Fernsehabend auf der Couch oder Des Rätsels Lösung
Da sitzt er nun und guckt Fernsehen. Füße auf dem Tisch, obligatorische Bierflasche daneben und einem sagenhaft zufriedenen Gesichtsausdruck. Süß. Ich liege, wie es sich für ein gutes Weibchen gehört, in seinem Arm und sehe wahrscheinlich genauso genügsam aus wie er. Was für ein Bild.
(Bild: Thinkstock)
Ob er wohl wirklich einfach nur fern sieht und dabei entspannt? Ich meine, er guckt einen Actionfilm in Dolby Surround und nicht etwa Mary Poppins. Kann man da abschalten? Hm, er scheint wunschlos glücklich zu sein.
„Schatz, brauchst Du was aus der Küche oder so, ich muss mal eben auf´s Klo.“ Keine Reaktion... noch nicht mal ein Brummen. Ich hab das doch eben laut gesagt, oder? “Hallo? Schatzi? Erde an Schatz! Hallohalloha..“ - „Was? Redest du mit mir? Sorry, ich hab grade geguckt?“. Männer sind schon witzig. Kann es sein, dass sie manchmal zu bequem sind um zu antworten.
O-Ton männliche Großhirnrinde: Oh nein, sie hat was gefragt, bloß nicht antworten sonst will sie wieder reden und hört so schnell nicht mehr auf. Alle Reaktionen auf Null und nichts anmerken lassen. Oder wir haben es bei dieser plötzlich auftretenden Form von Taubstummheit mit einem natürlichen Schutzmechanismus des Mannes zu tun. Das männliche Gehirn läuft im Sparmodus und lässt nur lebenserhaltend Wichtiges passieren; alles andere wird kurzerhand durch gewunken.
Soll ich mal ganz laut SEX rufen?
Nur so zum Spaß. Mal schauen was passiert, wenn im männlichen Cerebrum der Alarm losgeht. Von null auf hundert, sozusagen. Das könnte äußerst interessant werden, aber ich liege grad so schön in meiner Kuschelecke zwischen seiner Brust und seinem Arm, da möchte ich es mir nur ungern verscherzen, Männer sind in dieser Hinsicht sehr empfindlich. Sex kommt, wo wir schon bei lebenserhaltend sind, schließlich gleich nach Sauerstoff. Schön wenn ein Mann eine Frau begehrt, obwohl ich bei meinem Exemplar durchaus glaube, dass er es mit mir selbst auf einem Ameisenhaufen treiben würde. In seinen Augen durchaus ein Liebesbeweis.
Schon lustig, Männer, Sex und ihr Penis.
Bei einigen Merkwürdigkeiten habe ich mir bereits eine Erklärung zurechtbasteln können. Die „Ich rede mit meinem Geschlechtsteil“- Merkwürdigkeit ist sogar irgendwie plausibel, zumindest wenn man der Männerlogik nicht gänzlich fremd ist. Der Penis ist der beste Freund des Mannes, ohne ihn fühlt er sich unmännlich, verständlich. Diese tiefe Zuneigung veranlasst den Mann dem muskulösen Schwellkörper einen Namen zu geben. Da in jeder guten Beziehung nun mal auch geredet wird sollte hin und wieder ein kleines Pläuschchen gehalten werden. Die Tatsache, dass Willi immer seiner Meinung ist, nicht diskutiert und sich auf seinem geistigen Niveau befindet, ist zusätzlich sehr attraktiv.
Bei den meisten Eigenarten, die unter „typisch Mann“ laufen, sollte Frau aber gar nicht erst versuchen, einen tieferen Sinn zu finden. Den gibt es nämlich nicht. Hart aber wahr, so einfach ist das. Männer sind grob gestrickt. Eine Erkenntnis, die jeder Frau das Leben mit Mann einfacher machen wird. Im Zweifelsfall hilft immer lächeln und nicken. Eine Patentgestik die sich über Jahrhunderte bewährt hat und vor unnötigen Grübelfalten schützt.
Jetzt geh ich aber erst mal schnell und auf die Toilette und auf dem Rückweg hol ich mir noch ein Weinchen aus der Küche, der scheint mich heute gedanklich zu beflügeln. Wieso steht da ein ketchupbeschmierter Teller AUF der Spülmaschine, wo er doch ganz offensichtlich IN die Spülmaschine gehört? „Schatzi? Wo du grad stehst, bringst du mir noch ein Bier mit....bitte?“Jetzt aber ganz schnell nachgefragt bevor die Aufmerksamkeit schwindet. „Warum steht hier ein schmutziger Teller?“ „Was?“ „Wa-rum-hier-ein-schmu-tzi-ger-Tel-ler-steht?“ - „Ist der von mir?“ Witzbold. „Oh, ich hab gedacht die Maschine wär voll, ich räum den gleich ein.“
Aha, er hat „gedacht“....und weiter? Ist ihm eingefallen das er eigentlich fernsieht, eine Erkenntnis die ihn geistig aus der Bahn geworfen und dazu veranlasst hat panisch die Küche zu verlassen? GLEICH stellt er ihn rein, dann muss ich mich damit ja nicht weiter befassen; natürlich räume ICH ihn ein.
„Hier, dein Bier“. „Danke. RÜLPS. Sorry Schatz, der musste raus.“ Einfach nicken und lächeln.
Männer sind leicht zufrieden zu stellen und das meine ich nicht abwertend. Frauen sollten nur ganz einfache Regeln beachten und bald schon erkennen, dass IHN vom Affen doch mehr unterscheidet, als nur der bewegliche Daumen. Ich sage wie es ist: das Zusammenleben mit einem Mann leichter ist als die Haltung einer Bartagame.
Allein die Tatsachen, dass ich ihm sein Bier bringe, dass er, ohne ständiges Leviten lesen, rülpsen darf, dass er auf die Toilette gehen kann ohne die Tür zumachen zu müssen, geben ihm ein Gefühl von Freiheit und komischerweise Männlichkeit. Dafür gucken wir dann auch mal einen Liebesfilm, gehen zusammen shoppen und ich darf meine eiskalten Füße an ihm wärmen.
Als ich ihn letztens einmal fragte, was wohl das Merkwürdigste an der weiblichen Spezies ist sagte er: „Dass sie uns Männer nie verstehen werden.“ So ist das nun mal, belassen wir es dabei und wir werden zusammen glücklich bis ans Ende unserer Tage.
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