Kurzes Experten-Interview mit Dr. Mühlberger vom Migräne-Chirurgie-Zentrum Berlin, der sich auf die Krankheit Migräne und deren Therapiemöglichkeiten spezialisiert hat - Teil II:
Migräne ist nie eine Krankheit alleine, sondern immer eine Kombination aus Ursachen ... (Bild: Thinkstock)
Welche Heilungschancen habe ich mit der chirurgischen Therapie?
Es ist schwierig von Heilungschancen zu sprechen, es kommt immer auf den Menschen individuell an. Bei den Vortests zeigt sich, dass nur etwa fünfzig Prozent der Patienten, die den Test durchlaufen, eine deutliche Verbesserung erleben. Die Erfolgsquote einer Operation ist nahezu 100 Prozent. Das Schwierige an der Behandlung des Krankheitsbilds „Migräne“ ist, dass es nicht eine Erkrankung alleine ist, sondern ein Zusammenwirken verschiedener Probleme.
Wie funktioniert die chirurgische Therapie und für wen ist sie geeignet?
Vor der Migräne-Operation steht immer ein mehrstufiges Auswahlverfahren, um herauszufinden, ob ein Migränepatient überhaupt für den Eingriff in Frage kommt.
Im Wesentlichen geht es um folgende Schritte: Mit dem Ausfüllen eines Migräne-spezifischen Fragebogens ermöglichen Sie uns eine Zuordnung Ihres Migränetyps. Nach Auswertung dieser Daten werden Sie kontaktiert und es kann ein Beratungstermin in einem der Migräne-Chirurgie-Zentren vereinbart werden. Hierbei ist es von großer Bedeutung, die so genannten Triggerpunkte zu identifizieren.
Sind diese Schmerzpunkte lokalisiert, wird der Botox-Test durchgeführt. Daran anschließend dokumentiert der Patient über einen Zeitraum von acht Wochen die Veränderungen der Symptome in einem Migräne-Tagebuch. Bessern sich die Beschwerden in dieser Testphase deutlich, entscheidet der Arzt in einer weiteren Beratung gemeinsam mit dem Patienten über die Möglichkeit einer Operation.
Die chirurgische Migränetherapie ist kein Allheilmittel und nicht für jeden Migränepatienten geeignet. Durch das Auswahl- und Testverfahren kann jedoch die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Operation verlässlich bestimmt werden, da der Operationseffekt zuvor durch das Botox simuliert wird.
Kann ich dem Krankheitsbild "Migräne" vorbeugen und wenn ja, wie?
Man sollte zuerst selbst analysieren, wann die Migräne auftritt und dann begünstigende Umstände ändern. Beispielsweise, wenn die Migräne immer nach Alkoholgenuss zuschlägt. Dann sollten Sie den Alkohol künftig weglassen und sehen wie es Ihnen dann geht. Und so verfahren Sie am besten mit allen Merkmalen die Ihnen auffallen. Erst wenn gar nichts mehr hilft, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen..
Generell gibt es vorbeugende Medikamente (Prophylaktika) und eine Akutmedikation durch Triptane. In beiden Klassen gibt es unterschiedlich „schwere“ Medikamente. In Antiepileptika sehen manche Patienten den letzten Ausweg. Trotz allem würde ich es aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen niemals empfehlen.
Einer kleinen Gruppe können wir mit einer chirurgischen Therapiemöglichkeit helfen. Sie besteht aus der Druckentlastung des Trigeminusnervs. Die chirurgische Behandlungsmethode eignet sich für Patienten, deren Migräne mit der bisherigen medikamentiösen Behandlung nicht erfolgreich therapiert wurde.
Wir haben hier für Sie alle Symptome und eventuelle Therapiemöglichkeiten aufgelistet!
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