Migräne: Wenn der Kopf zu platzen droht!
"Heute nicht, Schatz. Du weißt doch: Meine Migräne ..." Was so Manchem als Ausrede dient, hat einen ernsten Hintergrund. Denn wenn Mann oder Frau unter Migräne leiden, dann ist’s mit einer Kopfschmerztablette nicht getan. Doch wo genau ist die Grenze zwischen "bloß Kopfschmerzen haben" und einer handfesten Migräne-Attacke? Wir haben uns auf Ursachen-Forschung begeben ...
Migräne oder "nur" Kopfschmerzen? Wie Sie den Unterschied sehr leicht herausfinden könne, erfahren Sie in unserem Interview! (Bild: Thinkstock)
Hemicrania, die Halbköpfige, ist das Ursprungswort für Migräne. Das Krankheitsbild ist bereits seit 4000 Jahren bekannt – man findet sogar Einträge dazu in Talmud und Bibel. Es gibt rund acht Millionen Menschen in Deutschland, die von dieser Krankheit betroffen sind und trotzdem wird sie oft nicht als Krankheit anerkannt.
Erst wenn man selbst einmal eine Migräne-Attacke erlebt hat, denkt man schlagartig anders darüber. Und weil diese Krankheit so ähnlich ist wie Kopfschmerzen, die durch einen Wetterwechsel oder Stress ausgelöst werden können, ist, aber viel leichter behandelbar ist, sind nur ca. 40 Prozent aller Migränepatienten als solche diagnostiziert.
Es gibt verschiedene Formen der Migräne:
Migräne ohne Aura – diese Migräne nannte man früher auch einfache Migräne
Migräne mit Aura – bei rund 15 Prozent aller Betroffenen leitet eine sogenannte Aura die Attacken ein.
Trotz aller Bemühungen ist noch immer nicht geklärt, wodurch genau eine Migräne ausgelöst wird. Bislang ist bekannt, dass es sich bei dieser Krankheit nicht um eine reine Blutgefäßerkrankung handelt. Es gibt sogar Hinweise, dass es eine Krankheits-Verwandtschaft mit Epilepsie gibt. Bewiesen ist aber noch nichts und es hilft bei der Behandlung auch nicht wirklich weiter.
Kurzes Experten-Interview mit Dr. Mühlberger vom Migräne-Chirurgie-Zentrum Berlin, der sich auf die Krankheit Migräne und deren Therapiemöglichkeiten spezialisiert hat:
An welchen Fakten erkenne ich, dass ich unter einer Migräne leide und nicht „nur“ unter Kopfschmerzen?
Der gravierende Unterschied zwischen einer Migräne-Attacke und Kopfschmerzen ist, dass die Schmerzen bei einer Migräne explosionsartig schlimmer werden, wenn sich der Betroffene bewegt. Es reicht oftmals, wenn nur der Kopf gedreht oder geneigt wird. Das ist bei "normalen" Kopfschmerzen nicht so.
Außerdem kann man den Verlauf einer Migräne mit einem Theaterstück in vier Akten vergleichen:
Vorbotenstadium: Jeder Migräne-Patient hat individuelle Merkmale, woran er merkt, dass es wieder losgeht. Bei manchen ist es übermäßiges Gähnen, bei anderen eine nicht erklärbare Euphorie, wieder andere werden depressiv verstimmt. Migräne-Patienten und deren Migräne-Symptome kann man nicht in Schema F pressen und so behandeln. Jeder reagiert anders, hat andere Kombinationen von Auslösern.
Aura: Nicht jeder ha sie – vermutlich rund 15 Prozent aller Patienten leiden im Vorfeld der Schmerzattacke unter Sehstörungen und anderen neurologischen „Ausfällen“. Die Aura kann – je nach Patient – von zehn Minuten bis zu einer Stunde andauern. Auch das sind nur Zirka-Werte. Manche bekommen eine Aura vor der Schmerzattacke, manche Menschen danach.
Schmerz: Licht, Gerüche, Lautstärke, wenn man das alles nicht mehr ertragen kann, ist der oft stechende und pulsierende Schmerz nicht mehr weit. Es hilft in der Regel nur, sich in ein abgedunkeltes Zimmer zu legen.
Die Rückbildungsphase beginnt, wenn der Schmerz nachlässt und den Patienten völlig ausgepowert, antriebslos und wie nach einem schweren Kater zurücklässt.
cschneider
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