Ursula von der Leyen: "Frauen sind auf dem Weg nach oben!"
Aber was brauchen sie, um Familie und Karriere zu vereinbaren? Darüber macht sich Ministerin von der Leyen täglich Gedanken. Und wünscht sich im Jolie - Interview: "Habt Mut zum Kind!" Ursula von der Leyen ist seit 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und hat selbst sieben Kinder.
(Bild: Getty Images)
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Jolie: In Deutschland verdienen Frauen immer noch 22 % weniger als Männer, drei Viertel aller Führungspositionen sind von Männern besetzt. Was können Politik und Unternehmen tun, damit sich dies ändert?
Ursula von der Leyen: Es ist eine Illusion zu glauben, die Politik könnte mit Verboten in einzelne Unternehmen hineinregieren. Das löst nur Widerstände und Umgehungsstrategien aus. Ich finde, der Staat muss sagen, wo er Verantwortung hat: Deshalb haben wir das Elterngeld eingeführt und vier Milliarden Euro zum Ausbau der Kinderbetreuung bereitgestellt. Und die Unternehmen müssen erkennen, wo ihre Aufgaben sind: flexible Arbeitszeiten, Betriebskitas, Teilzeit- und Teleangebote. Das macht es Frauen möglich, sich ihre Zeit im Beruf passend einzuteilen und zu zeigen, was sie können. Damit wachsen die Karrierechancen. Übrigens gilt das auch für Männer. Der neue Trend, ausgelöst durch das Elterngeld, ist: Junge Männer pochen aktiv auf Zeit mit den Kindern und wollen Vatersein mit dem Beruf vereinbaren. Erst wenn Kinder und Beruf Männer und Frauen gleichermaßen beschäftigen, sind ihre Chancen auch gleich.
Jolie: In anderen Ländern ist es selbstverständlich, sein Kind früh in die Krippe zu geben, um wieder zu arbeiten. In Deutschland gilt man schnell als Rabenmutter. Woran liegt das?
Ursula von der Leyen: In Deutschland haben wir Frauen viel zu lange vor die Wahl gestellt: Entweder Kind oder Karriere. Je nachdem, wie sich die jungen Mütter entschieden, wurden sie mit diesen hässlichen Worten wie Rabenmutter oder Heimchen am Herd beschimpft. Und wir haben in Westdeutschland kaum Erfahrungen mit Krippen und Tagesmüttern, weil es einfach kaum welche gibt. Die frustrierend langen Wartelisten sprechen ja Bände. In anderen Ländern wie Schweden oder Frankreich sagt man den Frauen nicht ständig, was nicht geht, sondern fragt sie, was sie brauchen, wenn sie Beruf und Familie unter einen Hut bekommen wollen. Seit Jahrzehnten entwickeln sich dort flexible und vielfältige Angebote der Kinderbetreuung und Ganztagsschulen. Mit dem Ergebnis, dass dort mehr Eltern arbeiten können und mehr Kinder als bei uns geboren werden. Und den Kindern geht es offensichtlich gut. Aus dieser gelebten Wirklichkeit heraus ist die Haltung entspannter, wenn Mütter und Väter die Balance zwischen Familie und Beruf schaffen wollen. Da müssen wir auch hin: Weg mit den Vorwürfen! Einfach pragmatisch fragen, was Eltern und Kinder in der modernen Welt heute brauchen – und dann entsprechend handeln!
Lesen Sie auf der nächsten Seite wie Ursula von der Leyen die zukünftige Entwicklung in Deutschland sieht und wie Sie auch mit Kind Erfolg im Beruf haben können ...
ieekhoff
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