorbereiten?

Lademann: Das ist schwierig. Denn wie will man sich vorbereiten, wenn man den ganzen Tag im Büro sitzt? Man kann ja nicht ohne weiteres raus gehen. Sich mit Solarium-Besuchen vorzubereiten bringt auch nichts, weil die Haut dabei keine Lichtschwiele aufbaut.

Man muss sich also wirklich im Klaren sein, dass man sich nur dann in der Sonne aufhält, wenn die Strahlung weniger intensiv ist, also in den Morgen- und in den Abendstunden. Meiden Sie die Mittagssonne und bleiben Sie im Schatten. Bedenken Sie auch, dass Wasser und Sand lichtreflektierende Eigenschaften haben.

Und ganz wichtig ist natürlich der Einsatz der richtigen Sonnenschutzmittel und korrekte Anwendung. Denn: Die besten Produkte nützen nichts, wenn man sie nicht ausreichend auf die Haut aufbringt. Der angegebene SPF, also der Sun Protection Factor, basiert auf der Verwendung von zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut.

Von wegen ein bisschen Rücken eincremen genügt: Laut Experte muss man richtig, richtig dick auftragen.

Wenn man sich richtig schützt, dann reicht eine Flasche Sonnencreme pro Person ungefähr eine Woche. Leider ist das Verhalten unter Realbedingungen oft weit von dieser Empfehlung entfernt. Es gibt Familien mit zwei Kindern, die mit einer Flasche Sonnencreme im Gepäck in den Urlaub fahren und nach 14 Tagen immer noch einen Tropfen in ihrer Flasche haben.

Außerdem werden oft schwierig erreichbare Stellen wie der Rücken nicht ausreichend eingecremt. Allein ist das auch nicht zu schaffen. Sie müssten mit der Flasche eigentlich gleich immer Ihren Partner mitnehmen, der Sie eincremt.

Jolie: Dann also am besten auch gleich nackt im Hotel eincremen, damit man keine Stelle vergisst?

Richtig, und man sollte das Sonnenschutzmittel gut einziehen lassen. Denn wenn Sie gleich Ihren Bikini anziehen, dann ist der Bikini geschützt, aber Sie nicht. Und cremen Sie am Strand immer tüchtig nach. Denn Ihr Handtuch, das Wasser aufsaugen soll, nimmt auch Ihr Sonnenschutzmittel auf. Wenn Sie im Wasser sind, wird ebenfalls ein Teil von der Creme abgespült. Das regelmäßige Nachcremen ist demnach ganz wichtig.

Jolie: Welche Körperstellen sind am meisten gefährdet für Sonnenbrand und schlimmstenfalls Hautkrebs?

Lademann: Was den weißen Hautkrebs betrifft, weiß man, dass sein Auftreten immer mit den lichtexponierten Hautarealen zusammenhängt. Beim Melanom, dem schwarzen Hautkrebs, ist das etwas anders. Es kann auch an Bereichen auftreten, wo das Licht eher selten hinkommt, wie z.B. an den Fußsohlen.

Die genauen Ursachen werden noch diskutiert. Es gibt aber Hinweise, dass die Sonne auch hier ihren Einfluss hat. Doch gerade beim weißen Hautkrebs, der sehr intensiv auftritt, ist eindeutig, dass dieser vor allem auf den exponierten Hautarealen auftritt.

Und wenn Sie fragen, welche Stellen werden nicht richtig eingecremt? Das sind all die Bereiche um die Textilbekleidung herum. Häufig wird ein bisschen Abstand gehalten, damit das Sonnenschutzmittel nicht an den Bikinistoff gelangt. Oder war man vor dem Urlaub beim Friseur, spart man gern den Haaransatz aus, um ihn nicht einzufetten. Oft wird auch der Fußrücken vergessen oder ausgelassen, damit kein Sand an den Füßen kleben bleibt. Und an den Ohren merkt man den Sonnenbrand oft zu spät, weil diese relativ unempfindlich sind. Hier also auch gut eincremen.